Freifunk für Flüchtlinge in Brochterbeck

Freifunk für Flüchtlinge in Brochterbeck

Freifunk IBBWie viele Stufen hat die Wendeltreppe im Kirchturm der katholischen Kirche in Brochterbeck? Diese Fragen können nun drei Mitglieder der Freifunk Gruppe Ibbenbüren und zwei ambitionierte Computerenthusiasten aus Brochterbeck beantworten. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Heilig Kreuz hatten sie sich zum Ziel gesetzt, Freifunk zu der Brochterbecker Flüchtlingsunterkunft zu bringen.

Bereits vor einem Jahr richteten die Ibbenbürener Freifunker und die Kirchengemeinde das erste Netz rund um die katholische Kirche ein. Nahezu rund um den Mühlenteich und auf dem gesamten Gelände des Heinz-Lienkamp-Platzes sowie im Bürgergarten kann das Netz Freifunk Nordwest aufgerufen werden. Nachdem dieses Angebot in Brochterbeck gut angenommen wird, wurde jetzt die nächste Herausforderung in Angriff genommen. Die Flüchtlingsunterkunft in Brochterbeck sollte in das Freifunknetz eingebunden werden. Zwei Brochterbecker Computerfreaks hatten die Idee und gemeinsam mit den Ibbenbürener Freifunkern sollte die Umsetzung erfolgen.

Kirchturmuhr BrochterbeckGesucht wurde ein hoher Punkt im Dorf, von dem aus Sichtkontakt zur Wohnanlage möglich war. Der Kirchturm der Kirche St. Peter und Paul schien der optimale Punkt. War doch bereits das Freifunknetz vorhanden und die Höhe des Kirchturms schien auch ausreichend. Nach einer Anfrage bei der Kirchengemeinde wurde hier Unterstützung signalisiert und so machte man sich gemeinsam auf den Weg, den Kirchturm zu erklimmen. Die schmale Wendeltreppe reicht bis zur Höhe der Turmuhr. Hier trafen dann alte und neue Technik aufeinander. So übte zunächst die noch vorhandene Technik des ca. 1938 vom damaligen Uhrmacher Josef Wieschebrock erbauten Uhrwerks magische Anziehungskraft aus. Zahlreiche Zahlräder, die noch bis vor wenigen Jahren ihren Dienst taten, wurden bestaunt und ebenso die noch vorhandenen Gewichte der alten Turmuhr. Auch die Namen zahlreicher Brochterbecker, die sich im Laufe der Jahre auf dem Schrank um das Uhrwerk verewigt hatten, waren interessante Lektüre.

Weiter ging es dann über Leitern, nochmals zwei Etagen nach oben. Hier oben, direkt unter den Glocken war dann die optimale Höhe erreicht. Hinter den Schallluken des Glockenturms wurde der Sender angebracht. Dieser Sender ermöglicht eine Richtfunkstrecke von einigen Kilometern und wurde auf die Wohncontainer ausgerichtet. Die Datenübertragung zum Richtfunksender erwies sich als gut und so konnte der zweite Teil der Aktion in Angriff genommen werden. Galt es doch nun, den Empfänger auf den Kirchturm auszurichten und das Ganze zu testen. An der Unterkunft angekommen, versperrten zahlreiche Bäume den Blick auf den Kirchturm, aber es zwischen dem Blätterwerk konnte eine Lücke gefunden werden und der Testlauf konnte gestartet werden. Zunächst gab es noch kleine technische Probleme, aber auch die konnten gelöst werden und so standen schließlich alle, Bewohner, Freifunker und die Computerfachleute mit gesenktem Kopf und blickten gebannt auf die Displays ihre Smartphones. Die Freude war groß, als die erste Internetverbindung funktionierte. Glückliche Gesichter bei allen über die gelungene Mission, für die jeder die 60 Stufen hinauf zur Turmuhr und weitere Leiterstufen gern auf sich genommen hatte.