Pater Reinhold Becker: Gedanken zum Advent

Pater Reinhold Becker: Gedanken zum Advent

Seit nahezu 15 Jahren engagiere ich mich als Priester in den Gemeinden St. Johannes Bosco und St. Ludwig und später auch in St. Modestus und St. Peter und Paul. Es ist darum schon angebracht, einmal Rückschau zu halten in dieser vorweihnachtlichen Zeit: Was wollte ich eigentlich, was sah ich als meine pastorale Aufgabe?

Das kommende Weihnachtsfest soll mir bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Wir feiern das Fest der Menschwerdung Gottes. Die Liebe Gottes wird im Kind von Bethlehem allen Menschen sichtbar. In diesem Kinde wird Gottes Liebe ge-„erdet“, der Strahl seiner Liebe trifft diese Erde.

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie dahingab.“

Dieses Kind in der Krippe ist geboren der Menschen wegen, die in dieser von Gott geliebten Welt leben. Gottes Liebe ist darum nicht nur ge-„erdet“, sondern sie ist ge-„menschlicht“ (ein neues Wort), d. h. sie trifft auf den Menschen. Alle Menschen sollen an den Kreislauf seiner unendlichen Liebe angeschlossen werden.

Letztendlich jedoch geht es Gott um jeden einzelnen Menschen, es geht ihm um mich und Dich. Gott liebt mich. Diese Botschaft flüstert uns das Kind von Bethlehem zu. Dieses Kind bringt mich und alle, die guten Willens sind, in Kontakt mit dem Strom der göttlichen Liebe, sie wird ge-„micht“ (wieder ein neues Wort!), die Leitung, der Kontakt zwischen Gott und uns wird hergestellt.

Ein bisschen umständlich habe ich hier versucht, darzulegen, was es mit dem Geheimnis von Weihnachten so auf sich hat. Bei diesem Kraftwerk göttlicher Liebe fühle ich mich als eine Art Elektriker, der Leitungen flickt, neue Anschlüsse anschließt und Kurzschlüsse repariert. Der Strom der Liebe soll weiterhin fließen und der Funke soll überspringen und zünden. Was kann ein Elektriker Gottes mehr wollen!

Die Krankenbesuche im Krankenhaus oder daheim, die Hausbesuche zu traurigen oder fröhlichen Anlässen und auch die Verkündigung des Wortes in den Gottesdiensten, immer wollte ich spürbar werden lassen, dass wir noch immer am Netz hängen und der Strom der Liebe Gottes zu uns noch immer fließt.

Als Priester geht es mir um die Verkündigung der froh machenden Botschaft, die mit dem Ereignis von Bethlehem begann. Als Priester weiß ich aber auch, dass ich geweiht bin und damit in die Schuhe von Jesus Christus geschlüpft bin. Seitdem spreche ich an seiner Stelle in der Eucharistiefeier die Worte, die nur er sprechen kann: „Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für Euch vergossen wird.“

Ob diese Schuhe Jesu Christi nicht doch viel zu groß für mich sind, wenn ich nach Gottes Plan und in den Augen der Menschen Christus sein soll? Früher sagte man: „Sacerdos alter Christus.“ (Der Priester ein zweiter Christus). Das gilt auch heute noch. Aber es fällt unendlich schwer, es zu sein und selbst daran zu glauben. Aber beides wird mir bei meinen Begegnungen mit den Menschen in unserer Pfarrei leicht gemacht: Mit frohem Herzen nimmt man mich überall auf, nicht weil ich P. Becker heiße, sondern weil ich Priester bin. Und irgendwie fließt der Segen Jesu dann über Mensch und Haus. Als Priester Christus zu verkündigen und zu sein – so viele Menschen haben mir das in unserer Pfarrei leicht gemacht, sodass ich es auch mit Freude bin.

Und dafür möchte ich allen meinen Dank aussprechen.

Das Weihnachtsfest möge uns allen ein Fest der Neuorientierung und der Neufindung der göttlichen Liebesquelle werden. Das Kind in der Krippe soll uns Wegweiser sein.