Kirche St. Johannes Bosco

Kirche St. Johannes Bosco

Das Bistum Münster (1993):

St. Johannes Bosco

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf dem Gelände des aufgelassenen Gutes Langewiese eine Siedlung, in der 1960 bereits 1.850 Katholiken wohnten. Kirchbauplanungen begannen 1958. Mit der Errichtung eines seelsorglich selbständigen Pfarrektorates wurde 1964 der Bereich unter Einbeziehung eines Teilgebietes aus der Pfarre Püsselbüren Herz Jesu von St. Ludwig abgetrennt. Die Pfarrerhebung erfolgte 1965. Periodika – Pfarrbrief, dreimal jährlich.
Pfarre im Pfarrverband Ibbenbüren(2.184/1.011).

In der Bauernschaft Schierloh entstandener Siedlungsbereich in aufgelockerter Bauweise, vorwiegend Kleinsiedlungen, ländliches Umland; klein- und mittelständische Gewerbebetriebe, Landwirtschaft.

Kirchen, Kapellen, kirchl. Gedenkstätten
Pfarrkirche St. Johannes Bosco, Erlengrund 8, 49477 Ibbenbüren. Kirchengebäude mit 400 Sitzplätze (Bj. 1962-64), A. Brenninkmeyer, Aachen. – Saalbau mit gestaffelter Giebeldecke unter Satteldach, Seitenschiffe unter Flachdächern, Ostchor als integrierte Altarinsel, östlich davon Sakristei angebaut, Campanile im Nordwesten unter steilem Pyramidendach; Giebelflächen verglast, Sockelzonen aus Quadermauerwerk, Naturschieferdeckung. Orgel (1989), 21 Reg., mechanische Trakturen, F. Breil, Dorsten. 4 Glocken: fis, 118 cm, 1966, a, 102 cm, 1964, h, 93 cm, cis, 82 cm, 1966, Stahl, Bochumer Verein.

Kirchliche Gebäude und Einrichtungen
Pfarrhaus, Erlengrund 8 (Bj. 1965). Pfarrheim, Fichtengrund 15 (Bj. 1972). Kindergarten, Fichtengrund 11 (Bj. 1970).

Friedhof
Zentralfriedhof Nordstraße und Hauptfriedhof Ledder Straße (beide kommunal).

Kirchliche Verbände und Vereine
Frauengemeinschaft (kfd), Seniorengemeinschaft, KAB, Junge Gemeinschaft, Jung-KAB, Meßdienergruppen, Mädchengrupen, Kirchenchor, Sing- und Instrumentalgruppe.

Religiöses Brauchtum
St. Martin, Sternsinger, Osterfeuer, Patronatsfest. Wallfahrten und Prozessionen Stadtwallfahrt nach Telgte, Wallfahrt der kfd und Senioren nach Hopsten-Breischen, Wallfahrt der KAB, Fronleichnamsprozession

 

Don Bosco (Datei 271)

Wer war Don Bosco?

So fragt mit vielen, die zum ersten Mal seinen Namen hören und sein Bild oder Lebenswerk betrachten, Elisabeth Langgässer in ihrem Beitrag zu dem Büchlein „Helden ohne Waffen“: „Er war Kuhhirt und Winzer, Trapezkünstler, Lehrer, Schriftsteller und Redakteur, Pionier und Pfadfinder, Kaufmann und Priester, Sozialarbeiter und Jugendfreund, Gründer unzähliger Jugendheime in der alten und anderen Welt, Freund und Vater von kleinen Dieben und Waisenkindern, Anführer ihrer stürmischen Spiele und Tröster ihrer Leiden, Beter für seine Jungen, die keiner mehr zählen kann, ein Baumeister, Finanzgenie, aber auch ein Visionär und Träumer, ein Tausendsassa und blieb dabei ein einfacher Mensch unserer Tage, doch bestimmt von unendlicher Güte und weltverwandelnder Liebe“.

Sein Leben glich zunächst dem jedes anderen Bauernbuben von Becchi, einem kleinen Weiler, 25 km östlich von Turin, wo er am 16. August 1815 zur Welt kam und in der Taufe den Namen Johannes erhielt. Der Kleine lernte früh Armut und Entbehrung ertragen und mit der Hände Arbeit für den Lebensunterhalt mitsorgen. Dennoch herrschte im Hause Bosco Freude und Zufriedenheit, denn die Mutter Margarete verstand es, durch Frohsinn, Güte und schlichte Frömmigkeit ihre Kinder mit Lebensmut zu erfüllen. Johannes zeigte schon früh Talente, eine unerschöpfliche Erzählergabe, besondere Fähigkeit für Basteln und Zauberkunststücke, sportliche Überlegenheit, ein bezwingender Einfluss auch auf die größten und wildesten Buben, Mut und Ehrlichkeit.

Im Alter von neun Jahren hatte Johannes einen Traum, der sein Leben entscheidend bestimmen sollte. Er sah sich inmitten einer Schar lärmender und fluchender Buben, die er vergebens zum Schweigen zu bringen versuchte. Da ermahnte ihn eine himmlische Gestalt, sich mit Liebe und Sanftmut dieser Jugend anzunehmen und gab ihm die Gottesmutter als Lehrmeisterin. Seit dieser Stunde wollte der kleine Johannes Priester werden. Aber der Weg war mühevoll.

Nach 2 Jahren Arbeit als Jungknecht, besucht der 14-jährige Johannes die Lateinschule. Dazu musste er täglich und bei jeder Witterung viermal den Weg von 5 km nach Castelnuovo machen, bis die Mutter ihn dort bei einem Schneidermeister als Werkstudent unterbrachte. Johannes hatte anfangs in der Schule unter dem Spottnamen „Esel von Becchi“ viel zu leiden, überflügelte aber bald alle Mitschüler und konnte mit 16 Jahren in das Gymnasium nach Chieri übersiedeln, das er mit ungewöhnlichem Erfolg in der Hälfte der Zeit absolvierte.

Nach seiner Priesterweihe am 6. Juni 1841 vertiefte Johannes sein Wissen im Priesterkonvikt in der Industriestadt Turin. Dort lernte er bei seinen Besuchen in den Gefängnissen die ganze Not und Gefährdung der Großstadtjugend kennen. Die im Berufungstraum geschaute Aufgabe sollte seinen Weg bestimmen: Leben für die Jugend und Sorge für ihr irdisches und ewiges Glück.

Die Waisenkinder, Straßenkinder, die heimat- und obdachlosen Jugendlichen sollten seine besonderen Lieblinge werden. Am 8. Dez. 1841 führte ihm die Vorsehung in der Sakristei der Franziskanerkirche von Turin den ersten zu, einen elternlosen 15-jährigen Maurerlehrling. Er nahm ihn gütig auf, versorgte ihn mit Essen und lud ihn ein, andere Kameraden mitzubringen. Am nächsten Sonntag waren es bereits 6, nach einem Vierteljahr 50 Buben, die sich Don Bosco anvertrauten. Er spielte mit ihnen, gab ihnen Unterricht, feierte mit ihnen die hl. Messe und machte an manchen Sonntagen eine Wanderung in die Umgebung von Turin. Er zog mit ihnen – immer wieder angefeindet und verjagt – von einem Spielplatz zum andern, bis ihm schließlich am Rande seiner Kraft und Hoffnungen ein alter Schuppen angeboten wurde, den er notdürftig zu seinem ersten Jugendheim ausbaute. Die Zahl der Buben, die mit Begeisterung an ihm hingen, war inzwischen auf über 300 angewachsen und stieg bald auf 600.

Die aufstrebende Industriestadt Turin, in die Tausende von jungen Leuten aus dem Lande strömten, war außerstande, die soziale Frage zu lösen. Da wurde Don Bosco zum großen Sozial-Pionier. Er versuchte denen zu helfen, die keine Lehrstelle oder Schule fanden und baute das „Oratorium“, wie er seine Gründung nannte, zu einer Volks- und Abendschule aus und richtete vor allem Lehrwerkstätten für Handwerker ein. Die Anfänge waren sehr bescheiden aber Don Bosco ließ sich nicht entmutigen.

Beargwöhnt von den eigenen Amtsbrüdern – einmal wollte man ihn sogar ins Irrenhaus verfrachten – bespitzelt von der Polizei – mehrmals bedroht von gedungenen Mordgesellen, oft bestohlen und enttäuscht von jugendlichen Verbrechern, trieb er unter größten Opfern sein soziales Jugendwerk voran und verhalf vielen jungen Menschen nicht nur zu Arbeit und Brot, sondern auch zu gediegener Fachausbildung, neuem Lebensmut und gesicherter Existenz.

Die Sorge Don Boscos war nicht nur die Schul- und Berufsausbildung seiner Jugend, sondern die Formung des ganzen Menschen, die sittlich-charakterliche Erziehung und das religiöse Heil. Als Grundlagen seiner Pädagogik, die bis heute auch in außerkirchlichen Kreisen hohe Anerkennung findet, bezeichnete er sein Konzept als „Pädagogik der Vorsorge“, als hilfreiche Nähe, erfahrbare, vorausschauende Sorge um das Wohlergehen der Jugendlichen, um ihre Entwicklung und ihre menschliche Reifung.

Als die Schar seiner Buben und die Fülle seiner Aufgaben immer mehr anwuchsen, wurde ihm klar, dass er Helfer brauchte. So gründete er nach vielen Schwierigkeiten eine Gemeinschaft, bestehend aus Priestern, Klerikern und Laienbrüdern, die heute mit über 17000 Mitgliedern zum drittgrößten Männerorden der kath. Kirche angewachsen und über die ganze Welt verbreitet ist, die Salesianer Don Boscos (SDB). In seiner Sorge auch für die Mädchen gründete er zusammen mit der inzwischen heilig gesprochenen Schwester Maria Mazzarello die Don Bosco Schwestern, die einen ähnlichen Aufschwung erlebten und heute fast 18000 Schwestern zählen.

Papst Pius XII. hat Don Bosco 1950 zum Patron aller Medienschaffenden erklärt und damit die Aufmerksamkeit der Welt auf seine schriftstellerische Leistung gelenkt: „Don Bosco will immer in der Avantgarde des Fortschritts sein“. Er schrieb viel, wie das Büchlein „Il giovane provveduto, Der wohlversorgte Junge“, das seit 1847 mit 122 Auflagen und 6.100.000 Exemplaren ein Welterfolg in vielen Sprachen wurde. Darüber hinaus verfasste er verschiedene Lehrbücher, die von der staatlichen Unterrichtsbehörde offiziell eingeführt und wie z. B. die „Geschichte Italiens“ jahrzehntelang in den Schulen gebraucht wurden. Der Gesamtkatalog seiner Schriften und Bücher umfasst 135 Titel.

Am 31. Januar 1888 starb Don Bosco. Papst Pius XI. sprach ihn am 1. April 1934 heilig,: ein Heiliger in unserer Zeit. „Gott will, dass alle an Leib und Seele heil werden“ war der Leitgedanke, den er in immer neuen Variationen seinen Buben und Mitbrüdern vor Augen hielt und vorlebte. Sein übermenschlicher Einsatz, seine rastlose Arbeit, sein Seeleneifer und sein Gebetsleben dienten diesem einen Ziel.

Don Bosco wollte das ganze Glück des ganzen Menschen.

Ulrich Beck