Bestürzung über unmenschliche Abschiebung

Bestürzung über unmenschliche Abschiebung

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MdB Kathrin Vogler an Ministerpräsidentin Kraft

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Dieser Beitrag der IVZ vom 14.11.2015 als PDF

13.11.2015
 | Enttäuschung über Abschiebung einer Familie

Auf Integration folgt Trennung

Nach der Abschiebung einer albanischen Flüchtlingsfamilie haben Nachbarn, Schul- und Sportkameraden einen Arbeitskreis gegründet. Sie kritisieren vor allem die Art der Abschiebung. Auch möchte der Arbeitskreis Ideen sammeln und Spenden zusammentragen, um die Familie zu unterstützen.

Foto: Daniel Lüns

In dieser Asylbewerberunterkunft am Bekassinenweg waren die Flüchtlinge untergebracht.

IBBENBÜREN. Die Abschiebung einer albanischen Flüchtlingsfamilie hat bei Nachbarn, Schul- und Sportkameraden für Bestürzung gesorgt. Als neu gegründeter „Arbeitskreis Hilfe für Familie Bakalli“ überlegen die Aktiven nun, wie sie der Familie helfen können, die in der Nacht zum 10. November das Land verlassen musste. Auch kritisieren sie die Art der Abschiebung.

Denn die war ihrer Meinung nach vor allem eines: unmenschlich. Die Familie – zwei Erwachsene und vier Kinder – sei um 3 Uhr geweckt, zum Flughafen Düsseldorf gebracht und zurück nach Albanien geflogen worden. Ihnen sei vorab nicht erlaubt worden, Geld abzuheben oder Koffer zu packen. Sie besitzen nur das, was sie am Körper tragen, erklärte der Arbeitskreis Mittwochabend in einer Sitzung.

Auch habe die Familie seit drei Jahren in Deutschland gelebt – und sich hervorragend integriert. Vor allem die Kinder. Zwei von ihnen hatten die Johannes-Bosco-Grundschule besucht. „Sie waren von Anfang an wissbegierig und haben sich sehr schnell und gut entwickelt“, erklärt Schulleiterin Petra Hardebeck. Vor allem durch die abrupte Trennung der Kinder aus den Klassen, ohne die Möglichkeit zur Verabschiedung, seien die Schüler geschockt.

Gleichwohl merken die Helfer an, dass bei der Abschiebung rein rechtlich wohl alles in Ordnung gewesen sei. Die Familie war vom Kreis Steinfurt darüber informiert worden, dass die das Land verlassen könne – und ansonsten abgeschoben werde, hatte Wencke Hassink vom Arbeitskreis recherchiert. Eine gesetzte Frist hätten die Flüchtlinge jedoch verstreichen lassen, da ihnen ein Anwalt genau dazu geraten habe. „Das war ein Fehler der Familie, leider“, sagt Hassink.

Nun möchte der Arbeitskreis Ideen sammeln, potenzielle Helfer ansprechen und Spenden zusammentragen, um die albanische Familie zu unterstützen. Die komme aktuell bei Verwandten unter. Ein Helfer spielte bereits mit dem Gedanken, Möbel und Geld persönlich nach Albanien zu bringen.

Dass Flüchtlinge, die in Deutschland kein Asyl erhalten werden, erst nach Jahren abgeschoben werden, sei „nichts Ungewöhnliches“, weiß Andrea Seidel, Leiterin des Ordnungsamtes Ibbenbüren. Manchmal dauerten die Verfahren sehr lange.

Federführung bei Abschiebungen ist die Ausländerbehörde des Kreises Steinfurt. Zum konkreten Fall der albanischen Flüchtlingsfamilie macht der allerdings keine Angaben. Die zuständigen Kollegen hätten zurzeit viel zu tun und könnten sich nicht über den Ablauf und die Gründe der Abschiebung informieren, lässt Kirsten Weßling, Pressesprecherin des Kreises, gegenüber unserem Medienhaus verlauten.

Sie beschränkt sich auf Allgemeines zum Prozedere: Ein Flüchtling kann abgeschoben werden, wenn sein Asylantrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt worden ist, sagt Weßling. „Vollziehbar ausreisepflichtig“, heiße das. „Und die Vollziehbarkeit muss gegeben sein.“ Sprich: Er darf zum Beispiel nicht krank sein, Papiere müssen vorhanden und der Flug gebucht sein.

Vorab würden sogenannte Ausreisegespräche geführt. „Die Menschen können dann freiwillig ausreisen.“ Die Abschiebung sei also der letzte Schritt. Dabei seien Termine am frühen Morgen übrigens üblich, „damit die Familie noch ihre Sachen packen“ könne. „Unser Job ist zu gucken, ob die Vollziehbarkeit da ist“, sagt Kirsten Weßling. „Meine Kollegen führen dabei aus, was gesetzlich Fakt ist. Und das ist für alle Kollegen, die abschieben, eine große emotionale Belastung.“

Der „Arbeitskreis Hilfe für Familie Bakalli“ hat im Internet auf www.heiligkreuz.info nähere Infos und Gedanken zum Thema veröffentlicht.

Autor: Daniel Lüns
Tel: 05451 933 246

IVZ 13.11.2015, Seite 1: Die Aussage von Ministerpräsidentin Kraft, wonach es „inhuman“ sei, ausreisepflichtige Familien unangekündigt abzuschieben und dies darum zu unterlassen sei, wertet Sommer als „einen nicht akzeptablen Vorwurf“. In seiner Verwaltung „agiere niemand inhuman“. Darüber hinaus habe die Ankündigung aus Düsseldorf zur Folge, „dass die Abschiebung von Familien nun erheblich erschwert wird.“ Das bestätigt auch Warendorfs Landrat Olaf Gericke: „Oft verhindern fehlende Identitätsnachweise oder vorgetragene gesundheitliche Beeinträchtigungen eine Abschiebung.“

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