Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg

Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg

Feldpostbriefe an Pfarrer Hegemann

Die Arbeit von Maren Chaoui ist nun als Buch erschienen:

Seelsorge, Frömmigkeit und Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg

Junges Forum Geschichte 6
Feldpost an den Pfarrer zu Brochterbeck

Feldpost ist eine wichtige Quellengattung. Die in den Jahren 1914 bis 1916 an Pfarrer Heinrich Hegemann gerichteten Feldpostkarten und -briefe sind hierfür ein bemerkenswertes Beispiel. Einerseits geben sie Auskunft über die Kriegserfahrungen der Brochterbecker Soldaten sowie ihrer Glaubensstärke und religiöser Praxis während des Ersten Weltkriegs. Andererseits lassen sie interessante Einblicke in die vielfältige Seelsorgtätigkeit Heinrich Hegemanns zu, der sich verschiedenen Aufgaben sowohl im Hinblick auf die ins Feld gezogenen als auch die daheimgebliebenen Gemeindemitglieder widmete.

Seelsorge, Frömmigkeit und Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg
Feldpost an den Pfarrer zu Brochterbeck

Junges Forum Geschichte 5
Autor: Maren Chaoui
Herausgegeben von Hubert Wolf und Thomas Flammer
ISBN: 978-3-941462-78-6
dialogverlag 2013
14,80 €

 

IVZ: 11. Juli 2008 Karten erzählen Geschichte(n) Bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden: Kisten mit Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt

Vor ein paar Monaten entdeckte Magdalene Bäumer im katholischen Pfarrhaus St. Peter und Paul zufällig „ein paar alte Postkarten“. Schnell stellte sich heraus, dass die 130 Feldpostkarten und -briefe aus dem ersten Weltkrieg etwas Besonderes sind. Sie waren von etwa 65 Brochterbeckern zwischen 1914 und 1916 an den damaligen Pfarrer Heinrich Hegemann geschrieben worden (Namen siehe unten). Der stand offensichtlich in regem Schriftverkehr mit den heimischen Soldaten. 

Gedenkstätte Brochterbeck 1. Weltkrieg L (Datei 2324)So dankt Wehrmann Gustav Lammers aus dem französischen Corbeny („Im Schützengraben den 22. Mai 1915) für das zugeschickte Bändchen „Deutsche Helden“. Clemens Runde schreibt am Sonntag, dem 25, Juli 1915 „vom westlichen Kriegsschauplatze“: „Hier ist noch alles beim alten. Wir Brochterbecker sind alle noch gut zufrieden. Ein Jahr ist bald vorbei…“. Wehrmann B. Wientjes bitten den Pfarrer: „Können Sie nicht ein paar Tage Urlaub für mich einreichen, um meiner Frau Roggen dreschen zu helfen? Ich kann vor Weihnachten kein Urlaub kriegen“. Hermann Brill schickt ein Foto mit Sturmgepäck und schreibt aus dem Schützengraben in Metz: „Viele Grüße nebst einem kleinen Andenken. Augenblicklich haben wir das schönste Frühlingswetter; er stirbt am 5. September 1916. 

Gedenkstätte Brochterbeck 1. Weltkrieg R (Datei 2325)Musketier August Ventker schreibt am 24. Juni 1915 aus Köln Mühlheim: „Der Dienst ist anstrengend, in dieser Hitze besonders die Märsche. Manchmal müssen wir Nachtübung machen. Habe bis jetzt noch alles mitgemacht. Zur Kirche sind wir hier noch nicht gewesen“; er fällt ein Jahr später am 22. April 1916. Aus den Ardennen meldet sich Clemens Jostarndt mit der Bitte: „Denke an mich im Gebet und gedenke meiner Frau und Eltern. Bitte um einen Brief von Ihnen“; er fällt am 17. September 1914. 

Inzwischen beschäftigen sich die Universität Münster und das Bistumsarchiv mit der Sammlung. Professor Dr. Werner Freitag von der Abteilung für Westfälische Landesgeschichte will die Brochterbecker Feldpost in einer eigenen Edition veröffentlichen. Seine Assistentin Dr. Katrin Minner wird zusammen mit Bistumsarchivar Dr. Axel Metz im Sommersemester 2009 ein Seminar zu den Schriftstücken anbieten. Die Vorarbeit übernimmt zurzeit Maren Chaoui. Die 25jährige mit einem Marokkaner verheiratete Studentin will ihre Staatsexamensarbeit in Geschichte über die Feldpost von Pfarrer Hegemann schreiben und war darum in der vergangenen Woche in Brochterbeck. „Mich hat gereizt, hier als Erste neues Quellenmaterial analysieren zu können“. Dazu hat sie zunächst die Postkarten und Briefe „übersetzt“ und katalogisiert. Etwa 65 Namen tauchen als Absender auf. Ihre Arbeit wird sich schwerpunktmäßig mit der Rolle des Pfarrers in der Kriegsseelsorge beschäftigen und mit der Frömmigkeit und der Volksreligiosität der Brochterbecker Soldaten.

Gefallene im Sterberegister Brochterbeck (Datei 2327)In Brochterbeck konnte sie nun vor Ort einige Namen mit den Namen der Gefallenen und Vermissten an der Gedenkstätte abgleichen; auch das Sterberegister der Pfarrgemeinde konnte eingesehen werden. Weitere Unterlagen befinden sich im Bistumsarchiv Münster. Nun interessiert die Studentin, ob es in den Familien noch Unterlagen oder weiter gegebene Erinnerungen aus den Tagen des ersten Weltkriegs gibt. „Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen Brief von Pfarrer Hegemann, den ein Kriegsheimkehrer und seine Nachfahren aufbewahrt haben“, hofft sie. Denn dann könnte der ausgiebige Schriftwechsel vervollständigt werden. Auch interessiert sie weitere persönliche Angaben zu den Briefschreibern: Alter, Beruf, Mitgliedschaft in Vereinen, wann aus dem Krieg heimgekehrt oder wo gestorben. Für die weitere Arbeit zum Thema – auch im nächsten Jahr – sind auch Fotos der Personen oder ihres Lebensumfeldes (z. B. alte Aufnahmen von Wohnhäusern) interessant.

Unterlagen können (leihweise zur Digitalisierung) im Kirchenbüro St. Peter und Paul abgegeben werden. Für weitere Informationen und Kontakte stehen Eva Linsky und Pfarrer Martin Weber zur Verfügung. Nach den Sommerferien soll zudem ein Informations- und Gesprächsabend zu den Feldpostkarten an Pfarrer Hegemann angeboten werden. 

Maren Chaoui (Datei 2326)Maren Chaoui vor der Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Hier stehen die Namen von 81 toten und vermissten Soldaten aus dem ersten Weltkrieg. Sie hält eine Postkarte von Karl Bosse in der Hand, der am 6. Januar 1915 aus dem Prinzessin-Eitel-Friedrich-Krankenhaus in Bojanowo (Großpolen) schreibt: 

Feldpostkarte von Karl Bosse (Datei 2328)Bojanowo, den 6.1.1915
Geehrter Herr Pfarrer!
Endlich bin ich dazu gekommen, auch mal ein Kärtchen herüber zu schicken und kann Ihnen mitteilen, dass ich am 19. kurz vor Warschau leicht verwundet wurde am rechten Ellbogen und bin im Lazarett in Bojanowo in Posen und man kann sich wieder ein wenig ausruhen, bin aber bald wieder geheilt kurzum wieder am 10. nach Potsdam als Revierkraft, dann wird es nicht lange dauern, dann geht es von Neuem ins Feld, aber wollen hoffen, dass der Krieg bald ein Ende nimmt , aber das schöne Glück habe ich doch gehabt, Weihnachten auf deutschem Boden zu feiern und so mit Gott Befohlen will ich schließen. Es grüßt von Herzen Karl Bosse. 

Heinrich Hegemann Ferdinand Wellingmeyer (Datei 2329)Heinrich Hegemann (1862-1925) war von 1910 bis 1925 Pfarrer in Brochterbeck. Neben ihm wird in den Briefen oft Ferdinand Wellingmeyer gegrüßt, der von 1911 bis 1922 Kaplan war und 1913 den Kirchenchor gegründet hat. Auf dem Foto ist Hegemann in der Mitte sitzend, rechts neben ihm sitzend Wellingmeyer – im Kreise der Missionare.



Folgende Namen sind in den Feldpostkarten und -briefen von Frau Chaoui identifiziert worden (Lesefehler möglich!):

Ahmann, A. (Ahmann Dörenthe?)
Averdung, Josef (Averdunk?)
Beermann, H.
Berg, August
Berghaus, H.
Bosse, Karl
Brill, Hermann (?)
Bringemeier, Clemens
Brügge, Hg.
Dahsmann, Jos. (Dassmann)
Drees, B.
Elfering, Heinrich
Engelbert, H.
Engelbert, M.
Greiwe, H. Fr.
Heemann, Heinrich
Hilfert, Wilf.
Hockerhoft, A. (?)
Horstmann, Andreas
Horstmann, Bernard
Horstmann, Heinrich
Hövelmeier, Josef
Jostarndt, Anton
Jostarndt, K.
Klein Wiele, Bernhard
Klein Wiele, Johann
Kluck, B.
König, Clemens
Kruer, Anton
Kuper, Clemens
Lammers, Gust.
Laumann, Gerhard
Liede, Friedrich
Lünningmeier, J.
Lindmeier, H.
Löpmeier
Markfort, Theodor
Middelkamp, Jh.
Minnerup, Bernhard
Münninghoff, Joseph
Otte, August
Pott, Hermann
Renn? (unleserlich; Remme?)
Rottmann
Runde, Clemens
Schnebeck, Herm. (Schneebeck?)
Schwakenberg, Heinrich
Schulte
Segbert, Antonius
Sellmeier, Heinrich
Sellmeier, Hermann
Sellmeier, Wilh.
Stallmeyer, Florenz
Stallfort, H.
Struck, Gustaf
Ventker, Albert
Ventker, B.
Ventker, Otto
Voskort, Ferdinand
Voskort, Joseph
Walter, Andreas
Welp, Theodor
Wennemer, H.
Wientjes, B
Wieschebrock, H.