Geschichte von St. Modestus Dörenthe

Geschichte von St. Modestus Dörenthe

1949 – 1979: 30 Jahre St. Modestus Dörenthe

Liebe Gemeindemitglieder,
dreißigjähriges Bestehen ist für eine Kirchengemeinde noch keine lange Geschichte, gibt es doch Gemeinden, die auf über 1000 Jahre zurückschauen können. So wollen wir auch kein großes Jubiläum feiern. Wir wollen nur unser diesjähriges Pfarrfest als Anlaß nehmen, den 30. Geburtstag unserer Kirche zu begehen.

Am 15. September 1949 wurde unsere Modestuskirche durch Herrn Weihbischof Roleff konsekriert.
Aus diesem Anlass wurde im Pfarrgemeinderat angeregt, eine kleine Schrift herauszugeben, in der die Anfänge unserer Gemeinde festgehalten werden. Dankenswerterweise haben Herr Pater Pott und Herr Hermann dazu Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Herr Hermann, Geschäftsführer des Kapellenbauvereins, hat den Kirchbau von St. Modestus in einer Chronik festgehalten. Herr Pater Pott, als „alter Dörenther“, weiß so manches über die „Urgeschichte“ Dörenthes zu berichten.
Eindrucksvoll an diesen Berichten ist, wie viel an Idealismus und tatkräftigem Einsatz vieler damaliger Gemeindemitglieder das Entstehen von St. Modestus Dörenthe ermöglicht hat. Dieser Idealismus ist beispielhaft für uns heute und für künftige Generationen. Aus diesem Grunde hat diese kleine Schrift auch ihre Berechtigung. Dass Idealismus und Einsatzbereitschaft der Anfangszeit auch künftig in unserer Gemeinde erhalten bleiben, das ist mein Wunsch an Sie alle.
Denn Gemeinde kann nur bestehen, wenn sie „lebendige“ Gemeinde ist, d. h. wenn alle Gemeindemitglieder sie mittragen durch ihre Bereitschaft zum Mittun.
4530 Ibbenbüren – Dörenthe, 24.7.1979,
Ihr Pastor Hubert Ewelt

Geschichte der Kath. Kirchengemeinde St. Modestus Dörenthe 1949-1979

siehe auch (2014): Kirchenführer „Kirchwege – Kichräume“

siehe auch (1990): Kirchengeschichte St. Modestus Dörenthe von Änne Sackarndt

Die Jahre vor dem Kirchbau

Der Wunsch nach einer Kapelle für Dörenthe bestand bereits vor dem ersten Weltkrieg. Damals sollte ein Dörenther Prozessionshäuschen für die sogenannte Hagelprozession, die gewöhnlich am 3. Sonntag nach Pfingsten in Brochterbeck stattfand, gebaut werden. Die drei anderen Altäre Lünningmeier, Horstmann und Stermann waren bereits vorhanden. Für dieses Prozessionshäuschen wurde natürlich kollektiert, und bei dieser Gelegenheit forderte man zum ersten Mal ein eigenes Gotteshaus für Dörenthe. Das war im Jahre 1914.

Zu der Zeit besuchten die Dörenther Katholiken wahlweise die vier bis fünf Kirchen in der Umgebung, die wenigstens fünf Kilometer entfernt lagen. An diese Tatsache erinnert z.B. der damalige “Schulten Kiärkpatt“, der über den Berg nach Ibbenbüren führte und der Birgter “Kiärkpatt“. Das Denkmal für die auf dem Kirchgang ermordete Maria Wintjes dokumentiert ebenfalls, daß Dörenther Kinder den Kommunionunterricht in Ibbenbüren besuchten. Damals gab es keine Katholiken, die Sonntags nicht die Kirche besuchten. Jede Familie teilte sich mit dem Einhüten entsprechend ein. Manchmal wurde es mit der Zeit knapp, aber auf dem langen Weg konnte man mit schleunigerem Schritt einiges “ausrecken“. Oft ging man an Sonn- und Feiertagen zweimal zur Kirche, an den vier Hochzeiten, in der Fastenzeit und an Kommuniontagen war das sogar die Regel. Entsprechend zahlreich waren die Gottesdienstzeiten. In Ibbenbüren gab es Messen um 6.00 Uhr, 7.00 Uhr, 8.30 Uhr und das Hochamt um 10.00 Uhr. In Brochterbeck gab es Messen um 7.00 Uhr und um 10.00 Uhr, ab ca. 1920 auch um 8.30 Uhr. Beichtgelegenheit gab es bereits ab 6.00 Uhr früh. Als das Saerbecker Feld kultiviert wurde, waren auch Saerbeck und Birgte für den Kirchgang interessant, denn der Dörenther “Hävver“ hatte seine Schrecken.

Damals wurde zum Versehgang der Geistliche mit dem Wagen geholt. Hausbesuche in den Familien gab es zur Abhaltung von Kollekten oder bei besonderen Familienereignissen. Dann hieß es: “o gutt o gutt, de härmös kumet“.

Da für die Kinder der Kirchgang so weit war, brauchten sie die “Kinderlär“ (Christenlehre) mit Andacht am Sonntag nicht zu besuchen. Einmal in der Woche kam der Geistliche von Brochterbeck in die Schule nach Dörenthe. Von Septuagesima bis zum Weißen Sonntag besuchten die Dörenther und Brochterbecker Kinder gemeinsam den Kommunionunterricht in der Brochterbecker Schule. Dann gingen die Dörenther Kinder nach den ersten Schulstunden direkt von Dörenthe nach Brochterbeck, wo sie sich auch gern etwas zu essen und zu schleckern kauften, denn sie waren erst zur Kaffeezeit wieder zu Hause. Nur selten empfand man den Kirchgang als Härte, obwohl Hitze, Kälte, Dunkelheit, Schneeverwehungen oder aufgeweichte Wege zeitweilig zu schaffen machten. Man kannte es einfach nicht anders, der Kirchgang war selbstverständlich. Bei dieser Gelegenheit konnte man auch Butter und Eier ins Dorf bringen und sich einen Stuten oder ähnliches holen. Und man hatte Gesellschaft! An Sonn- und Feiertagen spannten die Bauern auch regelmäßig ihren Wagen zum Gottesdienst an und waren großzügig im Aufladen von Fußgängern. Weihnachten war es eindrucksvoll vom Kleeberg aus zu sehen, wie die Gläubigen mit Lichtern durch den Esch zur Ucht strömten.

Damals gab es im Ort nirgendwo Ballungen von Häusern, weil es keine reinen Handwerksbetriebe oder Läden gab, alle waren Bauern oder hatten zumindest Garten und Vieh. Erst mit dem Aufkommen der landwirtschaftlichen Maschinen verschwanden die Heuerhäuser eins nach dem anderen und an anderer Stelle bauten sich Arbeiter, Angestellte und Beamte ihre Häuser. Dadurch entstand ein gewisser Ortskern. Vorher war die Bauernschaft gewissermaßen aufgeteilt in Krükelhook, Üöverbuer, Kleeberg und Mersch (Mässbieke) und Hafen. Als dann noch die Vertriebenen und Flüchtlinge dazu kamen, wurde der alte Wunsch nach einer eigenen Kirche Forderung.



Die ersten Gottesdienste in Dörenthe

An der B 219, die den Ort in Längsrichtung von Nord nach Süd durchquert, lag als einziges öffentliches Gebäude die katholische Schule. Die Bewohner dieser Ortschaft — immerhin etwa 800 Personen im Jahre 1945 — lebten wie in einer Enklave in kirchlicher Sicht. Die Dörenther mußten immer noch teils nach Brochterbeck, Riesenbeck, Ibbenbüren und Saerbeck zur Kirche gehen. Ein geschlossenes kirchliches Leben kannte man nicht. Fürwahr eine Diaspora mitten im katholischen Münsterland.

Der furchtbare Weltkrieg war im Mai 1945 zu Ende gegangen. Unzählig die Verwüstungen, unübersehbar überall menschliches Leid und Elend.

Doch die Bevölkerung begann wieder aufzubauen, was blinder Menschenhaß zer¬stört hatte.

In dieser Zeit des allgemeinen Wiederaufbaues lebte der Gedanke zur Errichtung an eine eigene Kirche wieder auf.

Pater Modestus, ein Dörenther Sohn aus dem Hause Segbert-Öchtering, der in Brasilien als Missionar wirkte und nach langen Jahren zu Besuch in seiner Heimat weilte, war dann, schon siebzigjährig, der eigentliche Initiator des Kirchbaues. Pater Modestus las dann zunächst im Hause seiner Schwester, der verstorbenen Frau Ottmann, sonntags eine hl. Messe, die vorerst nur als Familienandacht gedacht war. Schon sehr schnell hatte die Dörenther Bevölkerung von dieser bequemen Einrichtung einen derartigen Gebrauch gemacht, daß der Raum nicht mehr ausreichte. Eine bessere Möglichkeit bot sich im Hause des Bauern Andreas Ahmann, der die große neue Diele seines Bauernhauses zur Verfügung stellte. Hier entwickelte sich nun das erste kirchliche Leben in Dörenthe.

Der Raum wurde nach den gegebenen Möglichkeiten als Kirche eingerichtet, und zum ersten Mal rief eine kleine Glocke, die am First der Scheune auf dem Bauernhof Ahmann angebracht war, die Gläubigen zum hI. Opfer.

Frl. Klara Ahmann übernahm in vorbildlicher Weise das Amt des Küsters und jeden Sonntag war der Altar mit Blumen reichlich geschmückt. Aus den sonntäglichen Kollekten wurden die notwendigen Meßdienerbekleidungen, Kerzenleuchter usw. angeschafft.

Hauptlehrer Rhode übernahm die Leitung und Ausbildung des Kirchenchores. Der Chor nahm neben seiner kirchlichen Tätigkeit auch im gesellschaftlichen Leben der Bauernschaft bald einen bevorzugten Platz ein. Herr Rhode hat sich um den Dö¬renther Chor, der auch unter anderen Chören des Dekanates großes Ansehen genoß, sehr verdient gemacht.



Der Kapellenbauverein konstituiert sich

Inzwischen war Pater Modestus in dem Bestreben, den Plan zum Neubau eines Gotteshauses in die Tat umzusetzen, nicht untätig geblieben. Durch seine Initiative hatte er erreicht, daß das Generalvikariat in Münster seine Zustimmung zum Kirchbau erteilte.

Nun begann für die Dörenther eine Zeit harter Arbeit, eine Zeit von Entscheidungen aber vor allen Dingen großer Opfer.

In einer ersten Bürgerschaftsversanimlung, im Sommer des Jahres 1947, (unter der Leitung des Bauern Anton Krüer), die in der Gaststätte Ottmann stattfand, wurde einstimmig beschlossen, eine Kirche zu bauen. Es wurde ein Vorstand gebildet, der mit der Durchführung der gesamten Arbeiten betraut wurde. In der daraufhin konstituierenden Sitzung des Vorstandes wurde ein Gremium von Dörenthern gewählt, das den Vorstand des “Kapellenbauvereins Dörenthe“ bildete:

Anton Krüer als Vorsitzender
Anton Segbert als stellv. Vorsitzender
Heinrich Hermann als Geschäftsführer
Bernhard Breckweg als Beisitzer
Josef Voskort als Beisitzer
Felix Große-Sundrup als Beisitzer
Ferdinand Schulte als Beisitzer
Theodor Daßmann als Beisitzer

Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte unter der Bezeichung “Kapellenbauverein Dörenthe“ beim Amtsgericht Ibbenbüren. Der Vorsitzende sowie der Geschäftsführer waren gemeinsam für den Verein vertretungs- und zeichnungsberechtigt. Damit war eine rechtliche Grundlage geschaffen.

Die erarbeiteten Satzungen, die dem Gericht hinterlegt wurden, hatten folgenden Wortlaut:

Satzungen des Kapellenbauvereins Dörenthe i. Westf.

§1
Zum Zwecke der Errichtung einer Kapelle wurde der Verein “Kapellenbauverein Dörenthe“ gegründet.

§2
Sitz des Vereins ist Dörenthe b. Ibbenbüren i. Westf.

§3
Der Verein soll in das Vereinsregister eingetragen werden.

§4
Der Ein- und Austritt der Mitglieder erfolgt ohne Zwang auf freiwilliger Grundlage. Mitglied kann jeder katholische Bürger werden. Beiträge werden nicht erhoben.

§5
Der Verein wird durch seinen Vorstand vertreten. Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, den 2. Vorsitzenden, Kassierer, Schriftführer, sowie fünf Beisitzern. Besetzung und Abberufung erfolgt durch Beschluß der Mitgliederversammlung.

§6
Die Mitgliederversammlung wird durch mündliche oder schriftliche Benachrichtigung vom Vorstand einberufen. Auf Antrag von zehn Mitgliedern, der begründet sein muß, ist der Vorstand verpflichtet, binnen 14 Tagen eine Mitgliederversammlung anzusetzen.

§7
Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.

Dörenthe, 4.07.1947



Der Standort der Kirche wird bestimmt und der Bauplatz wird vermessen

Man hatte als Bauplatz für die Kapelle allgemein den Platz neben der kath. Volksschule vorgeschlagen. Jedoch gab es hier auch andere Ansichten und Wünsche. Schließlich einigte man sich auf den jetzigen Standpunkt der Kapelle. Die Grundstücksverhandlungen gestalteten sich recht schwierig, bis letzlich zwischen den Interessenten Ottmann, Sackarrendt und Lindmeier im Tauschwege alle Schwierigkeiten beseitigt werden konnten. Die Auflassungen der einzelnen Parzellen konnte erfolgen. Die Rechtsanwälte waren H. Schlichter und F. Remke, Ibbenbüren.

Der Entwurf des Kirchenbauarchitekten im Generalvikariat Münster, Herr Kleffner, wurde im Kapellenbauverein und in der Dörenther Bevölkerung viel diskutiert und in seiner vorgesehenen Form nicht gebilligt. Der Entwurf des Architekten Kleffner wurde im Volksmund allgemein als “Schafstall“ bezeichnet. Wenn auch dieser Ausdruck als etwas übertrieben genannt werden muß, so kann doch behauptet werden, daß die geplante Form, sowie der gesamte Entwurf der Kirche sich dem Charakter der Landschaft in keiner Weise anpaßte. Da mit dem Generalvikariat über die Gestaltung der Kapelle keine Einigung erzielt werden konnte, entzog Münster die bereits gegebene Zusage zur Mitfinanzierung der Kirche. Die Dörenther Bevölkerung war nun auf sich allein gestellt. Aber mit der den Westfalen eigenen Starrköpfigkeit ging man unverdrossen trotz dieses Rückschlages weiter ans Werk.

Pater Modestus war inzwischen, es war Sommer 1947, in seinen Wirkungskreis nach Brasilien zurückgekehrt. Vor seiner Abreise unternahm er noch einen höchst bedeutsamen Schritt vorwärts. Er hatte sich ein entsprechendes Maßband besorgt und ermittelte den richtigen Standort der Kirche. Damit legte er hächstpersönlich quasi den Grundstein zu seiner Kirche. Darauf verließ er seine Heimat mit der Mahnung und Aufforderung, in dem Bestreben nicht nachzulassen, das begonnene Werk bis zum guten Ende in seinem Sinne weiterzuführen.



Sonntagsmessen nach 1947

Zu der Zeit war dann zunächst kein Geistlicher vorhanden, der die beiden sonntäglichen Gottesdienste zelebrierte. Durch persönliche Verbindungen der Lehrerin Frau Krause, wurde jedoch erreicht, daß über die Sommermonate des Jahres 1947 hinaus Geistliche aus dem Ruhrgebiet nach Dörenthe kamen, um hier ihren Urlaub zu verleben und sonntags die hl. Messe zu feiern. Damit war jedoch keineswegs die Gewähr gegeben, daß nun jeden Sonntag planmäßig der Gottesdienst gefeiert wurde. Dieser unsichere Zustand wurde erst beendet, als sich der Herr Studienrat a.D. Rektor Ströhmer aus Ibbenbüren bereit erklärte, regelmäßig sonntags zwei hl. Messen zu feiern. Rektor Ströhmer wurde nun jeden Sonntag und ebenfalls an allen kirchlichen Feiertagen mit dem Auto nach Dörenthe geholt und wieder zurückgefahren. Zu diesem Dienst stellten sich die Autobesitzer unentgeldlich zur Verfügung. Herr Rektor Ströhmer las ebenfalls die Messen unentgeltlich nur gegen die Überreichung eines Frühstückes. Dieses nahm er im Hause Ahmann ein. Es wurde von einzelnen Dörenthern nach einem vom Vorstand des Kapellenbauvereins sorgfältig aufgestellten Plan dorthin gebracht. Jahrelang hat Rektor Ströhmer gewissenhaft diese Aufgabe erfüllt.



Geldmittel wurden beschafft

Neben größeren Sammlungen, wovon noch die Rede sein wird, wurden in allen hl. Messen Kollekten für den Neubau der Kirche durchgeführt. Aus den vorhandenen Aufzeichnungen seien hier einzelne Ergebnisse aufgeführt, um zu zeigen, wie stark der Opferwille damals war. Es wurden gespendet:

1. Vor der Währungsreform:

1. Advendssonntag 1947 RM 258,78
1. Weihnachtstag 1947 RM 369,03
2. Weihnachtstag 1947 RM 204,85
3. Sonntag nach Weihn. 1947 RM 263,52
1. Fastensonntag 1948 RM 139,54

2. Nach der Währungsreform am 21 .6.1948

27. Juni 1948 DM 58,65
17. Oktober 1948 DM 97,07
25. und 26. Dezember 1948 DM 216,82
6. Sonntag nach Pfingsten 1949 DM 41,20
Weihnachten 1949 DM 110,75
Weihnachten 1950 DM 41,30
Weihnachten 1951 DM 31,63

Neben diesen sonntäglichen Kollekten wurden noch Haussammlungen durchgeführt, die nach einem Plan des Vorstandes ausgearbeitet waren. Jeder sollte nach seinem Vermögen geben. Bis zum Währungsstichtag, dem 21.6.1948, wurden RM 93.016,50 gespendet und bei der Kreissparkasse in Ibbenbüren eingezahlt. Am Währungsstichtag betrug das Bankguthaben RM 82.179,80. Dieses Vermögen wurde auf 10% = RM 8.217,98 abgewertet, wovon 5% = DM 4.108,00 sofort verfügbar waren. Hinzu kamen 2% vom Festbetrag = DM 827,93. Als Anfangskapital waren somit DM 4.936,92 vorhanden.

Dazu wurden gespendet:

Geld- und Sachspenden der Dörenther DM 22.890,66
Zinsen bis 21.6.1948 DM 1,68
Spenden von Auswärts DM 7.063,50
Kollekte in Kirchen von Ibbenbüren DM 464,50
Generalvikariat Münster DM 1.000,00
Unbekannt DM 50,00
Kirchensammlungen DM 5.248,30
Erlös aus Theateraufführungen DM 3.608,80
Entedankfest DM 265,85
Erlös aus verkauftem Eisen DM 1 .089,00
Erlös beim Richtfest DM 182,10
Erlös bei Kirchweih DM 1.610,20
Erlöse bei Hochzeiten DM 3.328,60
Erlös durch Kartenverkauf DM 672,00
Darlehn Sparkasse DM 10.000,00
Darlehn Volksbank DM 6.005,84
= DM 68.417,95

Aber nicht nur die planmäßigen Sammlungen wurden durchgeführt, sondern auch solche aus eigener Initiative, die wirklich als Erfolg bezeichnet werden können. Als Beispiel sei hier nur der Bauer Luis Ottmann genannt, der trotz seines hohen Alters nach Saerbeck fuhr und dort die stattliche Summe von DM 2.158,50 einbrachte.

Auch die Jugend wollte in der Opferbereitschaft nicht zurückstehen. Es bildete sich ein Theaterverein, der in den anliegenden Ortschaften Theaterstücke wie der Erbförster und der Meineidbauer vorführte. Gespielt wurde in Saerbeck, Ibbenbüren, Brochterbeck, Riesenbeck, Elte und Steinbeck. Es war für alle Spieler eine herrliche Zeit. Sonntags nach dem Mittagessen fuhr der eigens füt diese Fahrten gecharterte Kleinbus Völkert beladen mit den erforderlichen Requisiten und den “Stars“ zum vereinbarten Aufführungsort. Zwei Vorstellungen wurden jeweils gegeben. Unentwegter Begleiter und treuer Kassierer war der damalige Bahnhofsvorsteher Josef Kruse, der es sich nicht nehmen ließ, jedesmal gewissenhaft die Kasse zu führen.

Den größten finanziellen Erfolg wohl hatte die Theatergruppe in Saerbeck. Fast die gesamte Pfarrgemeinde, an der Spitze der derzeitige Pfarrer Beuning, war an der Abendvorstellung anwesend, wie überhaupt die Saerbecker dem Kirchenbau sehr wohlwollend gegenüberstanden. Man hatte nicht vergessen, daß die Dörenther beim Kirchneubau in Saerbeck ebenfalls eine offene Hand gehabt hatten. Es wurde sogar erzählt, daß der Dörenther Bauer Schmiemann, obwohl er einer anderen Glaubensrichtung angehörte, eine starke Eiche gestiftet habe.

Insgesamt erspielte die Theatergruppe annähernd DM 4.000,—.

So kamen langsam die erforderlichen Geldmittel zusammen. Die Opferbereitschaft der Dörenther Bevölkerung sollte für die heutige und spätere Generation Vorbild sein.

Ein Mann sollte noch besonders erwähnt werden. Es ist Anton Krüer, der der Hauptträger des Kirchenneubaues war. Immer und immer wieder munterte er die müder werdenden Dörenther auf, immer wieder erfand er neue Ideen, um an das nötige Geld zu kommen, kein Weg war ihm zu weit.



Die Bauarbeiten beginnen

Man konnte nun daran denken, die nötigen Baumaterialien einzukaufen. Die Bauausführung war der Baufirma Gebr. Egbert, Birgte, übertragen worden. Am 3. Mai 1948 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Im Einvernehmen mit den Mitgliedern des Kapellenbauvereins sollten während der ganzen Bauzeit Hand- und Spanndienste auf freiwilliger Basis geleistet werden. Die erste Einteilungsliste für diese Arbeiten sah so aus:

Einteilungsplan für die Ausschachtungs- und Handlangerarbeiten:

3.5. — 8.5.1948
Wegmann
Böckmann
Kuper
Aug. Schulte
Herkenhoff
Ottmann
Berth. Schröer
Ahmann
Sackarndt
Engelbert

10.5. — 12.5.1948
Wegmann
Kuper
Aug. Schulte
Ottmann
Berth. Schröer
Ahmann
Sackarndt
Engelbert
Bernh. Schröer
Jos. Lindmeier

13.5. — 15.5.1948
Bernh. Schröer
Josef Lindmeier
A. Segbert
Gustav Welp

18.5. — 19.5. 1948
A. Segbert
Gustav Welp
Wehmeier
B. Loismann

19.5. — 22.5. 1948
Wehmeier
B. Loismann
Anton Krüer
Schulte-Krude

24.5. — 26.5.1948
Anton Krüer
Schulte-Krude
Theodor Daßmann
Kleine-Stricker

Mit Hilfe dieser freiwilligen Hand- und Spanndienste schritten die Arbeiten zügig voran. Schon am Nachmittag des 17.5.48 konnte Pfarrer Wortmann aus Brochterbeck die Grundsteinlegung in Anwesenheit der Dörenther Bevölkerung vornehmen.

Im Fundament wurde eine Urkunde eingemauert.

Für die Fertigstellung des Baues sowie Lieferung der Baumaterialien waren folgende Firmen tätig:

Bauausführung: Gebr. Egbert, Riesenbeck
Schreinerarbeiten: Ventker, Brochterbeck
Dachdeckerarbeiten: Tüllmann, Ibbenbüren
Lichtanlagen: Temme, Ibbenbüren
Installation: Helmig, Riesenbeck

Lieferfirmen:

A. Bergschneider, Ibbenbüren
Hollweg-Kümpers & Co, Rheine
Hermann Dalhoff, Borghorst
Wilh. Schnepper, Ibbenbüren
Brüggemeyer, Birgte
A. Liesenkötter, Saerbeck
und viele andere.

An Ausgaben sind zu nennen:

Zahlungen an die Firma Egbert DM 16.811,36
Zahlungen für die Dachziegel DM 3.365,27
Zahlungen an Brüggemeier (Steine) DM 5.801,45
Zahlungen an Liesenkötter DM 2.500,00
Zahlungen an Bergschneider DM 8.770,47
Zahlungen für Eisen DM 4.438,00
Zahlungen an Stockmann DM 993,50
Zahlungen Sand und Frachten DM 1.474,01
Zahlungen an Steinmetz Knoop DM 2.060,40
Zahlungen für Kupfer DM 595,00
Zahlungen Zimmerarbeiten einschl. Holz DM 5.042,96
Zahlungen an Architekt DM 900,00
Zahlungen an Schnieders, Emsdetten DM 2.474,14
Zahlungen für Tabernakel DM 397,00
Zahlungen div. kleinere Rechnungen DM 2.792,40
Zahlungen für Eisenträger DM 1.250,00
Zahlungen für Richtfest DM 472,00
Zahlungen an Helmig DM 500,00
Zahlungen an Anstreicher DM 127,50
Zahlungen an Nike DM 123,30
Zahlungen an Handlanger DM 114,40
Zahlungen an Dachdecker DM 1.588,57
Zahlungen für Kirchweihfest DM 1.008,00
Zahlungen für Zinsen DM 199,50
Zahlungen für zurückgezahltes Milchgeld DM 299,00
Barbestand am 20.11.1949 DM 1.319,82
zusammen DM 65.417,95



Die Kirche wird geweiht

Und endlich war es soweit, daß am 15. September 1949 die feierliche Einweihung der Kirche erfolgen konnte. Das war der Gründungs- und Geburtstag der katholischen Gemeinde Dörenthe.

Die feierliche Konsekration wurde vorgenommen vom H. H. Weihbischof Roleff. Es war ein Fest- und Freudentag. Die Kirche wurde dem hi. Modestus geweiht.

Als an diesem denkwürdigen 15. September 1949 zum erstenmal die kleine Glocke vom Turm der schönen Kirche die Gläubigen zur feierlichen Einweihung rief, da kamen alle und nicht nur die Dörenther. Vergessen waren die Opfer und Mühen, und frohen Herzens dankte die ganze Gemeinde Gott dafür, daß nun endlich ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gegangen war.



Die Kirchengemeinde St. Modestus nach dem Kirchbau

Vom 15. September 1949 bis zum 1. November 1963, also 14 Jahre, wartete Dörenthe auf einen eigenen Seelsorger. Sie war zwar Filialkirche von Brochterbeck, entfaltete aber trotzdem schon ein beachtliches kirchliches Leben. Die Gottesdienste wurden von folgenden Geistlichen gefeiert: Rektor Studienrat A. Ströhmer übernahm in der Regel den Sonntagsgottesdienst, Werktagsmessen und Schulmessen wurden von Brochterbecker Kaplänen übernommen, (ebenso der Religionsunterricht in der Dörenther Marienschule) außerdem kamen und gingen Urlaubergeistliche. Große Verdienste erwarb sich als Küsterin Frl. Klara Ahmann, als Organist und Chorleiter Rektor Karl Rhode und als KommunionKatechetin Frl. Lehrerin Johanna Robert. Ein elektrisches Geläute war zu der damaligen Zeit noch nicht vorhanden. Jahrelang wurde dieser Dienst von der Familie Ferd. Schulte gewissenhaft an Wochentagen dreimal täglich, an Sonnund Feiertagen noch öfter durchgeführt. Das Reinigen und Schmücken der Kirche wurde nach einem Plan aufgeteilt.

Mit Wirkung vom 1. November 1963 faßte der Bischof Dörenthe zu einem Pfarr-Rektorat mit eigener Vermögensverwaltung zusammen. Vorher gehörte ein Teil der Kirchengemeinde zu Ibbenbüren und der größere Teil zu Brochterbeck.

Am 19. April 1964 wurde Pastor Wilhelm Jansen als erster eigener Seelsorger für Dörenthe in sein Amt eingeführt. In seiner Amtszeit wurde u.a. die Inneneinrichtung der Kirche neu gestaltet und die Fenster neu verglast. Prof. Wienhausen aus Münster fertigte die Entwürfe an. Darüber hinaus ließ Pastor Jansen eine Heizung und einen Windfang bauen. Neue Glocken und eine Orgel wurden angeschafft. Ferner wurde ein Taufbrunnen errichtet. Außerdem sollte die Kirchplatzneugestaltung hervorgehoben werden. Ihr heutiges Aussehen verdankt unsere Kirche in erster Linie der Initiative unseres damaligen Pfarrers Herrn Wilhelm Jansen. Auch er veranlaßte den Bau eines Pfarrhauses, daß 1966 bezogen werden konnte. Bislang wohnte der Pfarrer in einer Lehrerwohnung.

Am 13., 14. und 15. September 1974 feierte Dörenthe das silberne Jubiläum der Kirchweih von St. Modestus. In einer Nachfeier am 21. September 1974 wurde das kleine Pfarrzentrum unter der Kirche eröffnet. Damals wurde das erste Pfarrfamilienfest gefeiert. Am 9. Januar 1977 heißt Dörenthe mit überfüllter Kirche seinen zweiten Pastor Hubert Ewelt herzlich willkommen.



Pater A. Pott, ein großer Sohn der Gemeinde

Da sich Pater Pott um unsere Gemeinde sehr verdient gemacht hat, und uns zu unserem Jubiläum mit seinen ausführlichen Aufzeichnungen sehr geholfen hat, möchten wir einige Daten aus einem Leben anfügen, die er uns mit übersandt hat.

1949/50 Zwischen Krieg und kommunistischer Machtergreifung erhält Pater Pott in China sichere, wenn auch notdürftige Kunde, daß Dörenthe eine Kirche gebaut hat.

1953 Am 11. Februar kehrt Bischof Pott unverhofft heim. Am 1. März begrüßt die Dörenther Gemeinde Bischof Pott mit einem bischöflichen Empfang in der neuen Kirche. In seinem Urlaub hat er in Dörenthe stellvertretend hl. Messen, Krankensalbungen, Hausbesuche, Haussegnungen gemacht und die Erst-kommunion gefeiert.

1958 Ende November kommt P. Pott mit seinem neuen Missionsauftrag für Formosa in die Heimat, um sich für die neue Aufgabe auszurüsten. Er macht Hausbesuche und feiert mit der Gemeinde das Weihnachtsfest.

1959 Am 18. Januar verabschiedet die Heimatgemeinde P. Pott mit einem feierlichen Gottesdienst.

1966 Mitte Juli tritt P. Pott seinen ersten Heimaturlaub von Formosa an und nimmt Standquartier im Elternhaus bis zu seiner Rückkehr in die Mission im Januar 1967.

1973 Am 2. September wurde P. Pott von Pastor Wilh. Jansen eingeladen, auch in der Modestuskirche sein 40. jähriges Heimatprimiz-Jubiläum zu feiern. Am gleichen Tag vollendete P. Pott auch sein 70. Lebensjahr.

1973 Am Weihnachtsfest war P. Pott wieder in seiner Gemeinde in Fenchihu auf Taiwan.

Die folgenden Pfarrfamilienfeste warben gekonnt für Pater Pott und wendeten ihm einen Teil des Erlöses zu.