Teresina-Besuch Tag 2: Übersicht über die Sozialprojekte

Teresina-Besuch Tag 2: Übersicht über die Sozialprojekte

Eigentlich sollten wir heute (Mittwoch, 1. Juli 2015) bereits um 8 Uhr abgeholt werden – das habe ich dann aber um eine Stunde später verhandelt. Die ersten sind schon um 6.30 Uhr im Wasser, und auch ich bin wesentlich früher wach und einigermaßen erholt. Seit gestern Abend 22 Uhr ist der Strom weg – und damit auch das Wasser, das aus dem Brunnen in die Behälter auf den Dächern gepumpt wird…

Sandra und Deusa haben uns ein Frühstück gemacht, dann holt uns der Bus um 9 Uhr in die Stadt. Zuerst besuchen wir die ASA, die Organisation für die kirchlichen Sozialprojekte. In einem Saal wird uns ein zusammenfassender Film gezeigt, Schwester Candida übersetzt (am Ende des Films musste ein Lied gelöscht werden, da es in Deutschland nicht lizenziert ist…). Sie hat sich sehr viel Mühe gemacht und uns alles auch schriftlich zum Nachlesen verfasst. Der Text befindet sich (später) wegen der Länge am Schluss dieses Beitrags. Dann werden wir gefühlsmäßig durch alle Büros geführt. Dabei sehen wir viele bekannte Gesichter wieder. Das ist wie eine große Familie hier. Auch eine Mitschwester von Candida arbeitet zum Beispiel hier. Überall stehen kleine Kannen mit Kaffee und Becher, damit sich Besucher davon nehmen können.

Direkt benachbart ist das Generalvikariat. Dort besuchen wir Padre Tony, der seit einigen Jahren auch Generalvikar ist. Zunächst gehen wir in die Kapelle und singen auf Deutsch und Brasilianisch. Bei Padre Tony gibt es einen kleinen Imbiss: die süßen Kuchen, viele Früchte und Fruchtsäfte, dazu Kaffee (der hier immer [sehr] gesüßt ist!). Ich könnte alleine von den Fruchtsäften überleben.

Nach einer kleinen Erfrischungspause fahren wir zum Mittagessen zum Alt-Erzbischof Dom Miguel. Neben Candida und Gerborg kann hier auch Padre Wellistony übersetzen. Er ist Regens des überregionalen Priesterseminars und war auch mehrere Male in Deutschland, spricht sehr gut Deutsch. Dom Miguel, der gerade 90 Jahre alt geworden ist, spricht auch einige Brocken Deutsch. Es ist eine herzliche Begegnung mit einem weisen, heiligmäßigen Mann. Er bewirtet uns mit seinen Helferinnen sehr zuvorkommend. Der alte Mann ist körperlich eingeschränkt und etwas aufgeregt, aber vom Kopf her sehr wach. Dom Miguel ist der erste Bischof, den ich in Teresina kennengelernt habe, dann war fast bei jedem Besuch ein neuer Bischof da: Dom Celso (ebenfalls pensioniert und in Teresina), Dom Sergio (jetzt Erzbischof von Brasilia und Leiter der brasilianischen Bischofskonferenz), und jetzt Dom Jacinto.

Der Nachmittag ist Gott sei Dank frei. Die anderen erfrischen sich im Pool, ich lege mich erst einmal hin. Dann muss der Koffer ausgepackt und vor allerlei Kriechtieren gerettet werden. Und schließlich die ersten Videoclips und Fotos herüberladen – schweißtriefend bei 34 Grad und vielen frisch gepressten Säften.

Am Abend zieht überraschend ein Gewitter auf und unsere kleine Feier fällt buchstäblich erst ins Wasser, dann für zwei Stunden in die Dunkelheit. Nach und nach kommen aber die alten Freunde und Bekannte, und es wird ein schöner Wiedersehensabend! Die Brasilianer haben gemütlich Kerzen aufgestellt, Isabel auch eine kleine Kerze vor dem Hausaltärchen… Weil kein Strom da ist, ist auch keine laute Musik an, so dass man sich (brasilianisch/englisch) unterhalten kann. Eine Person macht zurzeit wohl eine Art Caipirinha-Praktikum und darf uns das brasilianische Nationalgetränk in allen Variationen mixen: traditionell mit Limone, gerne wie ich es mag auch mit süßer Milch, aber auch mit Erdbeeren (!) oder Trauben. Als spät am Abend auch unser Bekannter Renato kommt, geht das Licht wieder an – und damit auch die Musik. Am Schluss wird eine Quadrilla getanzt (und damit eine Leidenschaft von Franziska geweckt, die uns noch lange verfolgen wird). Am Schluss regnet es wieder. Die Regenschauer jetzt um diese Zeit im Juli sind ungewohnt. Sie treiben die Luftfeuchtigkeit schnell und andauernd hoch.

Alle Fotos des Tages:

Teresina-Besuch Tag 2: ASA, Generalvikariat, Dom Miguel

Alle Berichte

Alte Berichte 1994 – 2009

Alle Fotos

Alte Fotos   Fortsetzung

Alle Videoclips

    

INFORMATIONEN ZUR ASA

WESEN

Die erzbischöfliche Sozialaktion – ASA ist eine gemeinnützige, zivile Entität mit Sitz und Forum im Kreis Teresina. Sie arbeitet im Gebiet des Bundesstaates Piauí. Ihre Gründung erfolgte am 13. Juni 1956 durch Dom Avelar Brandão Vilela, der damit, durch den Heiligen Geist erleuchtet, eine Entität zum Dienen schuf: die ASA ist heute eine der erfolgreichsten Entitäten in Piauí, die die Assistenz gefährdeter Personen zum Ziel hat.

Sie hat die Aufgabe, ganz besonders den Menschen zu fördern, der sich in sozialem Ausschluß und/oder sozialer Gefährdung befindet. Dazu artikuliert und entwickelt sie tragbare, resozialisierende Aktionen durch die Mobilisierung von Partnern, um so Mittel und Konditionen für die volle Ausübung der Bürgerrechte zu schaffen und zum Aufbau einer brüderlichen, gerechten und solidarischen Gesellschaft beizutragen. Es ist Absicht der ASA, Referenz zu sein für Respekt und Kredibilität in der Behandlung, Valorisierung und Promotion der Menschen, die sich in Situtionen des sozialen Ausschlußes oder der sozialen Gefährdung befinden, indem sie ethisch und profissionell zusammen mit Partnern und der Gesellschaft arbeitet.

Durch ernsthafte, transparente Planung, Verantwortungsbewußtsein, Rechtsgefühl, Ethik und Qualität in ihren Aktionen hat die ASA viel durchführen und Erfolg in ihren Programmen erreichen können. Bedeutende Resultate, die beweisen, daß es möglich ist, Hindernisse in praktische Errungenschaften zu verwandeln.

Die Arbeit der ASA genießt die Anerkennung und den Respekt der ganzen Gesellschaft (andere Organisationen, rechtliche Gewalten, Volk, Partner, nationale und internationale Institutionen die sich dafür einsetzen, „daß alle Leben und Leben in Fülle haben“ (Joh 10, 10).

Die ASA ist in ihrer Gemeinnützigkeit vom Kreis, Land und Bund anerkannt. Mehr als nur in den verschiedenen politisichen öffentlichen Räten registriert zu sein, hat die ASA dazu beigetragen, diese Räte durch konstanten sozialen Protagonismus aufzubauen.

Die Arbeit der ASA ist ernsthaft und wird vor allem mit Liebe getan. Daher gelingt sie und wächst immer weiter. Solitadrität hat ja schließlich keine Grenzen, und der Wunsch der ASA, sich aktiv um eine gerechtere Gesellschaft zu bemühen, kennt auch keine Grenzen.

 

PROGRAMME

In seit über 50 Jahren Geschichte in Teresina und anderen Kreisen des Bundesstaates führt die ASA Aktionen in den Bereichen der Sozialassistenz und der Gesundheit durch. Dabei ist sie immer offen für neue Aufgaben, die ihren Zielpunkten entsprechen. Als eine ihrer Verpflichtungen sieht die ASA die Weiterführung der laufenden Programme und die Schaffung neuer möglicher Aktionen an, die ihrer Mission entsprechen. Dabei rechnet sie mit rechtlich konstituierter Partnerschaft und ernsthafter Hilfe, um so die notwendigen Mittel für eine perfekte Ausübung ihrer Aktionen zu gewährleisten.

Im Bereich der Sozialassistenz konkretisiert die ASA folgende Aktionen:

  • Haus der Zabelê: nimmt Kinder, Heranwachsende und Jugendliche weiblichen Geschlechts auf, die Opfer der sich in allen möglichen Formen ausdrückenden Gewalt geworden sind, mit besonderem Gewicht auf der sexuellen Gewalt. Partnerschaft der ASA mit der Kreisverwaltung von Teresina – PMT.
  • Aktives Bürgerreicht: eine Partnerschaft ASA/Misereor, die die Entwicklung der sozialen und politischen Autonomie von Gemeinden (São Francisco, São Joaquim, Parque Universitário, Piçarreira II) zum Ziel hat, indem sie die Talente und lokalen Potenzialitäten stärkt.
  • Offene Schule: sie repräsentiert den Freiraum, der Bürgerbewußtsein und eine neue Form zu denken, zu sehen und zu arbeiten für das männliche Kinder- und Jugendsegment in sozialer Risikosituation anhand von ludisch-pädagogischen Aktivitäten schaffen will. Der aktuelle Name ist: Gemeinschaftszentrum Neue Jungen. Partnerschaft ASA/PMT.
  • Integrieren: ist tätig in der Generationen übergreifenden Behandlung von Kindern, Heranwachsenden, Jugendlichen und Älteren in drei Polen:
  • Nossa Casa – Unser Haus (Betreuungszentrum für Ältere): hat die Verbesserung der Lebensqualität Älterer zum Ziel.
  • Pol Canguru: Zielpunkt ist, Heranwachsende und Jugendliche zu informieren und qualifizieren, damit sie als Multiplikatoren von Preventivaktionen handeln können, die den Risiken ihrer gesunden Entwicklung begegnen.
  • Pol Gemeinschaftszentrum Hl. Antonius: entwickelt Integrations- und Erziehungsmaßnahmen mit Kindern und ihren Familien.
  • Junger Lehrling:Projekt, das die ASA seit 1995 entwickelt: trägt zur persönlichen und profissionellen Entwicklung von Hunderten von Lehrlingen bei. Es handelt sich um Aktionen, die Gewohnheiten, Kompetenz und unentbehrliche Erfahrungen für die Produktionsarbeit und das soziale Zusammenleben fördern.
    Die Arbeit hat großen edukativen Charakter, auf der Basis profissioneller Qualifikation, bei der jedoch die menschlichen und sozialen Seiten nicht fehlen. Ziel ist es, Heranwachsende und Jugendliche im Alter von 14 bis 22 Jahren, die in den Programmen der ASA betreut werden, in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Gesetzliche Grundlage ist das Lehrlingsgesetz (Gesetz n° 10.097/00). Die praktische Ausbildung geschieht in der Firmen, die theoretische Ausbildung wird in der ASA durch zwei berufsbildende Kurse gewährleistet: Hilfskraft in der Verwaltung und Bankwesen.
    Die jungen Teilnehmer dieses Programms werden auch von Freiwilligen in ihrer menschlich-affektiven Reifung begleitet.
    Die ASA ist keine Berufsagentur, sondern ein Raum der integralen Bildung des Menschen, die sicherlich die Arbeit einschließt.
  • Steh auf, komm in die Mitte: kümmert sich um Behinderte, die betreut und in ihren Rechten verteidigt werden. Die Wertschätzung, die Rehabilitation, die Befähigung und die soziale Eingliederung in den Arbeitmarkt soll so gefördert werden.
    Beteiligung ASA/PMT, unter der Vergabe der Gesellschaft zur Wertschätzung der Behinderten – AVAPE.
  • Zentrum Unbefleckte Maria: bietet unentgeltliche Betreuung für Leprakranke an. Es handelt sich um ein Gesamt von Aktionen, die Diagnose, Vorbeugung und Heilung der Krankheit einschließen, ebenso wie die Behandlung von Behinderungen auf der Basis physio-therapeutischer Maßnahmen.
    Beteiligung: ASA/PMT/FMS/SUS und andere
  • Heim der Brüderlichkeit: wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, aids-infizierte Personen, die von ihrer Familie und der Gesellschaft ausgeschlossen werden, aufzunehmen. Um den Unterhalt der Aktionen des Heims zu gewährleisten, hat die ASA die Brüderlichkeitskampagne initiiert als Gelegenheit der Reflektion und des liebevollen Teilens, die sich jedes Jahr wiederholt.
  • Heim der Barmherzigkeit: hat die Mission, Krebskranke aufzunehmen, die in Behandlung sind oder in anderen Kreisen und/oder Bundesstaaten wohnen und überhaupt keine Unterkunftsmöglichkeit in Teresina haben.
    Beteiligung: ASA/PMT/Sankt Markushospital
  • Referenzzentrum der Frau – Hoffnung Garcia: Bietet psychologische und soziale Betreuung, sowie juristische Orientierung für Frauen an, die sich in häuslicher und familiärer oder sonstiger Gewaltsituation im Kreis Teresina befinden.
    Beteiligung: ASA/PMT
  • Projekt Heim Sankt Ana: Institution einer Dauerbleibe für alte Menschen.
    Das Projekt hat noch nicht begonnen. Auch hier gibt es die Beteiligung der Kreisverwaltung von Teresina.

Legende: PMT = Kreisverwaltung von Teresina

FMS = Gesundheitsfond des Kreises

SUS = Einheitssystem der Gesundheit

ODM = Entwicklungsobjektive des Jahrtausends

UNICEF-SIEGEL

Dieses Siegel bedeutet die internationale Anerkennung, die Kreisverwaltungen gegeben wird für ihr Bemühen um Verbesserung der Lebensqualität für Kinder und Heranwachsende anhand von Maßnahmen auf dem Gebiet der Gesundheit, der Erziehung und des Schutzes. Dazu sollen die öffentlichen politischen Maßnahmen für die Kindheit und Jugend überprüft werden, ausgehend von lokalen Diagnosen, die unter dem Gesichtspunkt der Entwicklungsobjektive des Jahrtausends – O.D.M. überprüft werden.

Im Jahr 2010 lud die UNICEF die ASA ein, an dem Projekt teilzunehmen, das sich zur Aufgabe macht, die Kreisverwaltungen von Piauí, die sich um das UNICEF-SIEGEL bewerben, zu mobilisieren, anzuspornen und zu qualifizieren. In dieser Hinsicht sollte die ASA zur Verbesserung der Lebensqualität der Kinder von Piauí betragen, die in den 167 Kreisen durch das Projekt begleitet werden.

Hauptstrategien des Projekts:

  • Mobilisierung von Bürgermeistern, First Ladys, Kreissekretären, Artikulatoren, Ratsmitgliedern, Kindern und Heranwachsenden, sich an dem Projekt zu beteiligen;
  • Realisierung von Veranstaltungen, um die Kreise für die Entwicklung der Aktivitäten des Siegels zu befähigen;
  • Bekanntmachung der Aktionen des Siegels und der Kreise in Bezug auf die öffentliche Politik für Kinder und Heranwachsende.