Die Erfolgsgeschichte des Sonntags-Treffs in Ibbenbüren - Bericht aus Kirche + Leben

Die Erfolgsgeschichte des Sonntags-Treffs in Ibbenbüren – Bericht aus Kirche + Leben

Frau Saal, stellv. Redakteurin von „Kirche + Leben“ berichtete nach einem Treffen mit den Verantwortlichen der Treffen für allein lebenden Frauen und Mitglieder des kfd Teams St. Ludwig in der Zeitung und im Netz von „Kirche + Leben“

Foto und Bericht von Annette  Saal

Ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden“, sagt Sabine Gräfe. Als ihr Mann vor drei Jahren verstorben war, machte eine Frau aus der Nachbarschaft sie auf die Gruppe allein lebender Frauen in Ibbenbüren aufmerksam. Sabine Gräfe ging hin. Seit zwei Jah­ren gehört sie zum „Treff allein lebender, flotter Frauen“ („Taff“), dessen Mittelpunkt das Pfarrzentrum an der Kirche St. Ludwig ist.

Dort stieß sie auf Gleichgesinnte, denen ebenfalls vor allem sonntags die Decke auf den Kopf fiel. „Ich wollte auch mal wieder etwas Schönes erleben“, begründet Sabine Gräfe ihre Entscheidung, sich der Gruppe anzuschließen. Denn in ihrer Situation fühlte sie sich manchmal einsam: „Allein ins Café oder über die Kirmes gehen? Das ist nicht schön“, sagt sie.

Neue Freundschaften

Schon das erste Treffen ist ihr als Erfolg in Erinnerung. ­Mitt­lerweile hat sie in der Gruppe neue Freundinnen gefunden, mit denen sie auch alltags etwas unternimmt – „mal rausfahren oder tanzen zum Beispiel“.  In diesem Jahr verbringen die Frauen sogar einen gemeinsamen Urlaub auf Rhodos.

In ähnlichen Situationen sind auch die anderen, die sich sonntags treffen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Außer der Gruppe „Taff“, die sich vor allem an 40- bis 60-Jährige richtet, gibt es auch die Gruppe „60 plus“ für Ältere. Rund 30 Frauen sind jeweils dabei. Die Jüngeren treffen sich jeden dritten Sonntag im Monat um 14.10 Uhr, die Älteren jeden ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr an der Kirche St. Ludwig.

Steinbruch und Stadtführung

Während die Zusammensetzung bei den Jüngeren öfter wechselt und viele von ihnen zusätzlich etwas in Kleingruppen unternehmen, ist die Gruppe der Älteren konstanter. „Kürzlich haben wir einen Steinbruch besichtigt und danach Kaffee getrunken“, nennt Maria Niehaus, die zusammen mit Maria Börgel die Gruppe „60 plus“ leitet, ein Beispiel. Stadtführungen und Ausflüge mit Autos stehen ebenfalls auf dem Programm. „Aber das wird zunehmend schwieriger“, gibt Niehaus zu bedenken. Denn mit steigendem Alter gebe es immer weniger Autofahrerinnen.

Die Jüngeren verabreden sich außerhalb ihres Sonntags-Termins gern auch mal per WhatsApp zum Tanzen, Klönen, zu Kinobesuchen oder Ausflügen. Nicht nur das Lebensalter, sondern auch die Lebenssituation und damit die Gesprächs­themen unterscheiden sich von denen der Älteren – deshalb hat sich die Einteilung in zwei Gruppen bewährt. Ob jemand verwitwet, geschieden oder ledig ist, muss niemand bekanntgeben. „Der Mensch kommt, wie er ist“, sagt Kornelia Steinigeweg, die zusammen mit Gertrud Runde die Gruppe der Jüngeren leitet.

Sonntags kommt die Einsamkeit

Die Idee zum Sonntagstreff  entstand bereits 2002 an einem Abend der Katholischen Frauengemeinschaft, berichtet KFD-Teamsprecherin Christa Hüttl. Sie wusste aus ihrer Arbeit bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, „dass viele allein lebende Frauen gerade sonntags in ein tiefes Loch fallen“. Das bestätigt Änne Austermann aus der Grup­pe „60 plus“: „Alltags gibt es ja immer Abwechslung – und wenn ich nur mal in die Stadt gehe, um ein Pfund Kaffee zu kaufen.“ Doch sonntags hätten allein lebende Frauen oft kein Ziel – „weil es wenig Spaß macht, allein durch die Gegend zu fahren“.

Offensichtlich betrifft das Gefühl viele andere Frauen in ähnlichen Situationen: Gleich zum ersten Treffen, am 2. Februar 2003, kamen mehr als 25 Interessierte. Und als 2011 die zweite Gruppe der Jüngeren gegründet wurde, waren es mehr als 40. Der weitaus größte Teil kam dabei nicht aus Ibbenbüren, sondern aus Orten in der Umgebung.
Auch Sigrid Schiffer ist froh, dass sie zur „Taff“-Gruppe gefunden hat. Sie ist erst seit zwei Monaten dabei. „Alle sind mir unvoreingenommen begegnet“, sagt sie. „Ich war zwar neu, aber ich habe mich nicht fremd gefühlt.“