Flüchtlinge in St. Ludwig

Flüchtlinge in St. Ludwig

Seit Februar 2014 gibt es in St. Ludwig den Arbeitskreis Flüchtlinge, der Kontakt aufgenommen hat zu den Bewohnern des Übergangsheims an der Werthmühle auf unserem Gemeindegebiet. Wir haben die Menschen dort nach ihren Bedürfnissen gefragt und zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. Ein Bericht über das erste Jahr steht im Pfarrbrief (Frühjahr 2015). Wir haben gemerkt, dass wir nicht alle Wünsche erfüllen können, weil uns Zeit und Geld dafür fehlen. Drei Bereiche erscheinen uns aber besonders wichtig, darum haben wir uns darauf konzentriert: Deutschunterricht, Mobilität und Sport.

Deutschunterricht
Die Verständigung ist für die Flüchtlinge ein großes Problem. Viele nehmen zweimal wöchentlich an den Unterrichtsstunden im Begegnungszentrum teil, haben aber das Bedürfnis, unsere Sprache schneller zu erlernen. Da sie aus unterschiedlichen Ländern und Lebensverhältnissen kommen, über mehr oder weniger Deutschkenntnisse verfügen, zum Teil nicht lesen und schreiben können, versuchen wir, mit ihnen in kleinen Gruppen zu arbeiten. Bisher unterrichteten 8 Lehrerinnen (6 im Pfaz, 2 in Laggenbeck) die Flüchtlinge montags von 14 – 15.30 Uhr. Es war zu Anfang schwierig, Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit einzufordern. Da mussten wir unsere deutsche Gründlichkeit erst einmal hintan stellen und flexibel reagieren, wenn einige Schüler und Schülerinnen nur sporadisch oder zu spät kamen. Inzwischen klappt es ganz gut. Die Asylbewerber merken, dass man in einer kleinen Gruppe effektiver lernen kann und unser Angebot eine gute Ergänzung zum Unterricht im Begegnungszentrum ist. Da fast jede Woche neue Leute kommen, bieten wir nun am Montagnachmittag, Dienstag- und Mittwochmorgen Deutschkurse an, so dass manche auch die Möglichkeit nutzen, zweimal teilzunehmen. Eine Gruppe ist zum Dickenberg gezogen und wird dort von einer unserer Lehrerinnen im Dorfgemeinschaftshaus unterrichtet. Wir sind gespannt, ob unser neues Konzept funktioniert. Viele Flüchtlinge sind hochmotiviert und nehmen jedes Angebot begeistert an, andere müssen immer wieder neu eingeladen werden. Uns macht die Arbeit große Freude, weil sie uns sinnvoll erscheint, wir Erfolge feststellen und sich freundschaftliche Beziehungen entwickeln.
In den Ferien konnten wir dank einiger ehrenamtlicher Helferinnen Deutschunterricht und Spielenachmittage anbieten. Die Kinder hatten große Freude am Schwungtuch, während die Erwachsenen lieber auf einer Decke saßen und miteinander redeten, sich dann aber plötzlich ins lange Springseil locken ließen. Kartenspiele wie Mau-Mau oder einfache Gesellschaftsspiele wie Mensch-ärgere-dich-nicht sind schnell zu lernen und können die tägliche Langeweile ein wenig vertreiben.

Mobilität
Von Anfang an haben wir uns bemüht, Fahrräder für die Flüchtlinge zu organisieren und sie gemeinsam mit ihnen zu reparieren. Seitdem sehen wir unsere Schützlinge oft durch Ibbenbüren sausen und mir wird manchmal angst und bange, weil ich nicht sicher bin, ob sie alle unsere Verkehrsregeln beherrschen. Deshalb luden wir den Polizisten Herrn Schillhahn ein, der den jungen Männern (leider trauten sich die Frauen wohl nicht) an einem Nachmittag den Umgang mit dem Fahrrad zeigte. Es sollen noch weitere Übungen folgen, damit die Asylbewerber vielleicht am Ende sogar die Radfahrprüfung ablegen können wie jedes Kind im 4. Schuljahr. Wir suchen weiter Fahrradspenden, aber auch einen Raum, wo wir sie lagern können und Leute, die sie „betreuen“. Da immer wieder Flüchtlinge die Werthmühle verlassen und in Wohnungen ziehen, die nicht so zentral gelegen sind, ist die Nachfrage sehr groß.

Sport
Es begann mit einem Ball, den eine Lehrerin mitbrachte. Am gleichen Abend sah ich viele junge Männer auf dem Sportplatz an der Ludwigschule kicken. Es machte ihnen sichtlich Spaß und war eindeutig multikulturell. Also nahmen wir Kontakt zu Sportvereinen auf und vereinbarten einen Trainingsnachmittag beim ISV. Inzwischen spielen viele jeden Mittwochnachmittag Fußball, einige sogar in einer Mannschaft. Ein anderer Verein bietet Lauftraining an, an dem auch einige teilnehmen. Es ist wichtig, einen Kontakt herzustellen, die Flüchtlinge ein- oder zweimal zu begleiten, dann kümmern sich andere oder sie trauen sich allein. Sport ist auf jeden Fall ein gutes Mittel gegen die Langeweile, über die viele immer wieder klagen.

Unser Pfarrfest ist eine gute Möglichkeit, die Gemeinde in Kontakt mit den Flüchtlingen zu bringen. Gutscheine ermöglichen ihnen, das Angebot an Speisen und Getränken unbeschwert zu genießen. In diesem Jahr meldeten wir eine Mannschaft zum Menschenkickerturnier an, wo sie zwar keinen der ersten Plätze belegte, aber noch lange nach der Siegerehrung auf dem Spielfeld anzutreffen war.

Wir haben noch viele Ideen, können sie aber oft nicht verwirklichen, weil uns Helfer und Helferinnen fehlen. Gerne würden wir z.B. miteinander kochen, da wir bei dem Thema „Essen und Trinken“ festgestellt haben, dass viele die hiesigen Gemüsesorten nicht kennen und deshalb gar nicht wissen, wie man sie zubereitet. Auch die Asylbewerber wollen uns unbedingt Gerichte aus ihren Ländern vorstellen.
Wie im letzten Jahr werden wir wieder zu einer Adventsfeier einladen. Eine junge Frau aus Sri Lanka übt schon eifrig mit anderen Müttern und Kindern einen Tanz dafür ein.

Ich glaube, ich spreche für alle, die sich in unserem Arbeitskreis engagieren, wenn ich sage, dass der Kontakt zu den Flüchtlingen eine Bereicherung für uns ist. Wenn wir die jungen Männer und Frauen in der Stadt treffen, grüßen wir selbstverständlich, bleiben vielleicht stehen und sprechen miteinander – wie das bei guten Bekannten so üblich ist. Sie strahlen uns aus ihren dunklen Augen an und immer wieder fällt das Wort „Danke!“
Angesichts der Flüchtlingsströme, die jeden Tag Deutschland erreichen und der Probleme, die auf uns zukommen, ist unser Einsatz vielleicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber auch für das Sprichwort „Steter Tropfen höhlt den Stein“ gibt es genügend Beispiele.
Vielleicht haben auch Sie noch Ideen oder Lust und Zeit, uns bei Projekten zu unterstützen. Wir würden uns sehr freuen. Melden Sie sich doch einfach im Pfarrbüro St. Ludwig Tel. 59300 oder bei Birgit Povel  Tel. 17643.

Franziska Hüvelmeyer