Pfarrer em. Leonhard Rüster ist tot

Pfarrer em. Leonhard Rüster ist tot

Am 15. Oktober 2014 ist Pfarrer em. Leonhard Rüster (links auf dem Foto, rechts Klemens Niermann) gestorben.

Er wurde am 8. Dezember 1933 in Bocholt geboren. Die Priesterweihe empfing er am 2. Februar 1960 in Münster. Anschließend übernahm er eine Kaplanstelle in Warendorf-Freckenhorst St. Bonifatius. 1964 wurde er zum Vikar in Billerbeck St. Johannes d. T. ernannt. Danach war er als Pfarrer im Militärseelsorgedienst und als Militärpfarrer im Seelsorgebezirk Borken tätig. Im Jahre 1971 wurde ihm die Pfarrstelle St. Michael in Ibbenbüren übertragen. Diese Pfarrstelle hielt er über 23 Jahre lang inne. Zusätzlich übernahm er die Leitung des Pfarrverbandes Ibbenbüren. Er wechselte 1994 von der Pfarrstelle Ibbenbüren, zu der Pfarrstelle St. Stephanus in Münster. Bischof Reinhard Lettmann emeritierte ihn im Jahr 2003. Seit 2013 lebte er im Cohaus-Vendt-Stift in Münster St. Lamberti. Er verstarb im Alter von 80 Jahren.

Das Requiem wird am Donnerstag, dem 23. Oktober 2014, um 9:30 Uhr der Pfarrkirche St. Stephanus in Münster gefeiert. Anschließend erfolgt die Beisetzung auf dem Zentralfriedhof.

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Todesanzeige Bistum Leonhard Rüster

Totenbrief des Bistums Münster als PDF

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aus: StiftsBote, Pfarrbrief der St.-Bonifatius-Gemeinde Freckenhorst, Nr. 64, Ostern 2010

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Interview

Abschied von Pfarrer Rüster

Gemeinsam mit den beiden Kirchengemeinden St. Stephanus und Jakobus engagiert sich Blau-Weiß Aasee am „Runden Tisch der Aaseestadt“ für das Viertel und seine Bewohner. Leonhard Rüster, Pfarrer der katholischen St. Stephanus-Gemeinde, geht im Sommer in den wohlverdienten Ruhestand. Die offizielle Verabschiedung findet am 26. Juli um 17.00 Uhr statt. Letzte Gelegenheit also für den Aaseher, einen Menschen zu befragen, der das Leben im Viertel während der letzten Jahre entscheidend mitgeprägt hat. Das Interview führte Jens Nagl.

Herr Rüster, bitte erzählen Sie uns etwas zu Ihrer Person!
Geboren bin ich 1933 in Bocholt. Zunächst eher probeweise entschloss ich mich 1953 zum Studium der Theologie und studierte in Münster und München. Nach der Priesterweihe 1960 war ich Kaplan in Freckenhorst und Billerbeck, von 1965 bis 1971 im Münsterland Pfarrer bei Soldaten und darauf 23 Jahre in einer Bergwerksgemeinde in Ibbenbüren. 1994 kam ich zu St. Stephanus in die Aaseestadt.
Wie fällt die „Bilanz“ Ihrer neun Jahre als Pfarrer der Stephanus-Gemeinde aus?
Bilanz zu ziehen ist bei uns eine Sache des Kirchenvorstandes, Religion ist nicht in dieser Weise verrechenbar. Ich bin dankbar, dass Religion immer noch Unterstützung findet in Form von Spenden und Kirchensteuern. Es wird für wichtig erachtet, dass es unverrechenbare Religion gibt.

Gab es in Ihrer Amtszeit Höhepunkte, an die Sie sich besonders gerne erinnern?
Nicht so sehr große Ereignisse sind für mich entscheidend, sondern vielmehr der Alltag von Menschen, die sich einander anvertrauen, ihre Beziehungen im Wandel. Mich beeindruckt die Wertschätzung, die mir auch viele Leute entgegenbringen, die sich nicht kirchlich fühlen, die manchmal stöhnen „Ihr mit Eurer Kirche!“ und dennoch zutiefst menschlich handeln.
Ich erinnere mich gerne an die vielen Kinder bei der Zirkusaufführung der Grundschule und ich denke an das gemeinsame Fest mit der evangelischen Jakobusgemeinde. Mein Dank gilt unserer Kleiderkammer, die viel mehr tut, als Kleidungsstücke zu sammeln, sondern die mit ihrer Arbeit vor allem zur Achtung der Würde von Menschen beiträgt. Ebenso anerkenne ich die Haussammlungen in unseren Straßen, diesen Gang von Haus zu Haus für die notwendigen Aufgaben pfarrlicher Hilfe von Caritas. Wichtig waren mir auch immer die Kindergartenarbeit und die Krankenbesuche, bei denen ich viel lernen konnte und zum Nachdenken über mich selbst angeregt wurde.

In welcher Hinsicht hat sich der junge Stadtteil Aaseestadt während Ihrer Zeit verändert?
Die Aaseestadt ist kein junger Stadtteil. Er befindet sich in einem schwierigen Prozess des Umbruches. Es gibt hier die ältere Generation, die nahezu gleichzeitig hergekommen ist und den Stadtteil aufgebaut hat; sie fordert Respekt für ihre Leistung ein. Ich vernehme oft Klage über Veränderungen und verstehe das sehr gut. Und doch begrüße ich es, dass langsam auch die jungen Familien zum Zuge kommen. Insgesamt bin ich angenehm überrascht, wie viel Freundlichkeit einem hier entgegengebracht wird.

Kirche und Sport, St. Stephanus und Blau-Weiß Aasee. Gibt es da keine Konkurrenz, gerade auch um den Sonntag? Wie würden Sie Ihr persönliches Verhältnis zum Sport beschreiben?
Zwar habe ich in meiner Jugend Fußball gespielt und bin Schwimmen gegangen, aber ein Verhältnis zum Sport zu entwickeln, dazu hatte ich keine Gelegenheit. Es freut mich, wenn ich an Leib und Seele gesunde Menschen erlebe. Man sagte mir in der Ausbildung‚ ein Kaplan „müsse dafür sorgen, dass der Junge Fußball spielen kann“. Dass gegenüber dem Fußball das Halleluja doch nicht so langweilig ist, diese Erkenntnis hat durchaus Zeit.
Die Konkurrenz mit dem Sport macht mir keine Angst. Ich erkenne die Terminzwänge an, denen unterliegt auch die Kirche. Aber wir nehmen uns gegenseitig nichts. Wem der Gottesdienst wichtig ist, der findet auch den Weg dorthin. Ich finde es schön, dass es so etwas wie Blau-Weiß Aasee gibt und bewundere das Programm, gerade weil es von vielen Ehrenamtlichen getragen wird. Für das Gemeinwesen ist das wunderbar.

Wie beurteilen Sie die Einrichtung des „Runden Tisches Aaseestadt“? Hat dieses Forum nennbare Ergebnisse gebracht?
Sich gegenseitig kennenlernen, wertschätzen, würdigen, und dabei auch Konflikte ehrlich austragen, das ist das wesentliche „Ergebnis“ des Runden Tisches. Mit innerer Freude denke ich daran, dass es uns damals in Vereinbarung mit Jugendlichen und Erwachsenen von Jakobus- und Stephanusgemeinde und Blau-Weiß Aasee – angestoßen durch Peter Lammerding – gelungen ist, einige „schwierige“ Jugendliche des Stadtteils aufzufangen. Jetzt können wir mit dem Janosch-Café einen Anlaufpunkt anbieten. Hier hilft unser gemeinsamer Austausch mit den Institutionen Polizei, Jugendamt usw. sehr.

Die „Friedensgebete in der Aaseestadt“ während des Irak-Krieges im März und April waren die jüngste Gemeinschaftsaktion von Stephanus- und Jakobus-Gemeinde sowie Blau-Weiß Aasee. Welchen Sinn macht eine solche Veranstaltung?
Die Friedensgebete sind eine Form, der inneren Stimme Gehör zu geben, das eigene Gewissen öffentlich zu machen. Und dies gerade auch gemeinsam mit Leuten, die das nicht in ihrer Tradition haben, die quasi sagen: „Beten kann ich nicht, aber ich bin dabei.“ Religiöse Worte sind dafür gar nicht notwendig. Menschen stehen mit anderen, ihnen bisher vielleicht unbekannten, für die Öffentlichkeit zusammen. Eine solche Erfahrung ist wertvoll, selbst dann, wenn am stärksten die gemeinsame Ohnmacht empfunden wird.
Blau-Weiß Aasee möchte in 2004 ein Haus bauen, das für den Verein, aber auch für die Menschen im Viertel ein Treffpunkt sein soll. Haben Sie und Ihre Gemeinde diesbezüglich Hoffnungen? Haben Sie Befürchtungen?
Von diesem Haus befürchte ich nichts. Im Gegenteil. Es wäre zum Beispiel ein Glück für die Altenarbeit, wenn Ängste und Nöte der älteren Leute, wie beispielsweise die Vereinsamung, hier in einen Kreis getragen würden, wo sie auch die Jüngeren mitbekommen und verstehen lernen. Das Bedürfnis, sich irgendwo zuhause zu fühlen, wird in der modernen Gesellschaft weiter wachsen. Es wäre also unklug sich voneinander abzugrenzen, wenngleich ich die Stimmen aus der Gemeinde, die hier einen Verlust befürchten, gut nachvollziehen kann und sehr ernst nehme.

Welche Gefühle bewegen Sie vor dem Abschied aus dem Berufsleben? Haben Sie Pläne für Ihre persönliche Zukunft, die Sie dem Aaseher anvertrauen möchten?
Abschied und Umzug stehen noch bevor und zur Zeit habe ich noch viel zu viel zu tun, um mich näher damit zu befassen. Traurig werde ich sein und ich bin auch etwas nervös, wie ich den Übergang gestalte. Ich will meine Lebensweise ändern, nicht mehr vom Kalender abhängig und ständig von vielen Menschen gefordert sein. Das wird mir viel Disziplin abverlangen, denn eine Leere zu füllen ist mühsam. Man muss in diesem vikarisierenden Leben aufpassen, dass die eigene Person nicht hinter der Rolle, dem Amt verschwindet. Ich will mich etwas vom Religiösen, seinen Formen, zurückziehen und mehr an mich selber denken, als Mensch und Geschöpf. Zur Altersheiterkeit bin ich noch nicht gelangt.

Welche Wünsche haben Sie für Ihre Gemeinde und die Aaseestadt?
Es ist mein herzlicher Wunsch, dass viele aus Erfahrung in ihrem Lebenslauf bestätigen können, was in einem lateinischen Satz, der mich lange begleitet hat, so gefasst ist: „Vocatus atque non vocatus Deus adest“. Gerufen oder ungerufen – Gott ist da.
Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute.
Das Interview führte
Jens Nagl