Eine weitere Nicht-Verabschiedung von Eva Linsky

Eine weitere Nicht-Verabschiedung von Eva Linsky

Liebe Eva,
ich weiß, du willst das jetzt nicht.
Es hilft aber nichts – du musst das jetzt in aller Demut ertragen.
Alle Rentner und Pensionäre, die hier sitzen – auch Oswald, kennen das schon:
Eine Rede zum Eintritt in die sog. dritte Lebensphase – in den wohlverdienten Ruhestand – gehört zum Leben genauso dazu wie ein Zahnarztbesuch, nur dass man zum Zahnarzt häufiger im Leben muss als dass man in Rente geht.

Es war 1980 als Paul Brockhoff vom Kirchenvorstand und Norbert Bäumer bei dir im Wohnzimmer saßen und dich gefragt haben, ob du dir vorstellen könntest, den Kirchenchor in St. Peter und Paul Brochterbeck zu leiten – vielleicht sogar als Kirchenmusikerin angestellt zu werden. Zu der Zeit warst du noch Studentin aber gleichzeitig bereits Musiklehrerin am Goethe-Gymnasium in Ibbenbüren und hast seit Jugendzeit ehrenamtlich in St. Maria Magdalena, Laggenbeck die Orgel gespielt und einen Jugendchor geleitet. Seinerzeit hast du zur Anfrage aus Brochterbeck JA gesagt und hast deinen Dienst zunächst mit einem kleinen Vertrag nach den Sommerferien 1980 begonnen. In seiner Rede beim Chorfest 1980 sagte der damalige erste Vorsitzende Norbert Bäumer: „… unsere Freude ist heute umso größer, weil wir mit unserer neuen Dirigentin Frau Linsky, so glauben wir bereits verspürt zu haben, eine tüchtige Chorleiterin gefunden haben, die auch mit den Chormitgliedern guten Kontakt bekommt. Und es ist sehr gut für unsere Gemeinde, dass Herr und Frau Linsky auch demnächst unser Küsterhaus bewohnen werden.“
Und damit sollte er Recht behalten.
Am Fest Christkönig 1980 sang der Kirchenchor dann zum ersten Mal unter deiner Leitung hier in der Kirche.
Eine Festanstellung als Kirchenmusikerin und Küsterin in unserer Gemeinde hast du seit dem 1. März 1981 und diese endet heute nach 37 Jahren und einem Monat.

Dein Beruf als Küsterin und vor allem als Kirchenmusikerin war nicht einfach irgendein Job für dich sondern Berufung. Musik war und ist für dich auch immer Verkündigung der Botschaft Jesu – zum Lob und Ruhme Gottes und zur Freude der Menschen. So bist du uns nicht einfach nur Kirchenmusikerin sondern auch Seelsorgerin geworden. Du hast immer am Leben der Menschen in unserer Gemeinde teilgenommen. Eine besondere Freude ist dir, die Mädels heranwachsen zu sehen, die du schon im Kinder- und Jugendchor hattest und die heute selber Erwachsene sind und ihre Kinder hierher zur Taufe bringen.

Aber auch in Trauerfällen findest du stets tröstende und warmherzige Worte.

In der Sakristei warst du immer die gute Seele, hattest immer freundliche Worte für die Messdiener. Generationen von ihnen hast du die Angst vorm ersten Dienen genommen, stattdessen Mut zugesprochen und immer alles geduldig erklärt. Auch neuen Lektoren und Kommunionhelfern hast du die Aufregung beim ersten Dienst genommen. Du hast so manche Katechese in der Sakristei und Kirche gegeben – nicht nur Dienste und Aufgaben erklärt sondern Zusammenhänge erläutert und Hintergrundwissen vermittelt. Jung und Alt haben von dir gelernt. Herzlichen Dank dafür.

In den 37 Jahren hast du einige Priester hier in Brochterbeck kommen und gehen sehen. Ich möchte drei besonders herauspicken:

Da ist zunächst Pater Roland Maarschalkerweerd.
Mit ihm hast du dich im ganz positiven Sinne oft gerieben.
Die Metaller unter uns wissen, dass man durch reiben Dinge entgraten, Kanten und Ecken runder machen kann.
Reibung erzeugt auch Wärme.
Und wenn man mit dem richtigen Tuch Silber reibt, kommt es zu neuem Glanz.
So hat Pater Roland nicht nur in unserer Gemeinde Dinge entgratet, Wärme gebracht und uns so zu neuem Glanz und einer Lebendigkeit geführt,
er hat auch dich nachhaltig geprägt.

Mit Pater Theo Bücker verband dich eine Freundschaft, die auf tiefem Respekt und gegenseitiger Achtung beruhte. Hier kann ich mich an – wenige – Momente erinnern, da rief er mich abends an und sagte: „Sabine, können Sie Eva mal bitte wieder auf den Boden zurückholen?“

Mit Pfarrer Abraham Manalil habt ihr, Oswald und du, eine ganz besondere Freundschaft geschlossen. Ihr habt euch quasi gegenseitig in die jeweilige Familie aufgenommen. So gehört Abraham Manalil nicht nur zu eurer Familie sondern ihr auch unbedingt zu seiner Familie in Indien. Seine Nichten Merlin und Merin sagen Mum und Dad zu euch. Und schon oft seid ihr in Indien zu Familienfeierlichkeiten wie Hochzeiten und Taufen eingeladen worden.
Und wir dürfen daran ein Stück weit teilhaben, denn du organisierst schon wieder die nächste Gemeindereise nach Indien im Oktober und selbstverständlich wird es auch wieder Begegnung mit Abrahams Familie geben.

Besonders mit diesen drei Priestern und Pfarrer Martin Weber, mit dem du auch freundschaftlich verbunden bist, hast du dich viel ausgetauscht über Lehrmeinungen und Ausübung des Glaubens. Und von diesem gegenseitigen Austausch hat die Gemeinde ganz viel profitiert. Danke dafür.

Heute gibt es nicht mehr viele Ämter und Berufe, die man bis zum Lebensende bekleidet. Die Monarchen in den Niederlanden und Spanien haben vorgemacht, dass auch Königinnen und Könige in Rente gehen dürfen und haben vor Jahren schon zu Gunsten ihrer Kinder abgedankt. Selbst die Kirche hat sich der Moderne nicht verschlossen und Papst Benedikt XVI hat vor ziemlich genau 5 Jahren gesagt „jetzt ist es gut“ und ist in den Ruhestand gegangen.
Und genau an diesem Wendepunkt bist du nun auch.
Ja, es ist gut – du hast dir den Ruhestand verdient.
Du hast es nicht nur gut sondern sehr gut gemacht.
Wenn du jetzt in Rente gehst, bedeutet das Veränderung:
nicht nur für unsere Gemeinde
sondern auch für dich und Oswald, der ja jetzt auch Rentner ist.

Euch beiden nun eine ganz tolle und unbeschwerte Zeit.

Ich freue mich, dass dies – obwohl du in den wohlverdienten Ruhestand gehst – keine Abschiedsrede ist sondern eine Dankesrede.

Einige deiner Aufgaben werden nun von anderen Menschen übernommen:
Thomas Book wird fortan die Orgel spielen – mit den bekannten Vertretern.
Die Kirche wird morgens und abends von Ehrenamtlichen auf- und zugeschlossen. Und weil du dich nicht ganz trennen magst, schließt du künftig dienstags abends – vor der Kirchenchorprobe – die Kirche zu.
Auch der Küsterdienst wird ab sofort ehrenamtlich organisiert. Und sollte dann und wann eine kleine Panne passieren, bitte ich schon jetzt die Gemeinde um Nachsicht.

Den Kirchenchor wirst du weiterhin leiten. Wie ganz zu Anfang mit einem kleinen Vertrag. Im vergangen Monat haben wir uns schon fusioniert mit dem Laudatechor St. Johannes Bosco. Deshalb sind wir jetzt so viele. Darüber freuen wir uns sehr.
Auch die vielen Dinge, die du bisher ehrenamtlich gemacht hast, wie zum Beispiel Liturgiekreis, Eine-Welt-Arbeitskreis und Fairer Handel oder Mitarbeit im Gemeindeausschuss wirst du weiterhin ehrenamtlich machen.

So bleibt mir jetzt nur noch Danke zu sagen:

DANKE – dass du es bei und mit uns über 37 Jahre ausgehalten hast
DANKE – für deinen Dienst hier in der Kirche –
gerade dann, wenn alle anderen frei hatten
DANKE – für deine Arbeit mit und Förderung von den Kindern im
Kindergartenchor, im Kinderchor und im Jugendchor
DANKE – für den Projektchor und die vielen Ostertänze
DANKE – für die vielen Sondergottesdienste in der Fasten- und Adventszeit
DANKE – für die tollen Ideen und Musicals zu den Pfarrfesten
DANKE – für die kirchenmusikalischen Andachten im Advent
DANKE – für den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus
DANKE – für alles, was ich jetzt noch vergessen habe …

Zusammengefasst:
Ganz großen DANK für deine viele Mühe und alles Gute, das du unserer Gemeinde in so vielen Jahren getan hast. Vergelt’s Gott!

Im Pfarrbrief hast du mit den Worten von Trude Herr geschrieben: „“Ich möchte keine Schokolade“ und auch keine Blumen.“
Weder das eine noch das andere sollst du bekommen.
Doch als ganz kleines Dankeschön von der Gemeinde habe ich hier einen Gutschein von der Gaststätte Franz in Höhe von 38 EUR – für jedes angefangene Dienstjahr ein EURO – also quasi nix.

Jetzt lade ich alle herzlich ein, nach dem Schlusslied mit ins Pfarrheim zu kommen.
Hier kann das ein oder andere Glas Wein mit und auf Eva Linsky angestoßen werden.

Aber eigentlich feiern wir die Auferstehung Jesu –
Grund unseres Glaubens und Christseins.
Deshalb sind wir heute hier zusammengekommen.
Frohe Ostern!

Sabine Wallmeier