Kollekte für die Muslime

Kollekte für die Muslime

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Foto: Andrea Bracht, IVZ

Ibbenbürener Volkszeitung vom 3. April 2015

Aktuell: Die Kollekte am vergangenen Sonntag für die türkisch-muslimische DITIB-Gemeinde und die Errichtung eines Kinder-Spielplatzes an der Moschee ergab: St. Ludwig: 481,92 €, St. Modestus: 91,63 €. Die Höhe der Spenden entspricht ungefähr dem Doppelten der üblichen Kollekten. Herzlichen Dank für die Spende. 

 

Am Sonntag, 15. März 2015, wird es in der Ludwigkirche und in der Modestuskirche eine Kollekte für die muslimische Gemeinde geben, die inzwischen ihre neuen Räumlichkeiten an der Wilhelmstraße bezogen hat und u. a. noch Hilfestellung für einen Kinderspielplatz gebrauchen kann. Auch die evangelische Markus-Gemeinde in Dörenthe wird sich dem Kollekten-Aufruf am 15. März 2015 anschließen.

Schon vor 20 Jahren hatte es eine Spende der Gemeinde St. Ludwig für die DITIB-Gemeinde gegeben. Damals gab es über die Zeitschriften „Missio“, „Gong“ und „Diakonia“ eine bundesweite Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung darüber. Wir dokumentieren unten noch einmal die wesentlichen Schriftstücke.

 


 

Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB)

DITIB Freitagspredigten

Zentralrat der Muslime in Deutschland

Radio SWR: „Islam in Deutschland“ 

Fernsehen ZDF: „Forum am Freitag“

Zweites Vatikanisches Konzil (28.10.1965): „Nostra Aetate“ Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Deutsche Bischofskonferenz (23. September 2003): Arbeitshilfen 172 Christen und Muslime in Deutschland

 


missio aktuell 2/92: Pfarrfest für Muslime

Pfarrfest für Muslime Missio aktuell Nr 5 1992Pfarrfest für Muslime

Die Gemeinde St. Ludwig in Ibbenbüren wird mit einem Teil Ihres Pfarrfest-Erlöses einen muslimischen Gebetsraum mitfinanzieren. missio aktuell sprach mit Pfarrer Martin Weber, 34.

Muslime haben das Image, allzuoft fanatisch zu sein. Sie wollen jetzt im Bereich ihrer Gemeinde ein muslimisches Begegnungszentrum mit einem Gebetsraum mitfinanzieren. Warum?
Muslime leben in Ibbenbüren seit über 20 Jahren. Unser Pfarrer im Krankenhaus hat schon lange Kontakte zu ihnen gepflegt und fragte jetzt an, ob wir bei der Finanzierung eines Treffpunktes und Gebetsraumes mithelfen wollen. Das war der äußere Ausgangspunkt, der uns dann den Anstoß gab, darüber nachzudenken, wie wir zu den Muslimen in unserer Nachbarschaft stehen.

Stoßen Sie mit Ihren Finanzierungsplänen nicht auf heftige Ablehnung?
Sicher gibt es Ablehnung und Unsicherheit. Die Medien berichten ja immer wieder über die fundamentalistischen Strömungen im Islam. Aber wir haben hier in Ibbenbüren auch ganz persönliche Erfahrungen mit muslimischen Arbeitskollegen. Diese Erfahrungen sind positiv. Und deshalb versuchen wir über unser Verhältnis zu den Muslimen ins Gespräch zu kommen. Dann merkt man sehr schnell, daß viele Ängste auf Vorurteilen gründen und daß es wichtig ist, zu einer Begegnung und zu einem besseren Kennenlernen zu gelangen.

Warum aber wollen Sie denn den muslimischen Gebetsraum mitfinanzieren?
Ich erlebe die Türken hier, wie gesagt, keinesfalls als fundamentalistisch. Das sind Menschen, die nicht daran denken, Christen zu werden, und wir würden nicht daran denken, sie missionieren zu wollen. Es sind Menschen, die fromm sind, die redlich versuchen, ihren Glauben zu praktizieren. Jetzt sind sie in Schwierigkeiten gekommen, ihren Versammlungs- und Gebetsraum zu finanzieren und sozusagen ihre geistige Heimat auch hier leben zu können. Dies ist Grund genug für uns zu helfen. Ich hoffe natürlich, daß wir über dieses Äußere hinauskommen und wirklich zu einem Kennenlernen gelangen, damit wir keine Angst mehr voreinander haben müssen. Beide Seiten würden hiervon profitieren.

Was bringt denn ein solcher Dialog?
Wenn man sich kennt, dann kann man auch miteinander über seinen Glauben reden, über seine kulturellen Unterschiede. Und das ist für unsere Gemeinde sehr spannend, weil viele es nicht gewohnt sind, ihren Glauben zur Sprache zu bringen, geschweige denn zu begründen. Wenn ich mit Nichtchristen zusammenkomme, muß ich meine innersten Überzeugungen und meinen Glauben in Worte fassen, ich muß selbst reflektieren, um dem anderen das zu erklären und nahezubringen, was mir wichtig ist. Dieser Dialog ist menschlich und religiös eine wertvolle Bereicherung.

Mit welchem Betrag werden Sie den Gebetsraum der türkischen Muslime mitfinanzieren?
Das ist eher eine symbolische Summe. Es werden wohl gut 1000 Mark sein. Wir werden den Erlös des Pfarrfestes vierteln: Ein Viertel bleibt bei uns, wir verwenden es für unseren neuen Kindergarten. Dann geht jeweils ein Viertel an die Muslime, an eine Partnergemeinde in Brasilien und an Asylantenkinder hier in unserem Pfarrgebiet.

Interview: Toni Görtz
missio aktuell 2/92

Pfarrfest für Muslime Missio aktuell Nr 5 1992

Leserbriefe Missio aktuell Nr 1 1993_Seite_2 Leserbriefe Missio aktuell Nr 1 1993_Seite_1

Leserbriefe Missio aktuell Nr 1 1993


Christen und Muslime: Eine Auseinandersetzung mit Leserbriefen (1994)

Christen und Muslime Gong 1994Christen und Muslime
Leben und Glauben in Toleranz

aus: Fernsehzeitschrift „Gong“, Nr. 33 vom 12.8.1994, S. 113

Erol Aktepe ist mein Freund. Der 26-Jährige ist seit kurzem Vorsitzender der „Türkisch-islamischen Union“. Bei unseren muslimischen Mitbürgern hat mit ihm inzwischen ein notwendiger Alterswechsel stattgefunden. Die erste „Gastarbeitergeneration“ ist pensioniert.
Aber anders als immer geplant wird es keine Rückkehr in die alte Heimat geben. Die teilweise erwachsenen Kinder fühlen sich hier zuhause und würden ihre Eltern nicht mehr begleiten. Nach langen Jahren des Provisoriums sind viele zum ersten Mal gezwungen, sich auf ein Leben in Deutschland, der neuen Heimat, tatsächlich einzurichten!
Die christlichen Gemeinden von Ibbenbüren pflegen schon seit zwei Jahrzehnten ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Muslimen.
Vor zwei Jahren haben wir einen Teil des Pfarrfest-Erlöses für die neue „Moschee“ auf unserem Gemeindegebiet gespendet. Auch der zuständige Weihbischof hat später nach der Eröffnung einen Beitrag dazu gegeben.
Wir haben uns auch dafür eingesetzt, daß den Muslimen ein Teil des städtischen Friedhofs zur Verfügung gestellt wird, wo sie nach ihren Riten beerdigen können. Das ist ein wichtiger Schritt zur Integration: Denn wo ich meine Toten beerdige, da bin ich Zuhause!
Unser Engagement hat uns manche Kritik eingebracht. Die meisten Mitchristen aber sind überzeugt: Auch wenn Muslime und Christen sonstwo in der Welt schrecklich anders handeln, dürfen wir aufeinander zugehen und ein Leben und Glauben in Toleranz fördern.
Je besser wir uns dabei kennen- und vertrauenlernen, umso weiter wird der Gedanke von Ausländerfeindlichkeit und religiöser Unterdrückung von uns entfernt sein.

Martin Weber

Christen und Muslime Gong Nr. 33 vom 12.8.1994, Seite 113

Christen und Muslime
Leben und Glauben in Toleranz
Leserbriefe auf „Das Wort zum Alltag“ im Gong Nr. 33 vom 12.8.1994 und Antworten darauf

Den folgenden Brief habe ich allen Leserbriefschreiber(inne)n zugeschickt.

Ibbenbüren, den 12. Oktober 1994
Jetzt sind es schon zwei Monate her, daß mein „Wort zum Alltag“ im Gong veröffentlicht worden ist. Daraufhin habe ich im Laufe der letzten Wochen direkt oder über den Gong 14 Leserbriefreaktionen erhalten – teilweise zustimmend, teilweise ablehnend.
Ich habe mich entschlossen, ausführlich auf diese Briefe einzugehen und sie in einer Weise zu veröffentlichen, die die Anonymität der Schreiber(innen) gewährleistet. Dadurch erspare ich mir viel Arbeit, und Sie können von den Einwänden und Erfahrungen der anderen Reaktionen profitieren. Außerdem ist es gut, daß ich nicht allein in einer Ecke stehe!
Durch diese Zusammenschau und die Ausführlichkeit der Antworten hat es etwas länger gedauert. Obwohl ich gerne schreibe und mich auch in den christlich-islamischen Dialog hineingebe, so ist es doch nicht meine Hauptaufgabe. Darum konnte ich das immer nur „zwischendurch“ tun – auch diese Arbeitsweise hat dieses Heft verzögert. Außerdem bin ich durch eine Leserbriefschreiberin auf Pfarrer Hans Hammer aufmerksam geworden, der lange Zeit für die deutschen katholischen Christen u.a. in der Türkei zuständig war. Er ist Anfang Oktober in Straßkirchen-Schambach eingeführt worden – und auch ihn wollte ich vorher noch gerne gesprochen haben.
Ich möchte mich bei (fast) allen für die Reaktion auf „Das Wort zum Alltag“ bedanken. Es ist immer gut, wenn man über eine Sache reden kann, bevor man sie möglicherweise unaufgearbeitet in sich hineinfrißt. Ich habe mich auch darüber gefreut, daß Sie alle Ihre Adresse angegeben haben und ich vor anonymen Briefen bewahrt worden bin.
Ich möchte schon einmal vorsorglich um Verständnis bitten, daß ich über dieses Thema nicht in einen Dauer-Dialog mit Ihnen eintreten kann. Ich bin Gemeindepfarrer und weder Fachmann noch freigestellt für Islam-Fragen.

Mit freundlichem Gruß
Martin Weber

1) 11.8.1994, ein Mann aus Kochel am See (Kopie des Schreibens an den Gong):
Sehr geehrte Damen und Herren,
Pfarrer Martin Weber mag sich zwar für „in“ halten, doch scheint er sich bislang weder mit der Geschichte noch mit dem Islam auseinandergesetzt zu haben.
Die grausamen Folgen einer „multikulturellen“ Gesellschaft, die ihm offensichtlich am Herzen liegt, erlebt man nicht nur in asiatischen GUS-Staaten oder im Balkan; die (bekanntere) Tragödie im ehem. Jugoslawien entspringt ja auch dem (leider unlösbaren) Minderheitenproblem. Weiter ist – wie gerne unterschlagen wird – (z.B. christliche) Mission bei Muslimen aus islamischer Sicht verboten. Dazu Koran 33,61: „Wo immer man sie (die Missionare) zu fassen bekommt, wird man sie greifen und rücksichtslos umbringen“. So wird m.E. auch die Jagd islamischer Fundamentalisten auf („ungläubige“) Europäer wie in Ägypten oder Algerien verstehbar.
Auch ein Pfarrer in Ibbenbüren sollte sich einem Heiligen Geist öffnen, Christi Botschaft glaubwürdig verkünden und sich nicht in Aktivismus flüchten, so daß ihn nicht der Vorwurf eines „falschen Propheten (Matth. 24,11)“ treffen kann.
Mit freundlichen Grüßen zur Kenntnisnahme. Wer Ohren hat zu hören, der höre…

Ich habe fünf Jahre Theologie studiert, darunter auch ein Semester „Islam“ bei dem inzwischen emeritierten und international anerkannten katholischen Priester Adel Theodor Khoury. Aber auch ohne dieses Studium wüßte ich, daß einzelne Verse nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen. Sure 33,61 hat überhaupt nichts mit Christen oder Missionaren zu tun! Sie fällt in die Zeit, wo Medina (dem Gründungsort der islamischen Gesellschaft) von verbündeten Stämmen aus Mekka belagert wird und richtet sich (damals 627!) gegen die Aufwiegler in der Stadt und gegen diejenigen Männer, die die Frauen verletzen und vergewaltigen.
Die Christen zählen im Koran nicht zu den „Ungläubigen“, auch wenn zugegebenermaßen viele Muslime volkstümlich dieser Meinung sind. 3,113-115: „Sie sind nicht alle gleich. Unter den Leuten des Buches gibt es eine aufrechte Gemeinschaft. Sie verlesen die Zeichen Gottes zu verschiedenen Nachtzeichen, während sie sich niederwerfen. Sie glauben an Gott und an den Jüngsten Tag. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Verwerfliche und eilen zu den guten Dingen um die Wette. Sie gehören zu den Rechtschaffenen. Was immer sie an Gutem tun, sie werden dafür nicht Undank ernten. Gott weiß über die Gottesfürchtigen Bescheid.“ 5,82: … „Du wirst sicher finden, daß unter denjenigen, die den Gläubigen in Liebe am nächsten stehen, die sind, welche sagen: „Wir sind Christen“.“ … Es gibt natürlich auch wesentliche Unterschiede zum Christentum, die im Koran bezeugt werden: Jesus sei nicht der Sohn Gottes; der Koran sei Abschluß und Höhepunkt der Prophetengeschichte und die einzig wahre Religion. Außerdem mißversteht der Koran die christliche Dreifaltigkeitslehre und wirft Christen Schriftverfälschung vor.
Bezüglich der islamischen Fundamentalisten sagen Sie meines Erachtens etwas Richtiges, wenn Sie ihre Zielrichtung gegen die „Europäer“, und nicht in erster Linie gegen die Christen vermuten. Der politisch motivierte islamische Fundamentalismus in seinen vielfältigen Schattierungen ist nämlich oft in Wirklichkeit kein „Glaubenskrieg“, sondern ein „Gesellschaftskrieg“ von unterdrückten und armen Bevölkerungsgruppen gegen die „imperialistischen“ Reichen, die z.B. in Europa gesehen und damit mit den Christen gleichgesetzt werden. Der Koran wird dabei von muslimischen „Politikern“ bewußt einseitig gegenüber den einfachen Leuten „ausgeschlachtet“ und für ihre Zwecke mißbraucht.
Richtig ist auch, daß der Koran den Übertritt eines Muslimen zu einer anderen Religion verbietet und somit Mission im engeren Sinne des Wortes in fundamentalistischen Staaten nicht möglich ist. Es gibt aber auch Beispiele, wo es trotzdem gelingt, z.B. in Tansania oder auch in der Türkei, wo der laizistische Staat evangelikalen Missionsgruppen durchaus Spielraum für die Verkündigung gibt – solange sie nicht dafür angezeigt werden. Nur, hier bei uns geht es um Ibbenbüren und darum, daß auch noch in Jahrzehnten Muslime hier leben werden. „Glaubwürdige“ Verkündigung der christlichen Botschaft besteht auch darin, diese gottesfürchtigen Menschen ernst zu nehmen, wie es schon das Zweite Vatikanische Konzil vor 30 Jahren formuliert hat: Die Kirche „mahnt ihre Söhne, daß sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozialkulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern“ (Nostra aetate, 2). „Der Heilswille Gottes umfaßt … alle, die den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird“ (Lumen gentium, 16). „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten … Sie bemühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen … Überdies erwarten sie den Tag des Gerichts … Deswegen legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten“ (Nostra aetate, 3). Papst Johannes Paul II. hat bei seinen vielfältigen Pastoralbesuchen auch in islamischen Staaten die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgegriffen und weiter konkretisiert. Dabei hat er nicht nur aus dem Koran zitiert, sondern ihn auch als „heiliges Buch“ bezeichnet (28.2.1981 in Davao City, Asien).
Ein Wort noch zu Matthäus 24,11 („Zahlreiche falsche Propheten werden auftreten und viele von euch irreführen“): Wenn Sie einen Satz weiterlesen, werden Sie merken, daß Matthäus dabei die Nächstenliebe bewahrt wissen will. Wer Augen hat zu lesen, der lese mehr!

2) 14.8.1994, eine Frau aus Langenzenn:
Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Ihr Wort zum Alltag im Gong hat mich tief bewegt und gefreut.
Als Christ (ev.) sehe ich unsre Aufgabe in einem Miteinander (egal welche Konfession oder Religion). Sie beweisen Mut, ich wünsche Ihnen Kraft für Ihren sicher nicht immer bequemen Weg. Mit freundlichen Grüßen

Ich danke Ihnen! Oskar Saier, der Erzbischof von Freiburg, hat im Vorwort einer pastoralen Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz („Christen und Muslime in Deutschland“, Arbeitshilfen 106 vom 4.März 1993) vom „Miteinander in Grundsatztreue und in Respekt voreinander“ geschrieben. Der Ausgangspunkt eines Dialogs kann immer nur sein: Ich bin Christ. Ich stehe dazu. Ich werde mit Sicherheit kein Muslim! Aber ich erwarte von meinem Gesprächspartner auch nicht, daß er seinen Glauben verleugnet und aufgibt. In diesem Rahmen können wir uns gegenseitig verständlich machen und viel miteinander tun.

3) 18.8.1994, ein Mann aus Lohmar:
Sehr geehrter Herr Pfarrer,
Sehr erfreut habe ich in der Zeitschrift „Gong“ über „Christen und Muslime“ gelesen. Ich finde es toll. Für mich ist jeder Mensch von Gott erschaffen worden, und jeden Menschen muß ich achten + lieben. Aber das ist leider nicht überall so. Seit fast 2 Jahren betreue ich Flüchtlinge aus vielen Nationen. Die meisten sind Muslime. Habe aber bis jetzt mit keinem Probleme gehabt. So wie ich sie alle gern habe hat man mich auch gern. Es grüßt Sie herzlich,

Ich glaube: Wie ich in den Wald hereinrufe, so schallt es wieder heraus! Das ist unsere Stärke und Verantwortung, die wir übernehmen können: Ich gehe mit den Menschen unvoreingenommen und ohne Vorurteile um und beurteile sie allein durch diese Erfahrung. So sehr es mich bedrückt, daß in manchen islamischen Ländern Christen unterdrückt und verfolgt werden, so möchte ich das doch den friedliebenden Muslimen hier in Ibbenbüren nicht zum Vorwurf machen. „Ein verantwortliches Zusammenleben von Christen und Muslimen hier in Deutschland kann indirekt dazu beitragen, daß sich die Lage der Christen in anderen Ländern bessert“ (Oskar Saier im Vorwort der obengenannten Arbeitshilfe).

4) 20.8.1994, eine Frau aus Wolfhagen:
Grüß Gott, Herr Pfarrer!
Ihre Ansprache hat mich sehr erbaut! Von ganzem Herzen danke ich Ihnen. Ich bin katholisch und religiös. Ich wollte, ich sitze jetzt bei Ihnen und könnte mich mit Ihnen unterhalten. Bitte, schließen Sie mich in Ihr Gebet ein. Ich befinde mich in einem Altersheim und bin manchmal einsam. Mit den besten Grüßen und Wünschen bin ich Ihre …

Danke für Ihre Karte. Ich habe mich sehr über Ihre Reaktion gefreut.

5) 24.8.1994, eine Frau aus Berlin:
Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Mit Interesse habe ich Ihren obigen Artikel gelesen. Danach pflegen Sie und Ihre Gemeinde nun schon seit Jahrzehnten ein freundschaftliches Verhältnis zu den Muslimen und inzwischen ist oder wird auf dem Gemeindegebiet eine Moschee erbaut.
Unter diesem Aspekt wird es nicht ausbleiben, daß junge Christen und Muslime sich kennen und lieben lernen und die Ehe miteinander eingehen möchten.
Es würde mich interessieren, wie Sie dazu stehen? Mit freundlichen Grüßen

Zunächst muß ich ein Mißverständnis klären, das vielleicht durch meine Formulierung aufgetaucht ist: Die neuen Gebetsräume der Muslime liegen im Einzugsgebiet unserer Pfarrei, nicht aber auf Kirchengrund.
Ich füge Ihnen eine ausführliche Stellungnahme der Deutsches Bischöfe von 1993 zu diesem Thema bei. Soviel in aller Kürze: Gegen wahre Liebe kann und soll man nichts machen! Rein rechtlich steht aus christlicher Sicht einer katholisch-islamischen Ehe mit Genehmigung (Dispens) des Bischofs nichts im Wege, wenn der christliche Partner seinen Glauben in der Ehe leben und bezeugen kann und der muslimische Partner Einheit, Unauflöslichkeit, Treue und Achtung des Glaubens akzeptiert. Nach der klassischen Lehre darf eine muslimische Frau keinen Christen heiraten. Wohl darf ein muslimischer Mann eine Christin heiraten, wobei er nach Lehrüberlieferung ihre Glaubensüberzeugung und ihre Frömmigkeit nicht angreifen darf. Eine schwierige Frage ist die religiöse Kindererziehung. Der katholische Partner verpflichtet sich dazu, die Kinder in der katholischen Kirche taufen zu lassen, „… soweit das in Ihrer Ehe möglich ist“. Andererseits verbietet der Islam einem muslimischen Mann, daß die Kinder einer anderen Religion als der des Vaters folgen. Meistens kommt es dazu, daß der katholische Partner (in der Regel die Frau), dabei zurücksteckt. Hier in Ibbenbüren gibt es beides. Ich habe auch schon ein Kind getauft, dessen Vater Muslim ist. In Ländern mit überwiegend islamischem Lebensbereich wird das allerdings in der Regel anders sein. Aber auch hier gibt es von Staat zu Staat Unterschiede. Über diese Punkte sollte man sich ausgiebig unterhalten und von verschiedenen Seiten informieren lassen.

6) 24.8.1994, eine Frau aus Offenbach:
Sehr geehrter Herr Pfarrer Weber,
in der Fernseh-Zeitschrift „Gong“ habe ich von Ihrer Unterstützung zum Bau einer Moschee gelesen, die in Ihrer Pfarrgemeinde errichtet werden soll.
Dazu lege ich Ihnen einen Zeitungsausschnitt bei, der mir in diesen Tagen in die Hände kam.
=> Moslems wollen Christen kreuzigen. Islamische Geistliche verhängen immer härtere Strafen gegen Moslems, die Christen werden wollen. Die evangelische Zeitschrift „idea“ enthüllt: Im Sudan sollen zwei Ex-Moslems sogar gekreuzigt werden. Das Todesurteil schreibt das islamische Gesetz „Sharia“ vor. Vor der Kreuzigung werden die Moslems mit je 80 Peitschenhieben bestraft. Eine derart hohe Anzahl von Schlägen kann zum Tode führen! Das katholische Hilfswerk „Missio“ (München): „Die Folterungen häufen sich.“ Zu den „Gottesstrafen“ gehören Auspeitschen, Steinigung, sogar Enthauptung. (SR) Was sagen Sie dazu?
Wäre es nicht besser gewesen, Sie hätten dieses Moscheegeld einer armen Familie gespendet, von denen es sicher in Ihrer Pfarrei auch welche gibt, als den Feinden der Christen zu überlassen?
Sehr wahrscheinlich sind Sie auch noch stolz darauf, sonst hätten Sie es nicht im „Gong“ und MISSIO-Aktuell, wo ich es schon einmal gelesen habe, veröffentlicht. Bitte lassen Sie mir Ihre hierauf bezügliche Stellungnahme zukommen. Mit freundlichen Grüßen

Zunächst einmal vermuten Sie richtig, daß ich in der Tat ein wenig stolz bin, daß unsere Pfarrgemeinde und mit ihr viele andere Christen hier in Ibbenbüren ein grundsätzlich gutes Verhältnis zu den Muslimen, den Türken, den Asylsuchenden und überhaupt allen Ausländern gegenüber haben. Die katholische Missions-Zeitschrift „Missio-aktuell“ hat ja 1992 auch nicht ohne Grund dieses Thema aufgegriffen und durch viele Leserzuschriften in drei weiteren Heften darauf reagiert. Ohne Eigenlob, sondern ganz nüchtern und selbstverständlich meinen wir: dieser Kontakt und dieses Umgehen miteinander ist durch und durch christlich und katholisch!
Feinde haben wir hier in Ibbenbüren nicht, auch nicht unter den Muslimen! Natürlich gibt es in unserer Pfarrgemeinde auch arme Familien, die wir unterstützen. Der damalige symbolische Betrag für den Bau der Moschee ist dagegen nur ein Bruchteil.
Die Nachrichten, die Sie zitieren, sind allerdings schlimm! Insbesondere Saudi-Arabien, Sudan und Iran werden auf der Grundlage des Gesetzes des Islam (Sharia) regiert. In den meisten islamischen Ländern gibt es Mischformen zwischen traditionellem Festhalten und kompromißbereiter Haltung gegenüber den Erfordernissen der modernen Zeit. Wo aber der Koran unmittelbar Gesetz wird, wird die Abkehr vom Islam (und darüber berichtet Ihr Zeitungsabschnitt) mit grausamer Todesstrafe belegt, da sie als schwerste Sünde und direkte Gefährdung der Existenz der Gemeinschaft gilt. Oftmals handelt es sich dabei aber nicht um ausschließlich religiöse Argumentationen, sondern schlichtweg um Stammeskriege zwischen befeindeten Regionen, wo im Süden zufällig Christen und im Norden zufällig Moslems wohnen. Egal warum: Dagegen muß man protestieren und über die Politik Einfluß nehmen! Ich denke, daß wir gerade die gemäßigten Kräfte im Islam auch stützen und fördern müssen, damit sie mehr Rückhalt im Volk bekommt. Wir merken ja auch bei uns im Land, wie leicht es oft traditionalistische und rechtsgerichtete politische und religiöse Kräfte haben, Menschen zu beeinflussen. Diese eigene Erfahrung hilft vielleicht auch etwas, Geschehnisse besser einordnen zu können. In der islamischen Welt hat erst seit einiger Zeit die Auseinandersetzung mit den Menschenrechten begonnen (z.B. die „Allgemeine Islamische Menschenrechtserklärung“ des europäischen Islamrates von 1981 – mit vielen widersprüchlichen Aussagen). Die „Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz“ schrieb Ende 1992: „Der Rigorismus islamischer Fundamentalisten ist insofern für die islamische Rechtstradition im ganzen gerade nicht charakteristisch“ („Christen und Muslime vor der Herausforderung der Menschenrechte“, 43).
So schlimm diese Nachrichten von fanatischen Moslems sind – sie sind eben nur eine Seite eines vielfältigen Bildes. So schrieb der katholische Erzbischof Dr. Jakob Komba von Songea in Tansania kurz vor seinem Tod 1992: „In dieser Diaspora haben wir jährlich im Durchschnitt zehn Konvertiten vom Islam zur katholischen Kirche. Diese werden in keiner Weise belästigt, sondern leben friedlich unter ihren moslemischen Verwandten und Nachbarn. Letztes Jahr erhielt in der Osternacht die Tochter eines Scheichs von Namtumbo in der Kathedrale die Taufe und Firmung mit schriftlicher Erlaubnis ihres Vaters, der der Zeremonie beiwohnte. Sein Kommentar: „Es ist Gottes Wille, der sie von Ewigkeit her bestimmt hat, Christin zu werden.“ … In Mkongo haben Moslems und Katholiken gemeinsam die Moschee und die Kapelle gebaut.“ (aus: „Münsterschwarzacher Ruf in die Zeit“, Juli 1992, 14)

7) 28.8.1994, ein Mann aus Wiesbaden:
Lieber Bruder im Glauben, Pfarrer Martin Weber.
Soeben las ich im „Gong“ der letzten Woche Ihr Wort „Christen und Muslime…“. Vermutlich haben Sie darauf viel Widerspruch erhalten oder keinen, was schlimmer wäre.
Ich bin evangelisch und als solcher Mitglied einer winzigen katholischen Pfarrei in … (Süd-Marokko) seit 2 Jahrzehnten. Ich stand vor der Entscheidung: Katholisch oder Heide, weil es in Süd-Marokko normalerweise keine protestantischen Gottesdienste gibt. Früher war ich dort Entwicklungshelfer im Gesundheits- (missions-diakonischen) Dienst für „Brot für die Welt“. Seit sechs Jahren (bin ich Witwer und Rentner) und lebe dort im Winter und Frühling regelmäßig in einer armen muslimischen Familie als „Vetter aus Dingsda“.
Als gläubiger Christ (und b. Samariter) werde ich von der muslimischen Einwohnerschaft und den Behörden akzeptiert und integriert. – Die haben keinen Karl May gelesen! – Für die Caritas von Agadir leite ich eine Armen-Speisung, Armenschule und mache viele Besuche. So bin ich als Christ auch in der muslimischen Familie integriert. Für muslimische Besucher halte ich einen Gebetsteppich und Waschgelegenheit und Koran bereit. Wenn sie beten, ist das für mich das Zeichen, auch zu meinem himmlischen „Vater“ gleichzeitig zu beten. Am liebsten würde ich auch auf dem Friedhof meiner Nachbarn beerdigt werden. Aber das geht nicht, weil es noch einen „französischen“ Friedhof gibt.
So lebe ich wie ein keiner Bruder von Foucault, in geistlichem Kontakt: mit einem Dominikaner-Pater und 5 Franziskanerinnen (franz.). Aus diese Erfahrungen (ich war von 1961 bis 1975 Entw.helfer in Städten und Dörfern Marokkos und Algerien) heraus bejahe ich Ihre veröffentlichten Worte „Leben und Glauben in Toleranz“ voll und ganz. Mit brüderlichen Grüßen
(auf dem beigelegten Foto: der Verfasser „beim Stundengebet“ vor einer Steinfigur des barmherzigen Samariters: „Skulptur im Hintergrund von einem jungen musl. Bildhauer“)

Über Ihren Brief und das Bild habe ich mich sehr gefreut. Ich fühle mich in vielen Punkten, die Sie als Ihr Leben beschreiben, auch gedanklich wieder. Es geht ja im Dialog und im suchenden Kontakt nie um die Preisgabe des eigenen Glaubens! Sie sind als evangelischer Christ in Marokko den Kompromiß des Katholischen eingegangen, um überhaupt christlichen Kontakt haben zu können. Ohne dem geht es aber nicht. Ich brauche in der Fremde immer eine Anbindung an meinen Glauben, meine Religion und auch an grundlegende kulturelle Wurzeln. Das muß ich auch den Türken und Muslimen hier in Ibbenbüren zubilligen. Ich hoffe natürlich, daß dieses selbstverständliche Beispiel auch „Schule“ macht. Aber ich sehe, daß es diese Selbstverständlichkeiten vielleicht auch öfter in der Welt gibt, als wir es über die Medien mitbekommen. Für Fernsehen und Zeitungen sind in der Regel die schlechten Meldungen die besten. Leider. Sie verwischen nämlich das Bild, daß Vielen dann Angst macht. Ihr Beispiel zeigt für mich auch, daß die Veränderungen „von unten“ kommen: aus der persönlich verantworteten Begegnung überschaubarer und damit auch steuerbarer Situationen. Schön und beeindruckend ist für mich auch, wie Sie Glaubensüberzeugung in Toleranz leben: durch Gebetsteppich und Waschgelegenheit ermöglichen Sie die Riten Ihrer muslimischen Besucher; sie zollen Ihnen Anerkennung, indem Sie ihr Gebet ebenfalls zum Anlaß Ihres Betens nehmen; und Sie geben damit gleichzeitig ein Zeugnis Ihres Glaubens. Ich wünsche Ihnen und Ihren Freunden alles Gute und Gottes Segen!

8) 29.8.1994, eine Frau aus Süddeutschland:
Sehr geehrter H. Pfarrer Weber!
In der Gong Nr. 33 las ich Ihr „Wort zum Alltag“. Ich sage dazu Ja und Nein.
Meine Tochter, 25 Jahre, ist mit einem Serben, Muslime, eng befreundet und beabsichtigt ihn zu heiraten, da er schon lange dazu drängt. Er lebt in einem Asylantenheim und ist ohne Arbeit. Alle Argumente gegen diese Verbindung nützen bei ihr nichts. Sie ist berufstätig, hat eine eigene Wohnung, ein Auto und ist von ihrem Vater her etwas vermögend.
Unsere ganze Familie ist katholisch und nimmt aktiv am kirchlichen Leben teil. Ich habe noch 4 erwachsene Kinder, mein Mann ist tot, die alle in unserer Pfarrgemeinde irgendwie tätig sind. (Onkel und Großonkel sind Priester) Sie geht auch sonntags noch zum Gottesdienst, wenn sie da ist; denn häufig übernachtet sie bei ihm. Wir beten alle um ihre „Umkehr“ und sorgen uns wirklich um sie.
Ich möchte Sie, H. Pfarrer, um Ihren Rat bitten, ob Sie unsere Einstellung zu dieser Situation auch als Ausländerfeindlichkeit bezeichnen würden. Oder soll ich meine Tochter einfach „laufen“ lassen? Mit freundlichem Gruß!

Zur Eheschließung lesen Sie doch bitte das nach, was ich oben zum 5. Brief geschrieben habe. Ich lege Ihnen aber auch das ausführlichere Papier der Deutschen Bischöfe zur Information bei.
Ihre Sorge würde ich natürlich nicht mit Ausländerfeindlichkeit gleichsetzen. Es ist schwer, die Situation als Außenstehender und nach Kenntnis nur einer Seite beurteilen zu können. Generell würde ich sagen, daß eine 25jährige Frau so alt und erwachsen ist, daß eine Mutter sie „laufen“ lassen muß. Irgendwann einmal wird die Trennung sein, und Ihre Tochter wird sich ein eigenständiges Leben aufbauen müssen – und ihren Mann können Sie nicht aussuchen! Es ist auch schwer, die Motive für eine Partnerschaft herauszufinden oder sie als Außenstehende daraufhin zu untersuchen. Sicher bin ich mir allerdings, daß eine solche Verbindung Ihrer Katholizität keinen „Makel“ verursachen kann. Ein persönlicher Tip noch: Beten Sie nicht um „Umkehr“, sondern um Klarheit…
Die Arbeitshilfe der Bischöfe gibt ein paar „Empfehlungen“: Überlegen Sie! Lassen Sie sich viel Zeit. Informieren Sie sich über die islamische Rechtslage. Leben Sie erst eine Zeitlang im Heimatland Ihres Partners. Vermeiden Sie Isolierung, lernen Sie die Landessprache. Werden Sie sich vorher über wesentliche Punkte einig.

9) 31.8.1994, ein Mann aus Grassau:
Herr Pfarrer, über Ihren Artikel im Gong „Das Wort zum Alltag“ bin ich sehr enttäuscht, ja entsetzt, über die Einstellung der kath. Kirche bzw. eines kath. Pfarrers zum Islam.
Wenn zur Zeit der Türkenkriege, als die Moslems schon einmal, damals kriegerisch unseren Kontinent überschwemmt haben, unsere Vorfahren auch schon so gedacht hätten wie Sie, dann hätten wir heute alle keine Christen, sondern Moslems und auch Sie hätten nicht den schönen und sichren Posten eines Pfarrers, der mit unsrer Kirchensteuer bezahlt wird. Nein, damals gab es noch mutige Männer wie einen Prinz Eugen, einen Türkenluis und die Tausenden tapferen Kämpfer, die ihr Leben einsetzten, dafür daß bei Wien der Spuk zu Ende war und uns unser Glaube erhalten blieb. Dabei muß ich an einen leider traurigen, aber wahren, heute grassierenden Spruch denken, der lautet: „Damals standen die Türken vor Wien, heute stehen sie vorm ALDI!“
Ich habe wahrlich nichts gegen andere Religionen und den Bau von Moscheen in ihren Heimatländern, aber ich bin dagegen, daß sie bei uns gebaut werden und das noch mit Unterstützung unsrer Kirchensteuer und Spendengeldern.
Wenn ich Ihre Einstellung lese und die der gesamten kath. Kirche zum Asylanten-, Schwulenproblem uva., dann wundert es mich nicht, wenn immer mehr aus der Kirche austreten. Auch ich würde, wenn ich heute noch kirchensteuerpflichtig wäre, sofort austreten.
Zum Schluß möchte ich Ihnen noch empfehlen, sich doch einmal zu erkundigen, ob Sie, wenn Sie in die Türkei einreisen möchten, in Ihrer Dienstkleidung einreisen dürften und vor allem, ob Sie dort eine katholische Kirche bauen dürften und noch mit Unterstützung der Bevölkerung und des Islams. Das Problem der Kleidung dürften Sie ja nicht haben, denn wie ich auf Ihren Bild sehe tragen Sie Pullover.
Ich hoffe, daß Ihnen mein Schreiben einen kleinen Denkanstoß gibt, denn so wie ich denken viele. Ein „Grüß Gott“ aus Grassau sendet Ihnen

Beim Lesen Ihres Briefes wußte ich zeitweise nicht, ob ich weinen oder lachen sollte…
Zunächst einmal: Kirchensteuermittel sind nicht in den Bau der Moschee geflossen. Bei allen anderen Spenden (Teilerlös des Pfarrfestes und Kollekten in verschiedenen Kirchen) wußten die Spender genau, wofür sie ihr Geld geben würden. Das braucht also nicht ein Grund für den Kirchenaustritt zu sein. Sie können übrigens auch aus der Kirche austreten, wenn Sie keine Kirchensteuern zahlen…
Der Vergleich mit den „Türkenkriegen“ ist wenig hilfreich. Auch die Christen haben in dieser Zeit vielfach gesündigt und vermeintliche Glaubensinteressen in der Regel mit politischen und wirtschaftlichen Zielen verknüpft (z.B. in den Kreuzzügen). Außerdem ist der Islam zu damaligen Zeiten oft toleranter gewesen als das Christentum: so waren noch 400 Jahre nach der Eroberung ehemals christlicher Gebiete z.B. in Spanien die Mehrzahl der Menschen trotz muslimischer Herrschaft keine Muslime. Und wenn in den letzten Monaten bei uns in Deutschland jemand kriegerisch aufgetreten ist, sind es nicht die Türken, sondern die Deutschen gewesen (siehe den Mordbrand in Solingen).
Auch von einer „Überschwemmung“ kann keine Rede sein. Der Ausländeranteil bei uns liegt bei etwa 7,3 % an der Gesamtbevölkerung – in Belgien ist er z.B. höher, in der Schweiz sogar doppelt so hoch. In anderen Ländern ist er deshalb niedriger, weil Ausländer schneller und einfacher eingebürgert werden und damit nicht mehr, wie bei uns, als Ausländer gelten.
Es stimmt, daß im laizistischen Staat Türkei offiziell das Tragen von religiöser „Dienstkleidung“ untersagt ist, nicht nur für Christen. Es wird jedoch stillschweigend toleriert. Ein Pfarrer, der als Tourist in die Türkei einreist, wird wegen eines Kollars keine Schwierigkeiten bekommen. Der oberste Imam der Türkei war letztens noch während eines offiziellen Treffens mit orthodoxen Priestern im Fernsehen zu sehen. Bezüglich der Kirchenbauten wurde vor ein paar Monaten der damals für die Betreuung der deutschsprachigen Katholiken in der Türkei zuständige Pfarrer Hans Hammer in Istanbul von einer Zeitung zitiert: „Es stimmt ja, daß seit Atatürk keine Kirchen mehr gebaut werden dürfen, aber das gilt auch für Moscheen. Stillschweigend werden Neubauten jedoch geduldet, nur fehlt uns Katholiken das Geld. … Verfolgung gibt es auch nicht!“

10) 1.9.1994, eine Frau aus München:
An Herrn Martin Weber Ibbenbüren!
Seit 1/4 Jahr wieder nach 2 jähriger Arbeit in Salonicki, in meiner Heimat München! Habe schon öfters selbst, schon Berichte über Ihre Sympathie mit den Moslems gelesen und sehr enttäuscht über Ihr schon Deutsch-feindliches Handeln. Lese sehr viel, besonders christliche Zeitungen, und darin steht sehr oft von Christenverfolgung durch die Moslems: Sie nicht? Dann bitte schnell. Dazu ist die Türkei der schlimmste Drogenlieferant. Also kümmern Sie sich lieber um unsere Jugend, die in dieser Drogengefahr leben, oder noch besser, Sie nehmen den Posten von Pfarrer H. Hammer an, dann tun Sie wenigstens ein gutes Werk für Deutsche (anbei Anzeige). Denken Sie doch auch an die Kriminalität bei uns durch Ausländer, besonders hoch von Türken. Unser Land ist längst über-überfüllt, es wäre höchste Zeit, mit der Einwanderung Schluß zu machen. Die Enge macht die Menschen natürlich aggressiver, was schon sehr gefährlich ist bei uns. Denken Sie doch auch an die vielen Kirchen-Austritte, was von der Gefühlsduselei allem Fremden zum Schaden unserer Leute geht kommt. Gerade die Kirche soll Frieden stiften und nicht Haß säen.

Bitte lesen Sie auch, was ich zum vorherigen Brief geschrieben habe.
Ich bin Ihnen übrigens wirklich sehr dankbar für den Zeitungsausschnitt über den Weggang von Pfarrer Hans Hammer aus Istanbul. Wahrscheinlich haben Sie den Artikel aber noch nicht gelesen, darum füge ich ihn noch einmal als Kopie bei. Er widerlegt viele Vorurteile: „Die christlichen Kirchen brauchten keine Verfolgung zu erleiden, wurden toleriert, durften sich aber auch nicht weiter ausbreiten.“ Hans Hammer ärgern Berichte, die Türkei würde christliche Glaubensgemeinschaften an der Ausübung des Glaubens hindern, und er sieht die Diskussion in Deutschland über die Katholiken in islamischen Ländern „mit Unbehagen“. Hans Hammer ist übrigens seit Anfang Oktober Pfarrer in St.Nikolaus Straßkirchen-Schambach, und ich habe ausführlich mit ihm telefonisch gesprochen. Er meint, die Vorgänge in der Türkei seien die Konsequenz eines Bürgerkrieges, der seit Jahren im Südosten zwischen Türken und Kurden stattfindet. Und weil dort die syrisch-othodoxen Christen leben, kommen sie auch in diese Schwierigkeiten hinein. „Sicherlich werden dort auch Christen geschlagen oder von ihren Grundstücken verjagt – aber auch die Kurden“. Die Türkei könne aber nicht als ein Christen-Verfolgungsland hingestellt werden.
Statistisch gesehen ist die Ausländerkriminalität tatsächlich höher als die der Deutschen. Vergleicht man allerdings die Altersgruppen und die soziale Stellung, gleichen sich die Kriminalitätsraten einander an. In Berlin sind z.B. Türken zwischen 21 und 40 weniger oft straffällig als Deutsche derselben Altersgruppe.
Zu den Gründen von Kirchenaustritten gibt es inzwischen Untersuchungen. Ihre Vermutung, sie könnten etwas mit der Nähe zu den Fremden zu tun haben, ist dabei nicht belegbar. Das Engagement für die Fremden kann für die Kirche auch nicht zur Disposition stehen. Sie genießen schon seit dem Alten Testament gleichsam Rechtsschutz. Exodus 23,9: „Einen Fremden sollst du nicht ausbeuten. Ihr wißt doch, wie es einem Fremden zumute ist; denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.“

11) 2.9.1994, ein Ehepaar aus Bayreuth:
Sehr geehrter Herr Pfarrer Weber!
Ein freundschaftliches Verhältnis zu Muslimen ist selbstverständlich. Aber uns geht das zu weit, unsre Spendengelder für eine Moschee zu geben. Uns besser kennenlernen: richtig! Aber wo lernen einmal Moslems unsere christlichen Glaubensinhalte kennen, die alles übertreffende Herablassung Jesu Christi, sein Opfer am Kreuz und seine Auferstehung. Ich habe noch nie davon gehört, daß Moslems daran interessiert waren. Ich erlebe es so: wir geben unsere christliche Identität bis zur Unkenntlichkeit auf, umarmen sie schier, spenden für eine Moschee, verlesen den Koran im Gottesdienst, nur um ihnen nicht zu nahe zu treten. Wo ist im Islam dieselbe Toleranz? Haben Ihre Muslime schon einmal die Herrlichkeit der Eucharistie miterlebt?
Mit freundlichem Gruß!

Zunächst einmal: Sie brauchen nichts für eine Moschee zu spenden! Diejenigen, die es getan haben, wollten es aber ausdrücklich. Das soll ihr Recht bleiben.
Ich denke, daß die Muslime dabei sehr viel von uns Christen gelernt, besser: gespürt haben. „Opfer am Kreuz“ und „Auferstehung“ sind doch keine blutleeren Worte, sondern erzählen etwas vom Leben Jesu Christi. Und damit muß es konkret anfangen. Ein zweiter Schritt ist erst die Vermittlung von Glaubensinhalten. Erst wenn wir uns menschlich einander genähert und zu vertrauen gelernt haben, können wir uns über unsere Glaubenssätze austauschen. Daran sind dann auch die Muslime interessiert – jedenfalls bei uns.
Ich gebe dabei auch meine christliche Identität nicht auf – im Gegenteil! Der Dialog gründet auf dieser Identität. Ich gebe allerdings zu, daß es Grenzen und Unsicherheiten gibt. Wenn wir in Ibbenbüren eine fundamentalistische und politische Ausrichtung in der muslimischen Gemeinde gesehen hätten, hätten wir sicherlich keine finanzielle Unterstützung gegeben! So haben wir die weitaus überwiegende gemäßigte Richtung unterstützen können, mit der ein Dialog auch wirklich möglich war und ist. Dabei gibt es durchaus noch Probleme und Fragen, die nur langsam für beide Seiten zu lösen sind, z.B. das Verhältnis und die Stellung von Männern und Frauen. Aber das ist ja auch in unserer Kirche ein noch immer nicht zu allseitiger Zufriedenheit gelöstes Thema. Was Toleranz im Islam angeht, habe ich auf Brief 6 eine Antwort aus Tansania gegeben, in Brief 7 berichtet ein Leserbriefschreiber aus Marokko. Es gibt viele andere Beispiele, von denen leider entweder die Medien nicht berichten oder für die sich die Leute einfach nicht interessieren, weil sie nicht in ihr neues „Feindbild“ hineinpassen.
Einige Muslime haben übrigens schon einmal, eher zufällig an einer Eucharistiefeier teilgenommen, die wir zu Beginn unseres Pfarrfestes auf dem Kirchplatz feierten. Die Türken haben während des Festes einen Döner-Kebab-Stand und waren zu früh gekommen. Hinterher berichtete mir einer stolz, er hätte auch Geld in das Kollektenkörbchen gegeben, es sei ja für einen guten Zweck gewesen…

12) 8.9.1994, ein Mann aus Bayreuth:
Herr Pfarrer Weber, was Sie im Gong als Wort zum Alltag unter sich gelassen haben ist allerhand. Haben Sie noch nichts über die militanten Islamesen wie El fatach oder Hamad gelesen? Im Sudan werden Christen verfolgt, in Algerien welche ermordet. Und Sie kriechen diesen dreckigen Kameltreibern in den Arsch. Oder ist es Seelenverwandtschaft zweier Religionen, die das Töten Andersgläubiger gestattet? Bei Ihrem Verein: Indianer-Holocaust in Südamerika, Waldenser, 60000 Morde der Inquisition in Spanien (Teschner: Die größte Verbrecherorganisation seit Jahrhunderten). Übrigens: haben Sie sich schon Ihre Vorhaut beschneiden lassen? Vielleicht ist Ihre Köchin dankbar? Die Protestanten haben – zu Ihrem Trost – auch solche Spinner wie Sie, z.B. beim Außenamt in Hannover. Der hat doch verlangt, daß deutsche Frauen auch mal mit Kopftüchern einkaufen gehen sollen! Allah akbar, doofer Giaur
Anm.: „Giaur“ ist im Islam der Nichtmoslem, Ungläubige

Es fällt mir schwer, Ihren für mich und für Muslime beleidigenden Brief zu „beantworten“, zumal er bei den wenigen sachlichen Inhalten völlig inkonsequent ist. Eigentlich müßten Sie doch nach der Lektüre von Karlheinz Deschner (er heißt Deschner, nicht Teschner) froh sein, wenn die Kirche versucht, politische und religiöse Konflikte friedlich und mit Toleranz zu lösen. Statt dessen reagieren Sie genauso wie diejenigen, die Sie zu Recht kritisieren und fallen auf die böswilligen Haßkampagnen Deschners herein. Und noch einmal: die teilweise schlimmen Verbrechen von Christen oder im Namen des Christentums von vor Jahrhunderten und Christenverfolgungen im Sudan sind die eine Sache, über die wir uns durchaus sachlich und ernstlich unterhalten und auch gemeinsam aufregen können; mein unmittelbarer Erfahrungsbereich hier mit konkreten Menschen in Ibbenbüren ist die andere Sache, die ich auch persönlich überschauen und verantworten kann.
Die palästinensischen Terrorgruppen El Fatah und Hamas sind „politische“, keine religiösen Gruppierungen. Sie kämpfen nicht für den Islam, erst recht nicht gegen die Christen, sondern für einen autonomen Palästinenserstaat. Übrigens: Die Religion heißt Islam. Die Anhänger des Islams sind Moslems oder Muslime.
Ich habe zudem bei der „Evangelischen Kirche Deutschlands“ (EKD) in Hannover angerufen. Dort erinnerte sich keiner an einen Ausspruch bezüglich der Kopftücher – oder an einen ähnlichen Zusammenhang.

13) 11.9.1994, ein Mann aus Herne (Kopie des Schreibens an den Gong):
Betr.: Warum unterstützen unsere Kirchen und die ihnen nahestehenden Medien den fanatischen Islam? Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Der Artikel „Christen und Muslime“ im Gong Nr. 33 vom 20.-26.8.94 hat mich (und auch viele Bekannte) sehr traurig gestimmt. – Ich möchte Sie bitten, unvoreingenommen den in Ablichtung beigefügten Artikel aus der Monatszeitschrift „Kurier“ – Jan. 1994 – zu lesen und darüber nachzudenken. –
1970 gab es in Deutschland drei Moscheen! – Heute sind es mehr als 1500! – Fast jede Woche kommt eine neue hinzu! – Die Moscheen sind in Händen von Vereinigungen mit politischer Zielsetzung! – Jeder Muslim ist nach dem Koran verpflichtet, die Christen zu bekehren oder zu vernichten! – Bekämpft sie, bis die Religion Allahs allgemein verbreitet ist (8, Sure des Korans 39). – Greift sie und tötet sie, wo ihr sie trefft (4. Sure, 91)! – In allen Moscheen werden Kampfbüros eingerichtet, die die Muslime aufhetzen, die Andersgläubigen zu bekehren oder zu töten. Die Hetze wirkt! –
Hier leben viele Türken aus Anatolien. – Sie sind fromm und einfältig. – Fast alle Türkinnen tragen wieder ein Kopftuch. –
Ich habe … Kinder im Schuldienst. – Sie berichten, wie die Muslime sich immer mehr von Ungläubigen absondern. – Sie wollen nichts mehr mit den Christen zu tun haben! – Den Lehrern schlägt oft Haß entgegen! –
Eine Tochter ist Lehrerin an der …schule in … Als seinerzeit der Golfkrieg ausbrach, wurde sie von den türkischen Schülern angeschrien: „Wir bringen euch alle um!“ – „Ihr seid die ungläubigen Hunde!“ – „Dem Islam gehört die Welt!“ – Sie war maßlos erschrocken, zumal sie bei den Türken sehr beliebt war. –
Eine weitere Tochter ist Lehrerin an der …schule in … – Schon seit Jahrzehntenmüssen die Lehrer die deutschen Kinder vor den Türkenjungen schützen! – Besonders unsere kleinen Mädchen werden gestoßen, getreten und geschlagen! – Hier in Herne-… leben viele Türken. – Abends wagt hier kein Bürger mehr auf die Straße zu gehen! – Zwei meiner Enkel (… u. … J. alt) wurden zu unterschiedlichen Zeiten von Türkenjungen grundlos angefallen und mit Knüppeln zusammengeschlagen! – Die Türken erklärten, wenn ihr zur Polizei geht, stechen wir euch ab! – Ein 14 jähriges Mädchen aus unserer Verwandtschaft, wurde von 4 Türken in gemeinster Weise sexuell belästigt! – Die Polizei erklärte hierzu, solche Beschwerden gehen hier laufend ein! –
Trotz aller dieser Tatsachen, helfen Sie noch mit, daß sogar auf kircheneigenem Grundstück und mit Spenden von Katholiken eine weitere Moschee gebaut wurde! – – – Ich und mein großer Bekanntenkreis finden Ihr Verhalten völlig unverständlich, geradezu ungeheuerlich! –
Von den Ängsten deutscher Menschen berichten keine Medien, auch nicht der Herr Pfarrer. —
Mit freundlichen Grüßen!

Zu dem „kircheneigenen Grundstück“ (falsch!) und den Spenden habe ich oben schon etwas gesagt und richtiggestellt.
Auf ein Flugblatt der sogenannten „Christlichen Mitte“ (Monatszeitung „Kurier“) reagierte schon 1992 die bischöfliche Pressestelle Münster (ndm) mit einem Zitat des Oelder Pfarrers Helmut Hortmann: „Wenn zum Kampf gegen Muslime aufgerufen und der Fremdenhaß geschürt werden soll, dann ist das weder katholisch noch christliche Mitte“. Der erste Teil Ihres Briefes ist von diesem Flugblatt abgeschrieben und einfach falsch! Lediglich die Anzahl der Moscheen, obwohl wohl etwas zu hoch gegriffen, mag stimmen. Warum macht Ihnen das Angst? Nach den Krieg wurden ab 1955 Ausländer als „Gastarbeiter“ von Deutschland angeworben. Später holten sie ihre Familien nach. Mit der ersten großen Welle der Arbeitslosigkeit gingen ab 1973 Millionen wieder in ihre Heimat zurück, Millionen aber blieben bei uns und haben sich mit ihren hier geborenen Kindern auf einen längeren Aufenthalt, vielleicht sogar auf eine Einbürgerung eingestellt. Also wurden in den letzten 20 Jahren auch verstärkt Gebetshäuser gebaut. Fast alle fallen, wie bei uns in Ibbenbüren, nicht auf, weil sie kaum größer als ein Wohnzimmer sind. Ähnliche Bauten wie unsere Kirchen, also mit dem typisch türkischen Minarett, gibt es nur wenige in Deutschland. Zum Vergleich: es gibt etwa 13.300 katholische Kirchen in Deutschland. Die überwiegende Anzahl der türkisch-islamischen Vereine als Träger der Moscheen sind friedlich und gemäßigt.
Der Islam hat wie das Christentum einen Absolutheitsanspruch. Er respektiert aber die Existenzberechtigung der Offenbarungsreligionen (Judentum, Christentum) und ihre relative Gültigkeit und Heilswirksamkeit. Koran 2,62: „Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Christen …, all die, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und Gutes tun, erhalten ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie haben nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein“ (s. auch Antwort zu Brief 1). 8,39 bezieht sich nicht auf die Christen, sondern auf die gegnerischen Mekkaner, die 624 in der Schlacht bei Badr besiegt wurden. Auch 4,91 bezieht sich eindeutig nicht auf die Christen, sondern auf abtrünnige Muslime, die sich vom Islam abgewandt haben. Darauf steht die Todesstrafe (s. auch Antwort zu Brief 6).
Was Sie von Ihrer Tochter über das religiös-politische Selbstbewußtsein von türkischen Schüler(innen) wiedergeben, ist erschreckend. Es zeigt, wie leicht Menschen, gerade Kinder und Jugendliche, durch einfache Weltbilder und einseitige Parolen beeinflußt werden können. Aber gerade darum ist es doch wichtig, sich nicht abzukapseln, sondern zu versuchen, diese Ursachen der Fremdbestimmung zu verstehen und möglichst durch eigene Erfahrungen zu ersetzen. Warum hat es Saddam Husain geschafft, die einfachen muslimischen Bevölkerungsschichten hinter sich zu scharen? Es ging nicht um Religion, sondern gefühlsmäßig um arm gegen reich, um unterdrückt gegen die vermeintlichen Unterdrücker. Und wenn sich hier bei uns Türken als Bürger zweiter Klasse erfahren, dann schwappt so eine Welle manchmal über. Ich finde das schlimm, auch alles weitere, was Sie an Übergriffen beschreiben, und kann das auch nicht akzeptieren oder entschuldigen. Ich frage mich aber: Was kann ich tun, damit sich das nicht so weiterentwickelt? Nochmals meine Antwort: Wir müssen uns besser kennen- und verstehenlernen. Wer sich wirklich kennengelernt hat, benutzt keine Steine, Knüppel oder Messer.
Während einiger Projekttage in der hiesigen Hauptschule (mit hohem Ausländeranteil!) zum Thema „Gewalt in der Schule“ bin ich z.B. mit drei Gruppen von Christen und Muslimen erst in die Moschee, dann in die katholische und in die evangelische Kirche gegangen. Wir haben uns jeweils die Räume und Gebräuche von den Geistlichen erklären lassen. Es waren anstrengende, aber sehr fruchtbringende Gespräche. Pfarrer Hammer: „Dialog: das ist persönliches Gespräch, das ist Freundschaft“.
Ich habe übrigens vor einigen Wochen Besuch von einem Kollegen gehabt, der z.Zt. für das Bistum Münster in Mexiko tätig ist. Er ist mit zwei Mexikanern gekommen. Am Ende habe ich sie für die Rückreise nach Berlin zum Flughafen gebracht. Während der zwei Tage, die wir vorher noch in der Stadt sein konnten, wollten die Mexikaner abends nicht mehr mit der U- oder S-Bahn fahren, denn sie hatten in Mexiko von den Übergriffen gegen Ausländer gehört… Es sind nicht immer nur die Türken schuld!

14) 15.9./2.9.1994, eine Frau aus Schwabmünchen (über den Gong):
Zwei Exemplare „Christliche Mitte exklusiv: Offener Brief eines Muslims an die CM“

Zur sogenannten „Christlichen Mitte“ lesen Sie bitte meine Bemerkung zum vorhergehenden Brief.


Zeitschrift Diakonia: PFARRFEST FÜR DIE MOSCHEE

Pfarrfest für die Moschee
Eine Pfarrgemeinde sucht den Kontakt zu ihren muslimischen Mitbürgern

aus: Diakonia 25. 1994, 2, 130-132

Eigentlich sollte das, wovon hier berichtet wird, eine Selbstverständlichkeit sein. Wie weit wir davon entfernt sind, zeigt der Medienrummel rund um dieses „kleine Zeichen“. red

Ibbenbüren liegt am Nordwestrand des Teutoburger Waldes, nördlich der Bischofsstadt Münster. Die Stadt hat knapp 50.000 Einwohner und ist nicht unerheblich vom Bergbau geprägt, der direkt etwa 4.000 Beschäftigten einen Arbeitsplatz sichert. Für die harte Arbeit in inzwischen bis zu 1.500 m Tiefe wurden in den 60er Jahren zahlreiche Gastarbeiter geworben, hauptsächlich aus der Türkei. Andere haben ihr Auskommen im Hoch- und Tiefbau. Sie sind fast ausschließlich islamischen Glaubens.

Muslime in Ibbenbüren
Bereits Anfang der 70er Jahre stellte die Stadt den Muslimen Räumlichkeiten in einer Grundschule als „Kultur- und Gebetszentrum“ (Moschee) zur Verfügung. Dies geschah unter maßgeblicher Vermittlung der katholischen und evangelischen Gemeinden, die damals auch die ersten Gebetsteppiche stifteten. Im Laufe der Jahre wurden die Räume zu klein. Es bildete sich die „Türkisch-Islamische Union e.V.“, die mit Eigenleistungen der etwa 100 türkischen Familien ein eigenes Haus kaufen und umbauen konnte. Neben den Gebets- und Versammlungsräumen befindet sich hier auch die Wohnung des Imams mit Familie und ein auch von der deutschen Bevölkerung gut angenommenes Geschäft mit türkischen „Spezialitäten“. Im Februar 1993 wurde die neue Moschee in Gebrauch genommen. (1)
Von Anfang an fanden die Muslimen, alle einfache Arbeiter, einen Fürsprecher und „Promotor“ in dem damaligen Berufsschul- und jetzigen Krankenhauspfarrer Klemens Niermann. Er half, zahlreiche Querverbindungen zum öffentlichen und kirchlichen Leben zu knüpfen und das „Thema“ in den katholischen Gemeinden wachzuhalten. In dieser jahrelangen Beziehung ist gegenseitiges Vertrauen gewachsen, das eine gute Basis für neue Kontakte bildete. (2)
Durch den Umzug in die neue Moschee wechselten die Muslime in den „Zuständigkeitsbereich“ unserer Pfarrgemeinde. St.Ludwig ist mit 4.500 Katholiken eine mittelgroße Pfarrei, die seit 40 Jahren eine Art Klammer zwischen den Städtern und den Landleuten bildet. Sie hat in den letzten 25 Jahren einen bewußten Prozeß der „gemeinsamen Suche“ (3) eingeübt und ist gewohnt, Neues anzudenken und zu beginnen.

Der Moscheebau als Auslöser
Ende 1991 erhält der neugewählte Vorsitzende der „Türkisch-Islamischen Union“ die Möglichkeit, in der „Ibbenbürener Volkszeitung“ „Ein Wort zum Sonntag“ zu schreiben. Dies war bislang die Domäne der katholischen und evangelischen Christen. Hierin erfährt die Öffentlichkeit zum ersten Mal über die Absicht der muslimischen Gemeinde, in Eigenregie eine neue Moschee zu bauen.
Im Januar 1992 (4) kommt in den Gremien zum ersten Mal konkret die Frage auf: „Wie stehen wir zu den Türken und Muslimen, die im Bereich unserer Pfarrgemeinde eine Moschee errichten wollen?“ Dem Pfarrgemeinderat (PGR) wird schnell klar: Wenn wir in dieser Phase des Moschee-Baus den Kontakt zur muslimischen Gemeinde intensivieren wollen, kommen wir an der Frage einer (vielleicht auch nur symbolischen) Mitfinanzierung nicht vorbei.
Nach einem viermonatigen Informations- und Klärungsprozeß, in dem alle Gruppen der Gemeinde einbezogen werden, beschließen PGR und Kirchenvorstand (KV) schließlich, ein Viertel des Pfarrfesterlöses „soll der islamischen Gemeinde für den Bau der Moschee zur Verfügung gestellt werden“ . (5)
Erst nach dieser grundsätzlichen internen Klärung, und das scheint uns bemerkenswert zu sein, kommt es zu Bemühungen, inhaltlich und persönlich einen Schritt weiterzukommen. PGR und KV werden in die alte Moschee eingeladen; der Vorstand der türkisch-islamischen Union besucht die Kirche und das Pfarrzentrum. Alle Aktivitäten werden durch die örtliche Presse intensiv und positiv aufgegriffen.

Die Phase der öffentlichen Auseinandersetzung und Rechtfertigung
Die Angelegenheit kommt in eine zweite Phase, als die Bischöfliche Pressestelle und die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) eine Kurzmeldung „Pfarrgemeinde hilft Muslimen“ bundesweit verbreiten. „Missio aktuell“, die auflagenstarke Mitgliederzeitschrift des internationalen katholischen Missionswerkes (6) , greift das Thema in Form eines Telefoninterviews (7) auf. Seine Veröffentlichung ruft bei Missio Aachen wie kaum jemals zuvor eine Flut von aufgebrachten Leserbriefreaktionen hervor, sodaß sich das Blatt genötigt sieht, in drei Folgenummern teils mehrseitig darüber zu berichten (8). Auch die Pfarrgemeinde wird mit zum Teil widerwärtigen und anonymen Briefen überschüttet. Tenor: Menschlicher Kontakt und Toleranz ist gut; aber wie können Christen ausrechnet dem Erzfeind Islam, der in vielen Ländern das Christentum unterdrückt, Geld für den Bau einer Moschee geben?
Die Gemeinde, in der bislang ruhig, ausgiebig und ausgewogen diskutiert worden ist, ist geschockt: „Wir wollten doch nur ein kleines Zeichen setzen!“ Es kommt zu zahlreichen Pressekonferenzen, Rundfunk- und Fernsehberichten. Dieser Öffentlichkeits- und Mediendruck zwingt noch stärker zur Reflexion einer Aktion, die eigentlich ausdiskutiert schien. Der inzwischen emeritierte Münsteraner Religionswissenschaftler und Islam-Kenner Adel Theodor Khoury (9) steht unter großem Interesse einen Abend zum Gespräch zur Verfügung. Einen Tag nach den schrecklichen Anschlägen auf Türken in Solingen (10) besuchen wir das Morgengebet der muslimischen Gemeinde. Der PGR verfaßt einen Brief: „Wir möchten Ihnen unsere herzliche Anteilnahme an Ihrer Trauer aussprechen. Unsere beiden Gemeinden haben begonnen, behutsam aufeinander zuzugehen, um sich gegenseitig besser zu verstehen. Wir haben berechtigte Hoffnung, daß unser gemeinsames Unternehmen für die Zukunft trotz widriger Umstände Bestand hat“. Drei Monate nach der Eröffnung besucht auch Regionalbischof Alfons Demming die Moschee und überreicht dabei ein Geldgeschenk! Zusammen mit dem Imam betet er die erste Sure des Korans: „Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, dem Erbarmer, dem Barmherzigen…“.(11)

Wir sind uns nähergekommen
Gut zwei Jahre nach Beginn der Kontakte mit unseren muslimischen Mitbürgern ist gleichermaßen Befriedigung und Ernüchterung eingekehrt. Vieles haben wir angestoßen und (teilweise mühsam!) gelernt, vieles ist noch nicht aufgearbeitet.
Die wichtigste Erfahrung und Ermutigung war: Trotz allem, was an Schlechtem in der Welt zwischen Christen und Muslimen passiert, müssen und dürfen wir wagen, unseren muslimischen Nachbarn vorurteilsfrei so zu begegnen, wie wir sie persönlich erleben. Das ist unsere lokale, überschaubare und damit auch verantwortbare Stärke!
Beim Geld hört für Viele der Spaß (die Nächstenliebe) auf! Aber gerade durch unseren kleinen, mehr symbolischen Betrag haben wir etwas bewegt. Vielleicht erzählen die Türken davon Zuhause, damit auch dort etwas in Bewegung kommt…
Die Auseinandersetzung mit einer anderen Religion und Kultur zwingt, den eigenen Glauben, das scheinbar Selbstverständliche (da mehrheitlich sanktioniert und selten in Frage gestellt) zu reflektieren, in Worte zu fassen und auch für „Fremde“ verständlich zu begründen. Sie schärft damit die eigene Identität in einer pluralistischen Gesellschaft.
Nach 25 Jahren war es an der Zeit, die türkischen Mitbürger(innen) nicht nur als unscheinbare Nachbarn, sondern auch etwas von ihren Freuden und Sorgen wahrzunehmen. In einer für Ausländer in Deutschland immer schwieriger werdenden Zeit haben die Kontakte die gemäßigten Gruppen gestärkt und nach außen Solidarität vermittelt: „Wer unseren Freunden etwas antut, bekommt es auch mit uns zu tun!“

Es hat im Kontakt untereinander auch Probleme und Mißverständnisse gegeben.
Unsere engagierten Frauen tun sich mittlerweile schwer damit, in den gemeinsamen Zusammenkünften nur die muslimischen Männer zu treffen. Die Frauen müssen in den eher konservativ eingestellten Familien auch nach jahrzehntelanger „Integration“ immer noch Zuhause bleiben. Sie können sich folglich auch nicht ausreichend gut in der deutschen Sprache ausdrücken. Allerdings haben unsere freundlichen Bitten in dieser Richtung inzwischen eine andauernde Diskussion in der türkisch-islamischen Gemeinde ausgelöst.
Das „Bildungsgefälle“ zwischen den Gemeinden macht bisweilen Probleme. Viele Türken trauen sich nicht, als einfache und der deutschen Sprache nicht ganz mächtige Arbeiter mit den „gebildeten“ Deutschen ausgiebig zu sprechen, geschweige denn sich über theologische Fragen auszutauschen.
Für eine kleine Minderheit der Türken ist der Vorstand der „Türkisch-Islamischen Union“ zu „christenfreundlich“ und (ganz bewußt, was unsere Beziehungen enorm erleichtert hat) unpolitisch. Sie haben sich abgespalten und würden am liebsten einen eigenen Verein gründen. Wir müssen aufpassen, daß unsere Kontakte die relativ kleine Gruppe der Muslimen nicht erdrückt. Als z.B. die Moschee eingeweiht wurde, befanden sich mehr Christen als Muslime im Raum!
Selbst nach so langer Zeit in Deutschland kommen die Türken zur Zeit unvorbereitet in eine gänzlich neue Situation, von der sie vor zwanzig Jahren noch nicht einmal geträumt hätten: Viele stehen vor der Pensionierung. Ihre Kinder sind hier geboren und aufgewachsen; keines von ihnen will wieder, wie es die Eltern immer geplant hatten, in die „Heimat“ zurück. (12) Das äußert sich u.a. darin, daß sie nun um einen eigenen Bereich auf dem städtischen Friedhof bitten – bislang wurden alle Toten in die Heimat überführt. Für manche Deutsche ist dies eine überholte Zumutung; andere sehen darin das wertvolle Signal einer weitergehenden „Integration“.

Martin Weber

Anmerkungen:
(1) Auch die Teppiche in der neuen Moschee wurden von den katholischen Pfarrgemeinden des Pfarrverbandes Ibbenbüren und von der evangelischen Kirchengemeinde Ibbenbüren gestiftet.
(2) In einem Interview der Osnabrücker Kirchenzeitung wurde Imam Burhaneltin Bulut gefragt, ob er deutsche Freunde habe. Er antwortete: „Pastor Klemens Niermann ist mein Freund“, aus: Kirchenbote Nr. 28/12.7.1992, S. 3
(3) Vgl. Bernhard Honsel, „Der rote Punkt“. Eine Gemeinde unterwegs, Düsseldorf 1985, 162
(4) Hilfreich war, daß die Gruppen der „Deutschen Pfadfinderschaft St.Georg“ (DPSG) zeitgleich ihre bundesweite „Aktion flinke Hände, flinke Füße 1992 … für Versöhnung im Libanon“ begannen. Diese sah den Kontakt zum „Bund moslemischer Pfadfinder Deutschland“ (BMPD) vor. Materialien sind erhältlich bei der DPSG, Martinstraße 2, D-41472 Neuss-Holzheim, Tel. (02131) 4699-0.
(5) Am Ende sind dies 2.050,- DM. Die Türken haben sich übrigens am Pfarrfest durch einen Döner-Kebab-Stand beteiligt.
(6) 800.000 Exemplare
(7) Das Telefoninterview zwischen Martin Weber und Chefredakteur Toni Götz, in: Missio aktuell 5/1992, S. 6; mehrseitige „Hintergründe“ in Heft 1/1993, S. 14ff. „Nur wer Vertrauen sät…“
(8) Es kommt zu Abbestellungen. Eine Missio-Mitarbeiterin: „Was denken sich die Leute nur, welches Missionsverständnis wir haben?“
(9) Aus der Fülle seiner Veröffentlichungen die letzten Bücher zum Thema: Der Islam – sein Glaube, seine Lebensordnung, sein Anspruch, Freiburg 1992; Wer war Muhammad? Lebensgeschichte und prophetischer Anspruch, Freiburg 1990; Was ist los in der islamischen Welt?, Freiburg 1991; Der Islam kommt uns näher. Worauf müssen wir uns einstellen?, Freiburg 1992; Islamlexikon, 3 Bde, Freiburg 1991
(10) Pfingsten 1993 wurden bei einem Brandanschlag in Solingen drei türkische Mitbürger getötet.
(11) Zitiert nach der vom islamischen Weltkongreß autorisierten Übersetzung von Adel Theodor Khoury, Der Koran, Güterloh 1987
(12) In einem „Wort zum Sonntag“ schrieb der Vorsitzende der „Türkisch-Islamischen Union“, Veysel Yilmaz, am 28.12.1991 in der „Ibbenbürener Volkszeitung“: „Inzwischen haben fast alle Türken ihre Familienangehörigen nachkommen lassen. Die meisten unserer Kinder sind schon hier geboren. Wir können und wollen nicht mehr in die Türkei zurück, obwohl wir oft großes Heimweh haben und traurig sind. Unsere Kinder entfremden sich immer mehr dem türkischen Heimatland und seinen Gebräuchen, und hier im christlichen Deutschland finden sie noch immer keinen guten Anschluß an die deutschen Jugendlichen und deutsche Lebensweise.“

Pfarrfest für die Moschee Diakonia Heft 2 März 1994


Kirche und Leben Nr. 50 vom 13.12.1992:

Offener Brief der Ibbenbürener Muslime an alle Christen

Offener Brief der Ibbenbürener Muslime an alle Christen

Liebe Christen!

Vielleicht sind Sie erstaunt, daß wir türkischen Moslems hier in Ibbenbüren Sie so anreden; haben doch die Christen und die Moslems sich in ihrer langen gemeinsamen Geschichte fast immer unfreundlich gegenüber gestanden. Die einen mißtrauten den anderen, es fehlte die gegenseitige Achtung voreinander und häufig gab es kriegerische Auseinandersetzungen. Da ist es nicht verwunderlich, daß wir Moslems aus der Türkei mit einer gewissen Angst nach Deutschland gekommen sind. Seit 30 Jahren leben viele von uns in diesem schönen Tecklenburger Land. Heute sind es etwa 100 türkische Familien.

Es war für uns am Anfang sehr schwer: eine fremde Sprache, die für uns nicht leicht erlernbar ist; die fremden Sitten, eine uns (wie wir damals glaubten) feindliche Religion; andere Feste und Feiertage; ein anderes Leben auf den Straßen und in den öffentlichen Gebäuden; andere Eßgewohnheiten; eine uns fremde Verwaltung; ein anderes Schulsystem für unsere Kinder; ein anderes Verhältnis zwischen Männern und Frauen usw. Wir kamen uns fremd vor in diesem deutschen Wohlstandsland. Und doch sind wir hierher gekommen, weil Sie uns gerufen haben und weil wir in unserer türkischen Heimat keine genügende Arbeit finden konnten.

Seit 30 Jahren leben wir jetzt unter Ihnen. Inzwischen haben wir die Angst verloren, wenngleich auch wir die zunehmende Fremdenfeindlichkeit bemerken. Aber wir fühlen uns in Ibbenbüren schon fast wie zu Hause, auch wenn die Sehnsucht nach unserem schönen Heimatland mit den vielen Moscheen, den Minaretten und den täglichen Gebetsrufern in uns wach bleibt. Jedoch sprechen unsere Kinder inzwischen sehr gut Ihre Sprache und sie sehen in Ibbenbüren ihre Heimat.

Seit vielen Jahren erfahren wir von seiten der Stadtverwaltung und auch der christlichen Kirchen ein freundliches Entgegenkommen, auch den Versuch, uns zu verstehen und die Bereitschaft, uns zu helfen. Deshalb meinen wir, Sie alle mit „liebe Christen” ansprechen zu können.

Vor etwa 12 Jahren hat uns die Stadtverwaltung in Ibbenbüren in der Albert-Schweitzer-Schule Gebetsräume zur Verfügung gestellt. Wir sind dankbar dafür. Inzwischen haben wir ein eigenes Gebäude erworben: die frühere Gärtnerei Grothe an der Ledder Straße. Wir sind z.Z. dabei, dieses Gebäude zu einem türkischen Kulturzentrum mit einer „Moschee” für Männer und Frauen, mit Räumen für persönliche Begegnungen, besonders auch für unsere Jugend und Kinder umzugestalten. Dies geschieht mit Hilfe der Stadtverwaltung und der christlichen Kirchen.

Mit besonderer Freude haben wir dabei gespürt, daß unsere katholische Partnergemeinde St. Ludwig mit uns sehr freundlichen Kontakt aufgenommen hat. Uns kommt es vor, als gehörten wir jetzt ganz zu Ihnen, als brauchten wir nicht mehr nur wie am Rande von Ibbenbüren zu leben.

Noch vor Ihrem Weihnachtsfest können wir die neuen Räume an der Ledder Straße beziehen. Wir hoffen, Sie alle im kommenden Frühjahr zu einem Eröffnungsfest einladen zu können. Wir grüßen Sie alle freundlich und bitten für Sie um den Segen unseres gemeinsamen Gottes, den wir Muslime Allah nennen.

Veysel Yilmaz, Vorsitzender
Burhaneltin Bulut, Imam

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