Teresina-Besuch Tag 6: Monsenhor Gil

Teresina-Besuch Tag 6: Monsenhor Gil

Heute Morgen (Sonntag, 5. Juli 2015) geht es schon um 7 Uhr los. Eine Gruppe von Jugendlichen führt uns einen Kreuzweg hinauf, der an einem kleinen Berg angelegt ist. Padre Ronald sagt, dass man nicht in Monsenhor Gil gewesen sein könnte, ohne den Kreuzesberg zu besteigen. Die Treppenstufen führen in unterschiedlicher Höhe steil nach oben. Man ist schweißgebaden, wenn man das Plateau erreicht, auf dem ein Altar und drei Kreuze angebracht sind. Hier wird die Messe gefeiert. Der Schlußpunkt ist allerdings ein paar Meter und Stufen tiefer (die man auf dem Rückweg wieder hochsteigen muss!). Dort singen wir ein Lied und sprechen ein Gebet. Von hier aus hat man einen guten Ausblick auf das Gelände. Ich frage, wie die vielen kleinen Berge hier entstanden sind. Weder die Jugendlichen noch Padre Daniel verstehen die Frage. Die waren doch schon immer hier…

Nach dem Frühstück, am dem auch einige Aktive aus der Gemeinde teilnehmen, geht es tief ins Landesinnere nach Goiabeira. Hier wird die Straße zur Piste. Wenn es hier regnet, erzählt der Padre, kommt man mit dem Auto nicht über die Flüsse.

Wir besuchen zunächst die Kirche Sao Miguel Arcanjo, die die Leute erst kürzlich aufgebaut haben. Schöne Fußbodenfliesen haben sied hier verlegt.

Wir gehen durch einige Häuser und besuchen die Menschen, darunter einen alten blinden Mann. Überall freut man sich, dass wir kommen, und wir müssen viele Hände schütteln und Fotos machen. Hier im Dorf wohnen 13 Familien, weitere im Umland. Das Dorf ist erst 20 Jahre alt. Man hat Elektrizität und Wasser aus Brunnen, die über 90 Meter tief gebohrt sind. Die Qualität des Wassers ist trotzdem nicht so gut. Außerdem verursacht ein Großgrundbesitzer in der Nähe ein Problem mit seinen großen, neu angelegten Eukalyptuswäldern. Das Holz soll schnell wachsen und verwertet werden und zieht sehr viel Wasser aus dem Boden. Die Leute wohnen hier sehr einfach, aber sauber und mit Stil. Fast alle, auch die Jugendlichen, haben ein Handy für die Kommunikation. Es gibt eine kleine Schule für 17 Kinder. Etwas schmunzeln müssen wir, dass hier vor diesere Zwergschule das volle Sicherheitsprogramm wie in der Stadt läuft: Mehrere Schilder: „Achtung: Übergang für Fußgänger und Tiere“ sowie ein angedeuteter Lombada (eine Schwelle über der „Fahrbahn“). Zum Mittagessen mit vielen Menschen werden wir üppig bedient. Neben Wasser und Säften gibt es auch Guanara (ein brasilianisches Erfrischungsgetränk) und Coca Cola. Der Busfahrer von nebenan bringt uns dann zur Freude auch der Kinder mit seinem alten deutschen VW-Omnibus zur Badestelle am Fluss.

Am Ende lässt uns der Bus noch bei einer Familie heraus, die uns frisch vom Baum eine Bananenstaude mitgeben. Die Früchte sind jetzt noch grün, sollen aber in ein paar Tagen reif sein…

Dann weiter zur Gemeinde Cadoz, dort wieder in einige Häuser, die Kirche – und natürlich gibt es etwas zu Essen und zu trinken. Überall warten die Leute auf uns, sind herzlich und freuen sich.

Gegen 17 Uhr sind wir wieder in Monsenhor Gil und können uns etwas frisch machen. Zwischendurch gibt es Eis und Früchte. Um 19 Uhr ist die Messe in der Hauptkirche von Monsenhor Gil angesetzt. Wir werden am Anfang besonders begrüßt und müssen uns vorstellen. In der Messe wird auch ein Kind gesegnet, das vor einer Operation steht, am Schluss auch ein Neugeborenes. Es wird ganz viel gesungen, eine Band spielt von der (Orgel-) Bühne aus. Die Leute singen viel mit, es gibt auch zahlreiche Antwortgesänge. Ansonsten ist die Liturgie aber streng nach Messbuch, der Friedensgruß vor den Beginn der Messe ausgelagert. Am Schluss redet noch eine Rechtsanwältin im Auftrag der Bischofskonferenz: die Bischöfe sind dagegen, dass das Alter für Gefängnis von 18 auf 16 Jahre heruntergesetzt werden soll.

Nach der Messe gibt es viel Händeschütteln und ein letztes Abendessen im Pfarrhaus: wie immer viele süße Kuchen, Saft und Kaffee. Wir verabschieden uns von Padre Ronald, tauschen noch Geschenke aus und fahren zurück nach Teresina. Die Fahrt dauert eine gute Stunde und ist nicht ganz ungefährlich. Einige LKW- und PKW-Fahrer überholen wie die Verrückten! Da hilft es dann auch nicht viel, dass an den Straßenrändern und in der Mitte reflektierende Markierungen sind (links rot, Mitte + rechts gelb). In Cafarnaum angekommen, müssen wir erst noch den Orangenlikör probieren, den uns Ronald mitgegeben hat. Er scheint unserer Kochfrau aber besser zu schmecken als uns, und wir müssen ihn noch einmal mit einem Cachaca neutralisieren… Inga bekommt das erste Kokusnusswasser. Das waren zwei sehr beeindruckende Tage an der Peripherie.

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