Das Brochterbecker Prozessionshäuschen am "Daudenknapp" bei Schwakenberg

Das Brochterbecker Prozessionshäuschen am „Daudenknapp“ bei Schwakenberg

Am Sonntag, 28. Juni 2015, werden in der Messe um 10.30 Uhr in St. Peter und Paul Brochterbeck die zwei Guten Hirten eingeweiht: Der neue Gute Hirte wird im Anschluss an die Messe in Prozession zum Prozessionshäuschen bei Schwakenberg gebracht; der alte Gute Hirte hat am Taufbecken einen neuen Platz bekommen.

Der Gute Hirte von Brochterbeck

Foto: Gisela Franke

20150626_085750

Pfarrbrief 2015 1 Der Gute Hirte
Pfarrbrief 2015 1 Guter Hirte_Seite_1Pfarrbrief 2015 1 Guter Hirte_Seite_2

UPDATE: Der Kirchenvorstand St. Agatha Mettingen spendet 1.500 Euro für den Guten Hirten von Brochterbeck!

Auch in Mettingen war es zu Zerstörungen von Heiligenfiguren gekommen. Bei der dortigen Spendenaktion war nach Abschluss der Renovierungen Geld übrig geblieben. Der Kirchenvorstand hat daraufhin beschlossen, das Geld anderen betroffenen Gemeinden für den gleichen Zweck zur Verfügung zu stellen. Wir sagen ein herzliches Dankeschön für diese Unterstützung!!!

Guter Hirte Brochterbeck

Ein neuer „Guter Hirte“ für Brochterbeck

Im Brochterbecker („Dörenther“) Prozessionshäuschen am „Daudenknapp“ bei Schwakenberg soll zu Ostern 2015 wieder ein „Guter Hirte“ stehen. Das hat der Kirchenvorstand von Heilig Kreuz in seiner Sitzung vom 21. August 2014 beschlossen. Die 100 Jahre alte Heiligenfigur war am 27. November 2013 mutwillig zerstört worden (s. u.). Nun soll sie der Mettinger Holzbildhauermeister Ewald Böggemann neu herstellen. Der neue „Gute Hirte“ wird 90 Zentimeter hoch sein und – anders als sein Vorgänger aus Ton – aus bemaltem Lindenholz bestehen. Eine kleine Version der Heiligenfigur wird für zwei Wochen in der Kirche St. Peter und Paul zur Ansicht stehen.

 

Die Kosten belaufen sich auf etwa 2.500 Euro, hinzu kommen noch einmal etwa 1.000 Euro für die Renovierung des Prozessionshäuschens und für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. Die Gemeinde hofft, diese Kosten durch Spenden finanziert zu bekommen. Spenden kann man auf das Konto der Kirchengemeinde Heilig Kreuz bei der Kreissparkasse Steinfurt mit dem Vermerk „Guter Hirte“, Iban: DE63 4035 1060 0000 009878; BIC: WELADED1STF; oder bei der VR Bank Kreis Steinfurt, Iban: DE19 4036 1906 0030 1479 00; BIC: GENODEM1IBB


 

Zur Geschichte und Bedeutung des Prozessionshäuschens

aus: „850 Jahre Brochterbeck„, IVD 2000, S. 418

Wie sehr sich Dörenther Familien mit der Brochterbecker katholischen Pfarre verbunden fühlten, macht auch das Prozessionshäuschen bei Schwakenberg deutlich, das im Jahre 1914 von Dörenther Katholiken errichtet worden ist. Es wurde von ihnen instand gehalten und bei der Bitt- und Hagelprozession, die zehn Tage nach Fronleichnam hauptsächlich durch das Horstmersch führte, auch geschmückt. Es steht am ,Daudenknapp‘. Damit wurde jene Stelle bezeichnet, an der früher der Leichenwagen aus ,Westbrochterbeck-Dörenthe‘ vom Geistlichen abgeholt und in Begleitung von Organist und Messdienern feierlich zu Kirche und Friedhof geleitet wurde.

Prozessionshäuschen am Daudenknapp bei Schwakenberg

Kapelle Schwackenberg

 

 

aus: „150 Jahre St. Peter und Paul Brochterbeck„, Münster 2010, S. 180-183

Von dort ging man nun auf der Dörenther Straße zur vierten Station bei Schwakenberg. Mit dieser Kapelle hatte es eine besondere Bewandtnis. Denn ursprünglich war eine Prozessionskapelle am westlichen Kleeberg jährlich neu errichtet worden, und zwar von den Dörenther Katholiken, die der Kirche St. Peter und Paul in Brochterbeck zugehörten. Damals werden die Teilnehmer am westlichen Kleeberg entlang (dem heutigen Kleeweg) zur Pfarrkirche zurückgegangen sein. In späteren Jahren ist dieser Weg noch einmal beschritten worden aufgrund von Straßenbaumaßnahmen im Dorf. Diese Kleebergroute wurde einige Jahre vor dem 1. Weltkrieg (1914-1918) verändert, denn die Dörenther bauten nachweislich ‚ihre Kapelle‘ im Jahre 1914 bei Schwakenberg. Zu dieser Veränderung hat vermutlich ein Ereignis beigetragen, das als Kaiserjahr lange in der Erinnerung der Menschen hier geblieben ist. Denn 1907 wurde anlässlich des Besuches von Kaiser Wilhelm II in Tecklenburg die Straße nach Dörenthe bis zur heutigen B 219 gründlich erneuert. Natürlich war für die Autokolonne des Kaisers eine asphaltierte Straße erforderlich, auch wenn sie vom Dorf bis Bauer Stermann mitten durch den fruchtbaren Esch führte und ganz neu gebaut werden musste. Was lag also näher, als diese neue Trasse auch bei Prozessionen zu nutzen, was schließlich zum Bau einer festen Kapelle am Dorfeingang führte, errichtet von Dörenther Katholiken. Nach dem 2. Weltkrieg, als die Dörenther ihre eigene Kirche bauten, wurde die Kapelle von der Familie Schwakenberg betreut und zu Prozessionen geschmückt. Frau Dr. Gabriele Böhm hat sich intensiv mit der Ausgestaltung dieser Kapellen befasst und sie eingehend registriert. Ihr danken wir einige Aussagen und weitere Hinweise. In einem ihrer Zeitungsberichte lässt sie unseren damaligen Pfarrer Bücker sagen: „Kapellen sind Ausdruck der Volksfrömmigkeit und äußeres Zeichen des Glaubens. Sie laden ein zum Innehalten, zur Besinnung und zum Gebet“.

Prozessions-Station

 

aus: Änne Sackarndt „Kirchengeschichte St. Modestus Dörenthe„, Riesenbeck 1990, S. 33

Am 16. Juni 1963 hatte eine Bekanntmachung folgenden Wortlaut: „Am kommenden Sonntag ist nur eine einzige Messe in Dörenthe um 7.00 Uhr, weil in Brochterbeck die Feldprozession, die seit alter Zeit die „Dörenther Prozession“ ist, stattfindet. Alle Dörenther sind deshalb zur Prozession nach Brochterbeck eingeladen. Um 9.00 Uhr beginnt in Brochterbeck das Hochamt, danach zieht die Prozession aus.“ Viele wissen gar nicht, daß die Dörenther bei dieser Prozession sogar einen Segensaltar hatten. Das Prozessionshäuschen bei Schwakenberg ist eigentlich der Altar, den die Dörenther immer wieder aufgebaut und geschmückt haben.

 

aus: WN 29.7.1994, von Dr. Gabriele Böhm „Kapellen in Brochterbeck

1914 errichtete die Gemeinde Dörenthe eine Kapelle auf dem Schwakenbergschen Grundstück an der Dörenther Straße. „Dörenthe gehörte kirchlich zu Brochterbeck. Um bei der Prozession auch vertreten zu sein, baute die Gemeinde hier eine eigene Kapelle“, berichtet Heinz Schwakenberg. „Die Dörenther schmückten die Kapelle bei den Prozessionen, die Familie Schwakenberg kümmerte sich um die Altardecken und zündete auch die Kerzen an“, erzählt Ewald Krüer weiter. „1949/50 bekam Dörenthe eine eigene Kirche, von da an verlor die Kapelle allmählich ihre ursprüngliche Funktion“.

 

Das Motiv „Guter Hirte“ bei Wikipedia:

Guter Hirte bzw. der gute Hirte (griech. ὁ ποιμὴν ὁ καλὸς ho poimen ho kalos, lat. pastor bonus) ist im Christentum eine der ältesten und verbreitetsten Bezeichnungen für Jesus Christus. Das Bild begegnet aber auch schon in vorneutestamentlicher Zeit. „Der H[irt] hat wie bei allen gehobenen Nomaden, so auch in Israel religiösen Symbolcharakter.“

In der christlichen Kunst ist der Hirte mit dem verlorenen Schaf auf den Schultern die älteste Christusdarstellung überhaupt, häufig in den römischen Katakomben. Da dieses Motiv bereits in vorchristlichen Schäferszenen beliebt war und auch in den Totenkult Eingang gefunden hatte (s. Mithraismus), ist oft nicht eindeutig zu klären, ob es sich bereits um ein christliches Zeugnis handelt.

 

In der Liturgie ist der 4. Ostersonntag der „Sonntag des Guten Hirten“, z. B. im Lesejahr C, Johannes 10,27-30:

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.


 

Die Zerstörung des „Guten Hirten“

WN, Fr., 29.11.2013: Serie reißt nicht ab
„Der gute Hirte“ liegt in Scherben
Von Ruth Jacobus

Tecklenburg-Brochterbeck. Die Serie reißt nicht ab: Seit Wochen werden im Tecklenburger Land sakrale Gegenstände zerstört. Nun hat es den „guten Hirten“ an der Dörenther Straße getroffen. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

„Der gute Hirte“ ist zerstört. Die fast 100 Jahre alte Figur, die im Prozessionshäuschen an der Dörenther Straße stand, ist Opfer eines vermutlich religiös motivierten Täters geworden. Das sei nicht gänzlich auszuschließen, hieß es gestern beim Staatsschutz in Münster. Er hat die Ermittlungen übernommen und geht von einem Serientäter aus.

Ende September hatte es bereits sieben ähnliche Taten im Mettinger Raum gewesen, später kamen sechs im Raum Ibbenbüren hinzu. Nun hat es auch Brochterbeck getroffen.

Es gebe bislang noch keine Täterhinweise, teilt der Staatsschutz in Münster mit und hofft auf mögliche Zeugen und verstärkte Aufmerksamkeit.

Einer Anliegerin sei aufgefallen, dass die Statue fehle, berichtet auf Anfrage dieser Zeitung Dechant Martin Weber von der katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz. Sie habe die Figur am Mittwoch noch gesehen, Donnerstag sei sie weg gewesen.

Es war Renate Schwakenberg, die das Fehlen der Figur bemerkt hatte. Die 76-Jährige wohnt gegenüber des Tatorts. Die kleine Kapelle sei im Regelfall nicht abgeschlossen, die Eisentüren würden immer offen stehen, weiß die schockierte Brochterbeckerin. Sie hatte die Polizei über das Verschwinden des Hirten informiert.

Am Donnerstag seien Teile der Statue gefunden worden, teilte gestern Rainer Schöttler mit, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde. Diese habe man zunächst nicht zuordnen können. Die Teile wurden zur Spurensicherung zur Polizei nach Lengerich gebracht.

Den Tatzeitraum könne man einengen, so Schöttler weiter. Demnach habe der Täter den „guten Hirten“ zwischen Mittwoch, 16 Uhr, und Donnerstag, 7.30 Uhr, entwendet und zerstört.

Der Sachschaden liegt laut Auskunft der Polizei bei 1000 Euro. Größer ist der emotionale Schaden.

Kirchenrechtlich gehörte früher ein Teil von Dörenthe zu St. Peter und Paul in Brochterbeck. Mit Kutschwagen oder zu Fuß besuchten die Dörenther sonntags die Messe in Brochterbeck. 1914 errichteten sie an der Dörenther Straße das Prozessionshäuschen und kümmerten sich auch um die Instandhaltung.

Wie dem Buch „850 Jahre Brochterbeck“ zu entnehmen ist, hatte die Stelle, an der das Häuschen errichtet wurde, für die Katholiken eine besondere Bedeutung. Dort wurde früher der Leichenwagen aus „Westbrochterbeck-Dörenthe“ vom Geistlichen abgeholt und in Begleitung von Organist und Messdienern feierlich zur Kirche und zum Friedhof geleitet.

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Tecklenburg/Serie-reisst-nicht-ab-Der-gute-Hirte-liegt-in-Scherben

Renate Schwakenberg hat das Fehlen der Statue am Donnerstag entdeckt. Die Figur (kleines Bild) ist entwendet und zerstört worden.

Renate Schwakenberg hat das Fehlen der Statue am Donnerstag entdeckt. Die Figur ist entwendet und zerstört worden. Foto: Heinrich Weßling (WN)

Zerstörung des Guten  Hirten