Der Name ist "St. Mauritius"

Der Name ist „St. Mauritius“

Münster, den 21. September 2019

Sehr geehrter Herr Pfarrer Dördelmann,
sehr geehrte Damen und Herren, in den Gremien der Kirchengemeinden Heilig Kreuz Ibbenbüren,
Ss. Mauritius-Maria Magdalena Ibbenbüren und
St. Franziskus in Ibbenbüren,
sehr geehrte Damen und Herren des Seelsorgeteams,
liebe Gemeindemitglieder!

Verbunden mit einem herzlichen Gruß unseres Bischofs schreibe ich Ihnen allen anlässlich der Neugründung der Stadtpfarrei Ibbenbüren und Brochterbeck durch die Zusammenführung der kath. Kirchengemeinden Heilig Kreuz Ibbenbüren, Ss. Mauritius-Maria Magdalena Ibbenbüren und St. Franziskus Ibbenbüren am Gedenktag des Heiligen Mauritius, am Sonntag, dem 22. September 2019.

Für die Übernahme der damit verbundenen Verantwortung und das Engagement zur Umsetzung der Zusam­menführung Ihrer Pfarreien möchte ich ebenfalls im Namen des Bischofs ausdrücklich und herzlich danke sagen.

Wie Sie wissen, hat der Bischof im Amtsblatt schon vor einigen Jahren festgelegt, dass in der Regel der Name der neu zu gründenden Pfarrei identisch mit dem Namen der Pfarrkirche sein soll, es sei denn, dass sich ein anderer Name nahelegt.

Nun teilen Sie in Ihrem Schreiben vom 9. April dieses Jahres dem Bischof den Wunsch mit, der neuen Pfarrei den Namen „St. Elisabeth“ zu geben. Diese Namensgebung wird damit begründet, dass er das Neue, Gemein­same unterstreichen soll, die Heilige Elisabeth eine attraktive heilige Frauengestalt in der Geschichte der Kirche war und ist und das ehemalige Katholische Krankenhaus direkt gegenüber der Pfarrkirche St. Mauritius ihren Namen trägt.

Dem Bischof erscheint diese Namensgebung eher eine momentane „Kompromisslösung“ zu sein, zumal auch das Krankenhaus nicht mehr den Namen „St. Elisabeth“ trägt, sondern in „Klinikum Ibbenbüren“ aufgegangen ist.

Der Name „St. Mauritius“ kann dagegen auf eine mehr als tausendjährige Tradition zurückschauen. Fast alle Kirchen der neu zu gründenden Pfarrei sind von St. Mauritius abgepfarrt worden, die meisten erst nach dem zweiten Weltkrieg.

Im Respekt vor der Jahrhunderte alten Tradition des kirchlichen Lebens in Ibbenbüren, das mit dem Namen und dem Patroziniums des hl. Mauritius verbunden ist, hat nach Beratungen hier im Haus unser Bischof nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente die Entscheidung getroffen, dass der Name der neuen Pfarrei „St. Mauritius“ ist und Pfarrkirche die Kirche St. Mauritius sein soll.

Ich möchte noch einmal hervorheben, dass alle Kirchen ihr Patrozinium behalten und dass alle Gemeinden in der neuen Pfarrei neben ihrer Verantwortung zur Kooperation für das Ganze der neuen Pfarrei ihr unverwech­selbares eigenes geistliches Profil behalten können und sollen.

Außerdem unterstützt unser Bischof sehr Ihre Blickrichtung, das kirchliche Leben in Ibbenbüren nicht nur auf die zehn Kirchorte beschränkt zu sehen, sondern all das in den Blick zu nehmen, was „Katholische Kirche in Ibbenbüren und Brochterbeck“ schon ausmacht, wie zum Beispiel SKF, Caritasverband, Familienbildungsstätte, Schulseelsorge und Krankenhauseelsorge.

Für Ihren gemeinsamen Weg wünsche ich, wie auch unser Bischof, Ihnen allen von Herzen Gottes Segen und die Gaben und den Beistand des Heiligen Geistes.

Dr. Klaus Winterkamp, Generalvikar

Brief BGV Name St. Mauritius

Ibbenbüren St. Mauritius
Bei der Kreuzung der Handelswege von Rheine nach Osnabrück und Lingen nach Bielefeld (sog. Deetweg) in der Talaue der Ibbenbürener Aa lag in karolingischer Zeit Reichsgut als Mittelpunkt der ausgedehnten Urpfarre Ibbenbüren (1146 Hibenbu­ren), deren Entstehung um 800 anzusetzen ist. Die Besitzungen kamen wohl zwischen 838 und 853 an die Reichsabtei Herford; sie wurden von den Edelherren von Ibbenbüren verwaltet. Der letzte Vertreter dieser seit dem 11. Jahrhundert nachweisbaren Edelherren, Bischof Bernhard II. von Paderborn, übergab 1189 die Besitzungen der Paderborner Kirche und gleichzeitig dem Grafen Simon von Teck­lenburg zu Lehen. Die Vogtei Ibbenbüren erhielten die Grafen von Tecklenburg im Jahr 1245 von der Herforder Äbtissin. Vom 1160 genannten Urkirchspiel wurden Riesenbeck (12. Jahrhundert), Brochterbeck (13. Jahrhundert) und Ledde (14. Jahrhundert) abgepfarrt. Das Patronatsrecht über die Pfarrkirche St. Mauritius besaß die Herforder Äbtissin, den Archidiakonat der Dompropst in Osnabrück. Das mittelalterliche Kirchspiel umfaßte neben dem Ort Ibbenbüren die Bauerschaften Alstedde, Bockraden, Dörenthe, Laggenbeck, Lehen, Osterledde, Püsselbüren, Schierloh und Uffeln. Ibbenbüren war Mittelpunkt der Herrschaft bzw. Obergraf­schaft Lingen mit den Kirchspielen Ibbenbüren, Brochterbeck, Mettingen und Recke. Die Obergrafschaft wurde 1515 mit der 1493 von Tecklenburg abgetrennten Nieder­grafschaft Lingen vereinigt. Von 1559 bis 1580 gehörte Ibbenbüren zum Bistum Deventer, als die Grafschaft Lingen unter spanische Herrschaft kam. Seit 1597 stand Ibbenbüren häufig wechselnd unter holländisch-oranischer oder spanischer Herr­schaft. Die jeweilige Landeshoheit bestimmte auch die Zugehörigkeit zum reformato­rischen oder katholischen Bekenntnis. Die Katholiken verloren ihre Pfarrkirche endgültig im Friedensschluß zwischen den Niederlanden und Münster, der Lingen 1674 den Reformierten zusprach. Katholischer Gottesdienst war fortan verboten. Die verbliebenen wenigen Katholiken besuchten seitdem eine Notkapelle auf der Brum­ley im Kirchspiel Riesenbeck. Aufgrund der »Concession der katholischen Religions­ausübung« des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1717 erbaute die katholische Gemeinde 1722 eine Fachwerkkirche, die 1784 einen Turm erhielt, der 1834 abgebrochen wurde. Die während der Besatzung durch englisch-hannoversche Truppen 1795 als Lazarett benutzte Kirche erlitt derartige Schäden, daß bis zur Fertigstellung der heutigen Pfarrkirche (1829-32) die reformierte Stadtkirche benutzt werden mußte. 1821 gelangte Ibbenbüren mit der Obergrafschaft Lingen an das Bistum Münster. Abgepfarrt wurden Laggenbeck (1891), Uffeln (1949), Püsselbü­ren (1952), St. Ludwig (1954) und St. Michael (1957) sowie ein kleines Teilgebiet bei der Errichtung des seelsorglich selbständigen Pfarrektorats Schlickelde (1958). 

Zur Unterscheidung von Pfarrei und Gemeinde

Mit der Zusammenführung der früher zehn eigenständigen Pfarrgemeinden in Ibbenbüren und Brochterbeck bekommt die (neue) Unterscheidung zwischen Pfarrei und Gemeinde eine besondere Aufmerksamkeit.

Vorweg:
– Jedes Bistum (Diözese) muss dem Kirchenrecht nach in Pfarreien aufgeteilt sein, für die der Bischof einen Pfarrer bestimmt.
– Im Staatskirchenrecht wird eine Pfarrei mit Kirchengemeinde bezeichnet.
– Die „Klärung des Gemeindebegriffs im Sinne eines bistumsweiten gemeinsamen Lern- und Erkenntnisprozesses“ im Zuge des diözesanen Pastoralplanes (2013) hat zu den folgenden Unterscheidungen geführt, die auch für uns hilfreich sein können.


Pfarrei

– Die Pfarrei ist eine juristische Größe, eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Zu ihr gehören die Katholiken, die im Gebiet von Ibbenbüren und Brochterbeck gehören.
– Die Pfarrei wird in Zusammenarbeit mit den synodalen Gremien Pfarreirat und Kirchenvorstand (übergangsweise Verwaltungsausschuss) von Pfarrer Stefan Dördelmann geleitet.
– Dem Pfarrer steht ein Verwaltungsreferent zur Seite. Außerdem werden viele Verwaltungsangelegenheiten von der Zentralrendantur bearbeitet.
– Die Pfarrei ist Anstellungsträger für alle Angestellten, einschließlich aller Erzieherinnen.
– Zwei Verbundleitungen sind zusammen mit der Zentralrendantur geschäftsführend für die 9 Kindertagesstätten zuständig.
– Die Pfarrei ist die Ebene, auf der das Pastoralteam mit zurzeit 21 hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern (17 für die territoriale, also Stadtteil-/Ortsteilbezogene -Seelsorge und 4 für die Krankenhaus- bzw. Schulseelsorge) eingesetzt ist.
– Auf Ebene der Pfarrei wird das Gesamt der kirchlichen Grundfunktionen (Sakramentenspendung, Verkündigung, Caritas) ermöglicht.
=> Innerhalb der Pfarrei wird die Pastoral als Beziehungsgeschehen über Gemeinden, Gruppen, Initiativen etc. gestaltet.


Gemeinde

– Gemeinde ist dort, wo Menschen versuchen, das Evangelium zu leben. Sie
ist pastoral und verwalterisch in die Pfarrei eingebunden.
– Gemeinden sorgen für seelsorgerische Präsenz und eine Ausgestaltung der Pastoral mit den vorhandenen Ressourcen.
– Sind Gemeinden durch Orte geprägt, an denen sich Menschen versammeln (z. B. rund um den Kirchturm), sprechen wir von „territorialer Gemeinde“. Sie organisieren sich in den Gemeindeausschüssen. Der Gemeindeausschuss ist mit den Gruppen und Einrichtungen vor Ort vernetzt und achtet auf die Vernetzung untereinander. Jedem Gemeindeausschuss wird auch ein Mitglied des Seelsorgeteams zugeordnet sein. Territoriale Gemeinden dienen auch dem Sozialraum, in denen sie leben.
– Die Gemeindeausschüsse der zehn territorialen Gemeinden sollen für die Anliegen der Gläubigen vor Ort Anliegen und die ihres Sozialraumes aktiv werden und verantwortlich handeln.

– Sind Gemeinden durch Lebensbereiche, Anliegen oder Themen geprägt, die Menschen sammeln, sprechen wir von „personaler Gemeinde“. Das sind z. B. Schulseelsorge und Krankenhausgemeinde. Aber auch punktuelle oder projektbezogene pastorale Ereignisse wie Wallfahrten, Katechesegruppen o. ä. kann Gemeinde sein, weil die Menschen sich zugehörig fühlen und die kirchlichen Grunddienste (siehe oben) gelebt werden.

– Territorial wie personal geprägte Gemeinden können sich verändern, sich spezialisieren oder differenzieren. Sie können unterschiedlicher Intensität und Dauer sein, zuweilen auch ein Ende finden.
– Menschen gehören zu Gemeinden nicht einfach über den Wohnort, sondern über Zugehörigkeit sowie nicht über formale Mitgliedschaft sondern über persönliche Bindung.

Vernetzung

– Damit sich territoriale wie personal geprägte Gemeinden in einer Pfarrei als „Gemeinschaft von Gemeinden“ einbringen können, ist es Aufgabe des Pfarreirates, für Vernetzung, Austausch, gegenseitiges Hinhören und Impulse zu sorgen. Er kümmert sich um die pastorale Ausrichtung der Gesamtpfarrei. Dazu wird ein Pastoralplan entwickelt, der Leitlinien der Pastoral für alle greifbar und verbindlich beschreibt.
– Der Pfarreirat besteht nicht nur aus Vertreter(inne)n der Gemeindeausschüsse etc., sondern sollte vor allem aus Menschen bestehen, die Interesse an der Gesamtperspektive der Pfarrei haben (Netzwerker, Weiterdenker, Impulsgeber). Es braucht im Pfarreirat keinen lokalen Proporz, weil dort für die Gemeinden nichts gesichert werden muss.
– Die Vernetzung der Gemeinden kann auch durch einen Pfarrkonvent erfolgen.

Infobrief 3: Pfarrei – Gemeinde