Pfarrer Abraham Manalil wird verabschiedet

Pfarrer Abraham Manalil wird verabschiedet

Von Pastor Martin Weber

Pater Reinhold Becker und Pfarrer Abraham Manalil werden im September aus unseren Gemeinden verabschiedet. Reinhold geht – nach Aufgabe des Klosters Hörstel – in den wohlverdienten Ruhestand ins Provinzialat nach Köln, Abraham beginnt eine neue Aufgabe als Missionar in Indien. Beide sind Gründungsmitglieder von Heilig Kreuz und eng mit unserer Pfarrei verbunden, besonders als Ansprechpartner in den Gemeinden St. Johannes Bosco (Pater Becker) und St. Peter und Paul (Abraham Manalil). Sie werden eine große Lücke hinterlassen – aber auch viele schöne Erinnerung. Wir sind stolz, sie so lange in unseren Gemeinden gehabt zu haben und wünschen Ihnen für den nächsten Lebensabschnitt alles Gute und Gottes reichen Segen!

Pfarrer Abraham Manalil (55) wohnt seit dem 30. Dezember 2004 in Brochterbeck, also seit 12 ½ Jahren und seit Beginn der Pfarrei Heilig Kreuz. Er kam in einer Zeit, die nach dem Weggang von Pater Joseph und mit Neugründung der Großpfarrei nicht einfach war. Zudem kommt er von Zuhause her aus dem syro-malankarischen Ritus, der verglichen mit dem uns gebräuchlichen römischen Ritus eine ganz andere liturgische Stimmungslage ist. Und die deutsche Sprache und Kultur ist auch nicht einfach. Abraham wurde durch seine unkomplizierte, menschenfreundliche und zurückhaltende Art schnell Pastor von Brochterbeck. Ich habe immer bewundert, wie er von Anfang an in diesem ihm erst fremden Umfeld stets die Initiative ergriff, um Kontakte herzustellen oder pastorale Dienste vor Ort zu besprechen. In schwierigen und Notfällen war er immer zeitnah den Menschen nahe. In seiner bescheidenen Art konnte er sich auch auf Dinge einlassen, die ihm fremd waren. So hat er sich schnell Freunde und Respekt verschafft. Für die Brochterbecker war es ein Glücksfall, dass er im Pfarrhaus und in der Dorfgemeinschaft präsent war.

Mit der Zeit wurde auch unaufdringlich der Missionar in ihm deutlich. Es gab viele Besuche aus Indien, alle seine Bischöfe waren hier, Brochterbeck war bei Interkontinentalbesuchen immer eine Adresse. Und trotz der traditionellen Kontakte nach Brasilien entwickelte sich ein Interesse für und eine Partnerschaft mit Indien. Zahlreiche Gemeindemitglieder haben seine Heimat besucht und für soziale Projekte im Bistum Bathery gespendet. Bisweilen haben wir eine Messe im syro-malankarischen Ritus in St. Peter und Paul gefeiert. Und immer war das (deutsch-scharfe) indische Essen mit bei den Festen. Die Auseinandersetzung mit seiner Kultur und seinen religiösen Traditionen hat auch unsere Gemeinden bereichert und herausgefordert.

Abraham ist viel länger in unseren Gemeinden geblieben, als normalerweise üblich. Beide Bischöfe (in Münster und Bathery) baten ihn schließlich um eine Entscheidung, wo er bleiben möchte. Beide hätte ihn gerne behalten. Für Abraham war das eine sehr schwere und letztlich immer noch unsichere Entscheidung. Schließlich hat er sich für seine Heimat Indien und damit auch für seine Familien-Kultur entschieden, auch mit Blick auf das Alter. Er wird wahrscheinlich noch einmal eine Herausforderung mit einer neuen Gemeinde außerhalb seines Bistums übernehmen. Wir bleiben da ganz eng mit ihm verbunden und haben ihm versprochen, ihn in den nächsten Jahren auch gerne wieder zu uns einzuladen. Er wird übrigens in Indien auch finanziell bei Null anfangen, da er sein Geld immer sofort für bedürftige Leute ausgegeben hat…

Ich danke den Brochterbeckern, insbesondere auch Eva und Oswald Linsky, die Abraham von Anfang an „adoptiert“ haben, dass sie ihren Dorf-Pastor so gut aufgenommen haben.
Auch für mich persönlich ist der Abschied von Abraham schmerzlich, da ich in ihm einen Freund „verliere“ (zumindest auf die Distanz betrachtet). Auch er hat mir oft durch seinen Dienst den Rücken freigehalten und war durch viele persönliche Gespräche ein vertrauensvoller Berater. Ich hoffe, dass er sich – ungehemmt durch die Sprache und Kultur – zuhause in Indien gut entfalten und so manche Erfahrung mit uns neu einbringen kann. Und schließlich ist Indien nur eine kurze Flugstrecke entfernt…

Die Verabschiedung von Pfarrer Abraham Manalil ist in St. Peter und Paul Brochterbeck am Samstag, 16. September 2017, um 17 Uhr mit der Festmesse, im Anschluss laden wir zum Empfang vor und in das Pfarrheim ein.

 

„Dankeschön und Auf Wiedersehen!“
Abraham Manalil zieht Bilanz

Als ich im Sommer 2004 nach Deutschland kam, wusste ich noch nicht, wie lange ich bleiben würde. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass es 13 Jahre werden könnten. 13 Jahre sind eine lange Zeit, die Hälfte meines bisherigen Priesterlebens. So lange habe ich an keinem anderen Ort gearbeitet, aber diese Zeit hat mich sehr bereichert. Ich habe viel erfahren und meinen Horizont
erweitert.

Als mein Bischof damals fragte, ob ich bereit wäre, eine Zeit lang in Deutschland zu arbeiten, habe ich nach kurzer Überlegung ja gesagt, obwohl ich eigentlich andere Pläne hatte. Nach meinen Erfahrungen als Mitarbeiter bei Shreyas, dem Sozialwerk unserer Diözese, wollte ich Sozialarbeit studieren und hatte auch schon einen Studienplatz an der Universität in Calicut. Aber ich habe dann entschieden, in die Diözese Münster zu gehen. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut. Mein Einsatzort wurde die Gemeinde Heilig Kreuz.

Ich habe die Menschen hier als sehr heimatverbunden kennengelernt, aber auch als offen für Neues. Trotz meiner Sprachbarrieren habe ich von Anfang an versucht, auf die Menschen zuzugehen, um die Kultur und das Denken und Fühlen der Menschen näher kennenzulernen. Mir ist es sehr wichtig, das war schon in meinen Gemeinden in Indien so, dass ich niemanden verletze. Das geht nur, wenn man sich vertraut macht mit den Menschen und deren Kultur. In der Gemeinde Heilig Kreuz habe ich mich immer wohl gefühlt, weil ich so viele positive Rückmeldungen und Ermutigung bekommen habe. Ich habe gespürt, dass ich angenommen werde in der Gemeinde und auch im Seelsorgeteam unter der Leitung von Pfarrer Martin Weber. Es war und ist eine gute und kollegiale Arbeitsatmosphäre. Besonders zu Hause bin ich natürlich in Brochterbeck gewesen, weil ich hier wohne und den Menschen täglich begegnet bin bei verschiedenen Gelegenheiten, traurigen und fröhlichen.

Nun werde ich meinen Dienst beenden und in Indien neue Aufgaben übernehmen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich auf vielfältige Weise unterstützt und die mir ihre Liebe und Freundschaft geschenkt haben. Es sind sehr gemischte Gefühle, die mich bewegen. Auf der einen Seite freue ich mich auf meine Heimat und auf die neuen Aufgaben, auf der anderen Seite habe ich auch Abschiedsschmerz, denn die Menschen in Heilig Kreuz sind mir ans Herz gewachsen.

Am Samstag, 16. September um 17 Uhr, werde ich den Abschiedsgottesdienst mit Ihnen feiern und lade Sie herzlich dazu und zum anschließenden Fest der Begegnung ein. Einen Wunsch habe ich noch zum Schluss: Nehmen Sie meinen Nachfolger Pfarrer Paul Kodannur, der aus meiner Heimatdiözese kommt und den ich persönlich gut kenne, genauso freundlich und hilfsbereit auf wie mich. Er ist ein liebenswerter Priester, der seinen Dienst mit Liebe und Hingabe verrichtet.
Ich grüße Sie und sage „Dankeschön und Auf Wiedersehen!“.

Abraham Manalil