Silbernes Priesterjubiläum von Abraham Manalil

Silbernes Priesterjubiläum von Abraham Manalil

„Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4,18‐19)

Dieser Abschnitt aus dem Lukas‐Evangelium war mein Primizspruch, als ich vor 25 Jahren zum Priester geweiht wurde. Jesus war wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge von Nazareth gegangen. Man reichte ihm das Buch des Propheten Jesaja, um daraus vorzulesen. Er schlug das Buch auf und fand die oben zitierte Stelle (Jes 61,1.2a). Er las sie vor und sagte: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“

Für mich ist diese alte Prophezeiung des Jesaja, die sich in Jesus erfüllt, der Kernpunkt der christlichen Botschaft. Jesus ist in die Welt gekommen, um an der Seite der Ohnmächtigen und Schwachen zu sein. Dieser Gedanke hat mich immer fasziniert und sehr geprägt. Er war und ist wie ein Leitfaden für mein priesterliches Leben. Während meiner Priesterausbildung, vor allem während des Philosophiestudiums, habe ich oft Zweifel gehabt und mich gefragt, ob ich den richtigen Weg gewählt habe. Aber nach der Priesterweihe stellte sich diese Frage nicht mehr, ich war mir meiner Berufung sicher und bin es bis heute.

Während des Theologiestudiums war einer meiner Professoren, Father Thomas (+) ‐ ich mochte ihn sehr, denn er war ein aufrichtiger Mensch und guter Lehrer ‐, nicht besonders zufrieden mit mir, er meinte, dass ich hinter meinen Möglichkeiten zurückbleibe und sagte einmal zu mir: Ich mag dich nicht, du machst kein griechisch, kein hebräisch, kein syrisch (die Sprache unserer malankarischen Liturgie). Du kannst viel mehr, wenn du willst.“ Aber ich wollte eben nicht. Einige meiner Kollegen gingen nach Rom, um dort zu studieren und zu promovieren, um dann vielleicht aufzusteigen. Das ist sicher auch gut und wichtig, doch mein Ziel war das nie.

Und wenn ich nun auf 25 Jahre zurückblicke, kann ich sagen, der Weg, den ich eingeschlagen habe, war richtig. Immer nah bei den Menschen zu sein, ihre Not, sei sie materiell oder seelisch, wahrzunehmen und ihnen beizustehen, so gut ich kann, das war und ist mein Anliegen. Und ich kann sagen, dass ich dadurch viel Freude und große Zufriedenheit erfahren habe. 14 Jahre habe ich in Indien und 11 Jahre in Deutschland in der Gemeinde Heilig Kreuz meinen priesterlichen Dienst verrichtet. Dabei habe ich mich immer geschützt und getragen gefühlt von Gott und auch durch die Ermutigung und das Gebet vieler Menschen, denen ich begegnet bin. Der einfache Glaube und das Gottvertrauen vieler Menschen in meinen Gemeinden haben mich immer gestärkt und ermutigt in meinem Dienst. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Freude und Dankbarkeit, die ich empfinde, wenn ich nun mein silbernes Priesterjubiläum feiere, möchte ich teilen mit unserer Gemeinde Heilig Kreuz und allen, die sich mit mir verbunden fühlen. Am Sonntag, 3. Januar 2016, um 14.30 Uhr halte ich einen Dankgottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul in Brochterbeck, zu dem alle herzlich eingeladen sind. Anschließend ist ein Empfang im Pfarrheim mit Kaffee und Kuchen.

Ich bitte Sie, kein Geschenk für mich persönlich mitzubringen. Aber anlässlich meines Jubiläums möchte ich ein Heim der Bethany Schwestern für behinderte Kinder in meiner Heimatstadt Nilambur (unsere letzte Indien‐Reisegruppe hat dieses Heim besucht) und die Flüchtlingsarbeit in Brochterbeck unterstützen. Dafür werde ich eine Spendenbox aufstellen. Über jede kleine Hilfe würde ich mich sehr freuen.

Abraham Manalil

Seiten aus Pfarrbrief_15-3