Auftaktveranstaltung zum Equal Pay Day 2019

Auftaktveranstaltung zum Equal Pay Day 2019

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern ist ein fortwährender Skandal kfd, KAB und Kath. Familienbund diskutierten mit Josefine Paul, Maria Klein-Schmeink, Vertreterinnen von ver.di, Frauenverbänden und über 50 TeilnehmerInnen

Ortrud Harhues (kab), Elisabeth Hönig (kab), Elisabeth Löckener (Familienbund), Barbara Richter-Hoffschlag (kfd), Alice Reifig (kfd), Sigrun Jäger-Klodwig (Familienbund)

Am Freitagabend platzt der Sitzungssaal in der Bischof-Hermann-Stiftung aus allen Nähten. Zur aus-gebuchten Auftaktveranstaltung des Equal Pay Days 2019 (EPD), zu der die Diözesanverbände der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) sowie der Familienbund der Katholiken im Bistum Münster eingeladen hatten, kamen trotz der kurzfristigen Absage von Bundesumweltministerin Svenja Schulze über 50 ZuhörerInnen.

Vertreterinnen der drei Verbände diskutierten mit Josefine Paul (Grüne Landtagsfraktion NRW), Barbara Eckhorst (Vorstand Business Professional Women Club Münster e. V.) sowie Ingeborg Pelster und Hannah Koppetz von der Gewerkschaft ver.di über die ungleiche Entlohnung von Frauen und Männern. Auch Maria Klein-Schmeink (MdB und gesundheitspolitische Sprecherin, Grüne) nahm spontan teil, um mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Die breite Reaktion von Seiten der Politikerinnen zeigt, dass das Thema Gleichbezahlung parteiübergreifend auf großes Interesse trifft.

„Was ist unsere Arbeit wert?“
So lautet das Jahresthema des EPD 2019. Hier geht es um die Wertigkeit von Arbeit, aber auch die Vergleichbarkeit von beruflichen Leistungen.
Warum wird ein Techniker, der das EDV-Programm einer Maschine kennt, nach einem Tarif bezahlt, der vier Klassen über dem einer Sekretärin liegt, die ein breites Spektrum von Software beherrscht und dazu noch drei Fremdsprachen spricht? Dies sind Diskreminierungen im Tarifsystem, wie Ingeborg Pelster von ver.di nachvollziehbar darlegte.

Fakt ist auch, dass Belastungen in „typischen Frauenberufen“ geringer bewertet werden als Belastungen in „typischen Männerberufen“. Gefragt ist hier eine gerechtere Stellenbewertung und eine gesamtgesellschaftliche Veränderung. Die Verbände wünschen sich daher mehr Solidarität unter Frauen und öffentlich-wirksame Aktionen wie sie in Irland oder anderen europäischen Ländern stattfinden. Als gemeinschaftliche Verbände wollen sie gemeinsam etwas für Frauen bewirken.

Mit Politikerinnen im Gespräch
Seit sechs Jahren engagiert sich die kfd gegen die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Immer noch liegt die Entgeltlücke bei 21 %. Obwohl das Entgelttransparenzgesetz und das Rückkehrgesetz von Teilzeit in Vollzeit Schritte in die richtige Richtung sind, hat sich an der ungerechten Bezahlung noch nicht viel getan. Was kann die Politik gegen die immer noch bestehende Ungleichbezahlung tun?

Politikerinnen wie Josephine Paul (Grüne) und ver.di-Vertreterinnen fanden dazu eindeutige Worte und boten Gedankenanreize: Es ist die Aufgabe von Politik, die Rahmenbedingungen für eine gerechte Bezahlung zu schaffen. Die 21%ige Entgeltlücke hat vielfältige Ursachen – hinnehmbar ist sie deshalb nicht. Daran müssen wir zusammen mit ver.di und anderen Organisationen arbeiten.

Münsteraner Erklärung für Gleichbezahlung
Rund 40 Frauen unterzeichneten spontan eine Münsteraner Erklärung für Gleichbezahlung, in der sie eine gerechte Rente, eine paritätische Vertretung in der Politik fordern sowie ein Entgelttransparenz- und Rückkehrrecht von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung, das für alle ArbeitnehmerInnen in allen Unternehmen gilt – unabhängig von der Beschäftigtenzahl. Die Zeit ist reif für eine Neubewertung der frauentypischen Berufe und den Abbau von finanziellen Ausbildungshürden.

Im bundesweiten Durchschnitt erhalten Frauen immer noch ca. 21 % weniger Bruttostundenlohn als Männer. Die Unterzeichnenden der Münsteraner Erklärung setzen sich dafür ein, dass gleiche Bezahlung endlich eine Selbstverständlichkeit wird! Die Unterschriftenliste wird noch in verschiedenen Gremien ergänzt und an die politischen Parteien im Bistum Münster weitergeleitet.

Aktionen zum Equal Pay Day am 18. März 2019
Die Teilnehmerinnen tauschten sich im Anschluss über diverse Aktionsideen zum Equal Pay Day aus, mit denen sie sich tatkräftig für eine bessere Bezahlung einsetzen. Neben einer Kabarettveranstaltung in der Volkshochschule Münster finden am 18. März öffentliche Aktionen im gesamten Bistum Münster statt.

Quelle: kfd-Diözesanverband vom 18.11.2018