Michael Dudek ist tot

Michael Dudek ist tot

Michael Dudek ist am 8. Juli 2018 plötzlich und unerwartet im Alter von 65 Jahren gestorben. Seine Beerdigung findet im engsten Familienkreis in seiner Geburtststadt Stade statt. Ein Gedenkgottesdienst mit dem Ludwigchor ist am Sonntag, 30. September 2018, um 11 Uhr in der Ludwigkirche.

In vielfältiger Weise war er in St. Ludwig „Pastor“: als Religionslehrer am Kepler-Gymnasium, als Prediger, Gottesdienstleiter, Katechet, Kommunionhelfer, im Ludwigchor, als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, für Predigt- und Kommuionhelferdienste im Krankenhaus… Vor zwei Jahren erst wurde er pensioniert. Sein Tod ist ein großer Verlust für uns.


Bei der Beerdigung von Reinhold Schrameyer 9.7.2011


Predigt zum 65. Jubiläum des Ludwigchores Ibbenbüren am 1. Juli 2018

„Als ich vor über 20 Jahren den Kontakt zur St. Ludwig-Gemeinde gesucht habe, da habe ich sofort gespürt: hier bist du erwünscht; hier kannst du deine Fähigkeiten einbringen; hier gibt es Christen, die nach der zeitgemäßen Verwirklichung des Evangeliums suchen. Und dieses Gefühl des Erwünschtseins hat mich eigentlich seit damals nie verlassen. So möchte ich unserer Gemeinde auch in Zukunft viele engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen, die alle Suchenden mit offenen Armen empfangen, die anderen Menschen in ihrer Schwachheit und in ihrem Leid beistehen und die offen und mutig die Herausforderungen einer Zeit annehmen, in der der christliche Glaube kaum noch eine Rolle zu spielen scheint.“
50 Jahre St. Ludwig 2002

„Wir sind erlöst, weil Gott sich uns mit all seiner Liebe schenkt. Er zieht uns ganz nah zu sich. In ihm sind wir geborgen. Ich in dir und du in mir; niemand kann uns scheiden. Jesus spricht im heutigen Evangelium Worte von ungeheurer Kraft: „Ich gebe ihnen ewiges Leben; sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.“ Diese Worte schenken uns die Hoffnung, dass Gott uns nie verlässt. Mit den Worten aus Psalm 16 beten wir: Behüte mich, Gott, ich vertraue dir, du zeigst mir den Weg zum Leben. Bei dir ist Freude, Freude in Fülle.“
Aus einer Predigt zum 4. Ostersonntag 2007

„Und auch in unserem eigenen Leben gibt es Unbegreifliches – der frühe Tod eines geliebten Menschen, der doch eigentlich in der Welt noch so viel Gutes hätte tun können – das Zerbrechen von Beziehungen – das Leben mit der schweren Krankheit – die Dunkelheit der Trauer und der Angst. Hat Gott sich zurückgezogen? Johannes Paul II. sprach damals in seiner Generalaudienz von der Hoffnung, dass in der Verlassenheit der Same des Neubeginns verborgen liegt. Ich denke, das stimmt. Dann, wenn es uns schlecht geht, dann, wenn wir in großer Bedrängnis sind und keinen Ausweg mehr sehen, dann beginnen wir oft ganz neu nach Gott zu fragen. Dann, wenn das Schweigen Gottes dröhnt, dann, wenn wir keine Antworten mehr haben auf die Fragen unseres Lebens, dann sehnt sich unser Herz leidenschaftlich nach Gott. Wo aber finden wir ihn? (…) Jesus nehme ich das ab, dass das stimmt, was er  im Evangelium sagt: Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Bei euch sind sogar alle Haare auf dem Kopf gezählt. Ihr seid unendlich wertvoll. (…) Habt keine Angst. Ich kenne euch. Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt.“
Aus einer Predigt zum 12. Sonntag im Jahreskreis 2005

„Mystiker sind Geheimnisbewohner. Menschen, die im Geheimnis Gottes ein Obdach für ihre Seele gefunden haben, die sagen können: Ich in dir und du in mir – und niemand kann uns scheiden. Am Ende wird Oskar immer müder; er schläft nur noch und schließlich stirbt er. Auf seinen Nachttisch hatte er die letzten drei Tage seines Lebens ein Schild gestellt, darauf stand: Nur der liebe Gott darf mich wecken. Er wusste ja, dass Gott ihn wecken wird, denn er hatte das ewige Leben schon erfahren, er hatte schon die Gegenwart Gottes in sich erfahren und konnte somit erahnen, wie es nach dem Tod für ewig sein wird. Wir glauben auch an einen Gott, der uns im Tod wecken wird, der das Leben, auch und gerade das nur kurz gelebte Leben, nicht in grausige Abgründe stürzen lässt, sondern in seiner Hand geborgen hält. Dieses mein armseliges Leben hier auf der Erde wird nicht alles sein, glauben wir, und wir dürfen auch sagen: Ich in dir, du in mir – und niemand kann uns scheiden. (…) Das Licht der vier Kerzen am heutigen Tag weist schon hin auf das strahlende Licht der Gegenwart Gottes. Das Wort, das Gott zu uns sprechen wird, heißt: Ich bin mit dir. In Jesus bin ich dir nahe. Ich bin mit dir in den schönen Stunden deines Lebens und in den schrecklichen, dann, wenn alle deine geträumten Sterne vom Himmel fallen. Auch in den Nächten der bitteren Enttäuschung bleibt meine Zusage bestehen: Ich bin mit dir. Wir müssen nur den Blick auf Gottes Gegenwart freihalten in all dem, was uns in unserem Leben widerfährt. Wenn wir unsere Lichter anzünden, wenn wir still werden und all unsere innere Unruhe zum Schweigen bringen, dann kann es geschehen, dass wir in die Mitte des Geheimnisses geführt werden, dann kann es geschehen, dass wir schon spüren, dass der bei uns ist, der unsere Zukunft und unsere letzte Zuflucht ist: Gott selbst.“
Aus einer Predigt zum 4. Advent 2003

„Transzendentale Obdachlosigkeit – das ist die Verdrängung der Tatsache, dass alles vergeht, das ist die Unfähigkeit, das Irdische zu überschreiten. Die richtige Lebenshaltung aber ist vom Gegenteil bestimmt: Sich immer wieder für das ewige Geheimnis des Lebens zu öffnen, das Zauberwort zu finden, das alle Dinge zum Klingen bringt. (…) Die Kranken und die Sterbenden bitten um den Segen Gottes – denn in der Ohnmacht des Lebens kann man doch nur dort Zuflucht suchen, wo unsere ewige Heimat ist. Der Segen ist der Ort, an dem wir zu Menschen werden, weil wir angesehen werden. Es leuchtet ein anderes Antlitz über uns als unser eigenes. Wir sind von Gott behütet.
Aus einer Predigt zu Erntedank 2002

„Wenn wir ins Leben hinaustreten, dann meinen wir, dass uns nun die Welt zu Füßen liegt, dass wir mit unserem guten Willen die Welt machen, planen und gestalten können; wenn wir nur das Richtige wollen, wird es uns gelingen. Dies sagt man uns, und wir glauben es auch. Nur es stimmt nicht. Erst später werden wir wohl erahnen, dass unser Leben letztlich nicht von uns machbar ist, sondern dass wir es nur dann bewältigen, wenn wir es als Geschenk von Gott annehmen und so seinen Willen tun. Erst wenn wir uns von Christus gürten lassen, wenn wir unsere Hände ausstrecken und unseren Eigenwillen aufgeben, erst dann werden wir mit dem Quell des inneren Lebens in Berührung kommen und den Geistesfrieden erlangen. (…) Wenn wir niedergedrückt sind in der Trauer um die Verluste unseres Lebens, wenn wir unsere eigenen Beschränkungen und Grenzen schmerzlich erleiden, wenn wir auf die liebende Begegnung mit Menschen warten und doch enttäuscht werden; wenn wir ernsthaft krank werden, wenn wir spüren, dass viele Möglichkeiten unseres Lebens unwiderruflich verspielt sind, dann brauchen wir länger, bis wir sagen können: Du weißt alles, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Wenn wir dieses Ja zu Christus aber in uns gesprochen haben, wenn wir uns mit unserem Herzen trotz allem ganz fest an ihn klammern, dann können wir vielleicht wahrnehmen, dass die Gnade Gottes in uns lebendig geworden ist. Dann sind wir weise geworden, dann wissen wir, dass nicht alles von unserem Tun und Erfolg abhängt, sondern davon, dass wir unsere Hände öffnen, dass wir unsere Augen öffnen, dass wir unsere Ohren öffnen für das Wunder der Liebe Gottes. (…) Wir aber wollen Jesus Christus bitten, unseren Bruder: Sei du unser Begleiter auf dem Weg durch die Zeit, sei uns nahe mit deinem Wort und Sakrament. Wenn du mit uns gehst, dann führen alle Wege unseres Lebens in die Unendlichkeit Gottes. Alle Wege: Die Wege der Arbeit und der Freude, die Wege des Gebets und des Schweigens, die Leidenswege, die Kreuzwege. Alle Wege führen zum Tod, alle Wege führen zu Gott. Unser Gott ist ein getreuer Gott; er wird uns nicht mehr Lasten auferlegen, als wir tragen können; wenn er uns führt, wenn er uns gürtet, wird alles gut werden.
Ein Gebet von Charles de Foucauld:
Vater, ich überlasse mich dir, mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu alles bin ich bereit, alles nehme ich an,
wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich nichts weiter, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele;
ich gebe sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben, mich in deine Hände zu legen, ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen; denn du bist mein Vater.
Aus einer Predigt im Elisabeth-Hospital 13.8.1989

Aber Jesus kümmert sich auch um uns, wenn wir schwach sind, wenn wir uns verirrt haben und Zuspruch und Orientierung brauchen. Er verschafft uns Ruhe, wenn wir erschöpft sind und sorgt sich um uns, wenn wir verletzt sind und Heilung brauchen. Unser Gott ist ein Gott, der uns spüren lässt, dass jede und jeder eine königliche Würde besitzt und unendlich wichtig ist. „Jesus Christus, du bist der gute Hirt! Die Schafe, die du so liebhast, die verwundeten, die kranken, die schwachen – wenn sie mir doch zu Herzen gingen wie dir! Jesus, auch wenn ich deine Liebe für die Verwundeten, die Kranken und die Schwachen manchmal nicht fasse, nicht teile – das hindert dich nicht, mich trotzdem zu lieben, zu umarmen, zu befreien, zu retten. Jesus Christus, du bist das Gesicht der Güte Gottes – bis in Ewigkeit.“
Aus einer Predigt zu Matthäus 25,31-46 (Vom Weltgericht)

Bei der Verleihung des Ehrenamtspreises des Bistums Münster am 10.6.2018


Gedenkbild im Kepler-Gymnasium



Michael Dudek, seit 1980 mit den Fächern Deutsch und katholische Religionslehre, früher auch fachfremd mit dem Fach Musik am Johannes-Kepler-Gymnasium tätig, wurde mit Beginn der Sommerferien in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Sein Name ist besonders verbunden mit den „Tagen religiöser Orientierung“, die er durch seine ökumenische Glaubensauffassung, durch seine authentische, hilfsbereite, engagierte und menschliche Art stets bereichert hat.
Michael Dudek hat immer das Wohl der Schülerinnen und Schüler im Kopf. Er sieht in jedem Schüler erst einmal seine Stärken und versucht, die jeweiligen Schwächen zu verstehen und diesen abzuhelfen. Nicht nur durch diese schülerorientierte Art, sondern auch durch seine innere Gelassenheit wird er der Schülerschaft in guter Erinnerung bleiben.
Auch das Kollegium wird ihn als verlässlichen und kompetenten Ansprechpartner vermissen. Zitate wie: „Michael Dudek hatte stets ein offenes Ohr.“ und „Der Ideenaustausch mit Michael war immer ein Gewinn.“, sprechen für sich. Neben seinem langjährigen Engagement für die Schule bezieht er Position für den Frieden und engagiert sich in der Kirchengemeinde St. Ludwig / Heilig Kreuz.
Die Kepler-Schulgemeinschaft wünscht Michael Dudek für seine weitere, nach eigenen Worten „entschleunigte“, Zukunft alles Gute!
IVZ am 09.07.2016

 


Die Fenster der Ludwigkirche mit Texten von Michael Dudek